Hammerprozess: Speichelprobe im Gerichtssaal

Von: g.s.
Letzte Aktualisierung:

Geilenkirchen/Heinsberg. Neun Zeugen wurden am zweiten Verhandlungstag im „Hammerprozess“ vernommen. Dem 33-jährigen Ismet J. aus Heinsberg wird vorgeworfen, eine „andere Person mittels eines Werkzeuges körperlich misshandelt zu haben“. Der anfängliche Vorwurf lautete auf versuchten Mord, und deshalb hatte der Beschuldigte auch in Untersuchungshaft gesessen. Der Mann soll im März 2011 in der Körbergasse in Heinsberg den 32-jährigen Ragit S. gleicher Herkunft mit einem Hammer geschlagen und verletzt haben.

Der Angeklagte und der Geschädigte präsentierten dem Schöffengericht in Geilenkirchen am ersten Verhandlungstag zwei unterschiedliche Versionen des Tathergangs. Die gleich zu Beginn bei der Fortsetzung des Prozesses geladenen Polizeibeamten schilderten das Einsatzgeschehen rund um die Hammerattacke. Ein 48-jähriger Beamter sagte aus, dass er beim Eintreffen am Tatort von dem Geschädigten erfahren habe, dass er mit einem Hammer traktiert worden sei. Er erinnerte sich zwar nicht mehr an Einzelheiten, wusste jedoch noch, dass die Scheibe auf der Fahrerseite des Autos des 32-Jährigen heruntergekurbelt war.

Der Polizeibeamte verwies auf seine ersten Wahrnehmungen am Tatort, die er kurz darauf niedergeschrieben habe. Nach Schilderung der Zeugen habe demnach der Angeklagte den 32-jährigen Heinsberger durch das geöffnete Fenster mit dem Hammer geschlagen. Die handgreifliche Auseinandersetzung habe sich dann außerhalb des Autos auf der Straße fortgesetzt. Ein 56-jähriger Polizeibeamter hatte Minuten nach der Tat zusammen mit einem Kollegen die Wohnung des angeklagten 33-Jährigen observiert. Der dann vor dem Haus eintreffende Bruder des Angeklagten habe die Beamten zur Wohnung geführt, wo der Tatverdächtige angetroffen wurde.

„Ein Hammer stand im Flur neben einer Tasche, wir haben ihn sichergestellt“, so der Polizeibeamte. Der Beschuldigte habe damals ohne Vorhalt angegeben, mit dem Hammer auf den Geschädigten eingeschlagen zu haben. Ein 54-jähriger Kriminalhauptkommissar stand zwar als Zeuge zur Verfügung, konnte aber zum Tathergang nichts sagen, weil er nur den Sachverhaltsbericht zur Staatsanwaltschaft gebracht hatte.

Ein 32-jähriger in Düsseldorf wohnender Assistenzarzt des Heinsberger Krankenhauses erinnerte sich nicht mehr an den Geschädigten, obwohl er diesen damals ambulant behandelt hatte. Nach seiner Dokumentation habe der Patient angegeben, dass er auf der Arbeitsstelle mit einem Hammer geschlagen worden sei. Verletzungen im Rückenbereich, am linken Ellenbogen, eine Platzwunde am Nasenrücken sowie Hautabschürfungen an Händen und Fingern hatte der Arzt, der die Verletzungen als nicht schlimm bezeichnete, in seinem Bericht festgehalten.

„Mit der Hammergeschichte hab ich nix zu tun, da war ich nicht bei“, machte der 37-jährige Bruder des Angeklagten gleich zu Beginn seiner Zeugenvernehmung klar. Als er die beiden Polizeibeamten vor der Haustüre gesehen habe, sei er bereits vorher telefonisch über den Vorfall informiert worden. Sein Bruder habe ihm gesagt, dass er eine „Schlägerei mit dem gemacht“ habe.

Hier hakte Richter Thomas Schönig nach, weil sich das „gemacht“ so anhöre, als habe der Bruder angefangen. Der Verteidiger des Angeklagten, Norbert Hack, sah dies genauso, jedoch habe sein Mandant sicherlich „gehabt“ gemeint. Immerhin beherrsche der Zeuge die deutsche Sprache nicht perfekt und könne nicht zwischen gemacht und gehabt unterscheiden. Auf Nachfrage gab der vor Gericht recht lebhafte Bruder an, dass er keinen Unterschied zwischen gemacht und gehabt sehe. Zu verbalen Auseinandersetzungen in den Tagen vor der Hammerattacke am Heinsberger Marktplatz nahm der Zeuge ebenfalls Stellung. Demnach habe das 32-jährige Opfer seinen Bruder und später auch ihn mehrfach provoziert. Hierbei habe der 32-Jährige auf die ganze Familie und auch auf die Kinder abgezielt.

Richter Thomas Schönig verwies darauf, dass der 37-jährige Bruder ein zweites Mal zur Vernehmung vorgeladen worden sei, weil er beim ersten Mal nicht die Wahrheit gesagt habe. Dies betraf Telefonate, die der Bruder bei der ersten Vernehmung nicht geführt haben wollte, die aber bei weiteren Ermittlungen nachgewiesen werden konnten. Die 25-jährige Ex-Frau des Angeklagten machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und wurde wieder entlassen.

Ein mit dem Angeklagten befreundeter 26-jähriger Bauarbeiter aus Heinsberg, der mit diesem in einem Lokal essen war, bestätigte im Groben die Aussagen des Bruders bezüglich der verbalen Attacken auf dem Marktplatz. „Ich mach dich fertig“, habe der 32-Jährige aus dem Auto herausgeschrien. Der Bauarbeiter gab allerdings an, dass der Attackierende auch aus dem Auto ausgestiegen sei, was er bei der ersten Vernehmung nicht gesagt hatte. Ein 63-jähriger Arbeitskollege des Angeklagten aus Stahe konnte zum eigentlichen Geschehen überhaupt nichts sagen. Die Kripo sei lediglich damals zur Baustelle gekommen und habe nach einem fehlenden Hammer gefragt. „Ich konnte aber nicht sagen, ob ein Hammer fehlt“, so der Zeuge.

Dr. Caroline Hoppe war die letzte Zeugin am zweiten Verhandlungstag. Die Biologin vom Landeskriminalamt hatte den beschlagnahmten Hammer seinerzeit auf DNA-Spuren untersucht und das Zellmaterial gesichert. An der unteren Hälfte des Stiels seien Spuren vom Geschädigten gefunden worden, aber nicht vom Angeklagten. „Der Geschädigte kommt als Spurenverursacher in Betracht, aber die Spur ist nicht eindeutig zuzuweisen“, so die Biologin. Es habe nicht nachgewiesen werden können, ob mit dem Hammer geschlagen wurde. „Das Geschehen ist nicht blutig verlaufen, daher muss kein Zellmaterial vorhanden sein“, so Dr. Caroline Hoppe. Allerdings sei kein Abgleich aller 16 Systemmerkmale durchgeführt worden, nur acht Merkmale seien einem Abgleich unterzogen worden. Verteidiger Hack stellte sofort den Antrag, weitere Merkmale abzugleichen.

So unterzog sich der 32-jährige Geschädigte noch im Geilenkirchener Amtsgericht einer weiteren Speichelprobe, die in den nächsten Tagen ausgewertet wird.

Der Prozess wird am 6. Februar um 10 Uhr fortgesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert