Haltestelle Nirm: Schulkinder steigen auf der Kreuzung aus

Von: Jessica Küppers
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Haltepunkt in der Spitzkehre: SPD-Mitglied Ingo Helf (links) und SPD-Linke-Fraktionsvorsitzender Christoph Grundmann sehen eine sichere Alternative zur jetzigen Situation – nur wenige Meter weiter. Foto: J. Küppers
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Eltern sorgen sich um das Wohl ihrer Sprösslinge, die mitten auf der viel befahrenen Straße aussteigen müssen.

Nirm/Kraudorf. Jeden Nachmittag um 16.23 Uhr wird der Schulweg für die Kinder aus der kleinen Ortschaft Kraudorf zur Gefahrenstelle. Wenn die Schüler, die in Hückelhoven zur Schule gehen, in Nirm aus dem Bus aussteigen, stehen sie mitten auf einer Kreuzung.

Die Haltestelle Nirm, die mit der Linie 407 an den öffentlichen Personennahverkehr nach Hückelhoven und Geilenkirchen angeschlossen ist, befindet sich in der Spitzkehre, die durch das Aufeinandertreffen der Landstraße 42 und der Straße Kraudorf entsteht. Weil der Bus diesen Haltepunkt in der scharfen Linkskurve gar nicht anfahren kann, muss er im Kreuzungsbereich halten. Autofahrer, die zu dieser Zeit von Nirm nach Kraudorf fahren wollen, schlängeln sich oftmals am Heck des Busses vorbei. Die Kinder können sie nicht sehen und andersherum werden auch sie nicht gesehen.

Das stört Christoph Grundmann, Vorsitzender der Fraktion SPD-Linke im Geilenkirchener Stadtrat, und SPD-Mitglied Ingo Helf, der selbst mit seiner Familie in Kraudorf lebt, schon länger. Seit zweieinhalb Jahren versuchen sie das Problem zu lösen. Zahlreiche Gespräche mit der Stadt Geilenkirchen, dem Kreis Heinsberg und dem Verkehrsunternehmen West-Verkehr blieben jedoch bislang erfolglos. Deshalb hat die SPD-Linke einen Antrag auf Änderung der Nahverkehrsplanung 2017 gestellt, der am morgigen Dienstag im Ausschuss für Bildung, Soziales, Sport und Kultur besprochen wird. Darin heißt es: „In der Vergangenheit kam es hier schon öfter zu Beinahe-Zusammenstößen von aussteigenden Schulkindern und vorbeifahrenden Autos.“ Eine sichere Alternative könnte eine Bushaltestelle sein, die keine 50 Meter entfernt Richtung Kraudorf gelegen ist. Das hätte zur Folge, dass der Bus zunächst weiter in den Ort fahren müsste, um dort zu drehen und dann Geilenkirchen anzusteuern.

Diese Lösung kommt für Udo Winkens, Geschäftsführer von West-Verkehr, nicht in Frage. „Wir nutzen dort Gelenkbusse“, sagt er. Mit diesen längeren Bussen, die mehrmals am Tag zum Einsatz kommen, sei man nicht in der Lage, in Kraudorf zu wenden. Ein kürzeres Standardmodell könnte den Ort problemlos anfahren. Von diesen Bussen müssten jedoch zu den Stoßzeiten mehrere fahren. Das verursacht zusätzliche Kosten Trotzdem ist dem Geschäftsführer des Unternehmens die Brisanz der Situation in Nirm bewusst. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Stadt und planen eine Haltestelle gegenüber der Gaststätte in Nirm einzurichten“, sagt er.

Dadurch würde der Weg für Kinder aus Hoven und Kraudorf jedoch noch länger werden. Bisher müssen sie je nach Wohnort zwischen 400 Meter und einem Kilometer zur Bushaltestelle zurücklegen. Davon betroffen sind etwa 12 bis 16 Kinder aus den beiden Ortschaften. Winkens weist jedoch darauf hin, „dass die beiden Orte direkt angefahren werden“ – allerdings zu schulunfreundlichen Zeiten. In Kraudorf um 8.12 Uhr, wenn die Schüler längst in der Schule sein sollten, und um 17.20 Uhr, wenn sie längst wieder zurück sein sollten. Zu diesen Zeiten reicht offenbar ein kurzes Busmodell zur Personenbeförderung aus, so dass ein Wendemanöver auch in der engen Ortschaft möglich ist.

Dass eine Lösung „ohne bauliche Veränderungen dort nicht möglich“ sei, sagt auch Pressesprecher Ulrich Hollwitz vom Kreis Heinsberg. Nach Meinung der Kreisverwaltung liege außerdem keine Gefährdung der Kinder beim Aussteigen vor, weil „der nachfolgende Verkehr beim Anhalten des Busses ebenfalls halten muss“.

Dass das in der Praxis ebenso wenig eingehalten wird wie das vorgeschriebene Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde, zeigt ein Besuch unserer Zeitung vergangene Woche an der Haltestelle in Nirm. Zu diesem Zeitpunkt fahren mehrere Autos in hohem Tempo Richtung Kraudorf. Auch darauf, ob ein Bus hält oder nicht, nehmen die Autofahrer zumindest an diesem Nachmittag keine Rücksicht.

Vom Kreis heißt es weiter, dass zudem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten „die Kosten für entsprechende bauliche Veränderungen oder der Einsatz mehrerer kleinerer Busse statt eines Gelenkbusses in keinem Verhältnis zum erzielten Nutzen“ stünden.

Dagegen wehren sich Grundmann und Helf entschieden. „Wie kann man wirtschaftliche Aspekte gegen die Sicherheit der Kinder aufwiegen? Das funktioniert einfach nicht“, sagt der Kraudorfer Ingo Helf, der selbst um das Wohl seiner Kinder an der Bushaltestelle Nirm fürchtet. „Wenn keiner etwas unternimmt, wird irgendwann etwas passieren“, sagt er.

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