Geilenkirchen - Hakenkreuz-Schmierereien an Schulen

Hakenkreuz-Schmierereien an Schulen

Von: Jan Mönch
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Zwei große Hakenkreuze prangten am Sonntag auf den Eingangstüren der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, von der Straße aus waren sie also gut zu erkennen. Trotzdem kam offenbar kein Passant auf die Idee, die Polizei zu verständigen. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule sowie die Realschule in Geilenkirchen sind am Wochenende mit Nazi-Schmierereien verunstaltet worden. Die Stadt als Trägerin beider Schulen hat Strafanzeige gestellt und außerdem eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen.

Wie bei politisch motivierten Straftaten üblich, hat der Staatsschutz in Aachen die Ermittlungen übernommen. Der Straftatbestand lautet „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“.

Die Taten spielten sich nach bisherigen Erkenntnissen in der Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen 20 Uhr abends und 8 Uhr morgens ab. Große Teile beider Schulgebäude wurden beschmiert. An der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule (ALG) prangten unter anderem zwei große Hakenkreuze an der Front des Gebäudes. Außerdem war dort „Judenvernichtungsanlage“ sowie „Deutschland ist Naziland“ zu lesen. Schulleiter Uwe Böken und ein weiteres Mitglied des Kollegiums wurden aufs Unflätigste beleidigt – ein Detail, das es zumindest als möglich erscheinen lässt, dass es sich um aktuelle oder ehemalige ALG-Schüler handelt. „Ich kann den Tätern nur wünschen, dass sie nicht unsere Schule besuchen. Es liegt auf der Hand, dass auch wir sonst drastische Maßnahmen ergreifen“, so Böken am Montag. Auch er persönlich habe Anzeige wegen Beleidigung erstattet. Per Lautsprecherdurchsage wurden die Schüler am Montag über die von der Stadt ausgesetzte Belohnung informiert.

Auch an der Realschule werden „die Kolleginnen und Kollegen in die Schülerschaft hineinhorchen“, kündigt Schulleiter Peter Pauli an. Konkrete Hinweise darauf, dass Realschüler an der Straftat beteiligt waren, gebe es zwar nicht. Ebenso wenig könne man es aber ausschließen. Seine Schule wurde unter anderem mit Hakenkreuzen und Reichsadler sowie unpolitischen Sprüchen und Beleidigungen beschmiert. Außerdem gaben die Täter sich als Fans der hochumstrittenen italienischen Rechtsrockband „Frei.Wild“ zu erkennen. Zwischen Realschule und Innenstadt waren weitere Gebäude betroffen. Viele der Graffiti waren mit dem Wort „Cheese“ signiert.

Bei der Namensgeberin der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule handelt es sich bekanntlich um eine Geilenkirchener Jüdin, die im Holocaust von den Nazis ermordet wurde. Auch ist die Schule bekannt dafür, dass sie sich innerhalb wie außerhalb des Unterrichts um die Aufarbeitung des sogenannten Dritten Reichs verdient macht. Gleiches gilt für die Realschule, die just am kommenden Freitag mit dem Aktionskünstler Gunter Demnig wieder sogenannte Stolpersteine verlegen wird, mit denen an von den Nazis vertriebene, verschleppte und ermordete Geilenkirchener Mitbürger erinnert wird. Ob das Engagement der beiden Schulen der Grund für die Schmiereien ist, darüber kann nur spekuliert werden. Peter Pauli hält dies für wahrscheinlich. Uwe Böken findet, dass dies letztlich nichts zur Sache tue, denn an der Qualität des Vorfalls ändere sich dadurch nichts. Nichtsdestotrotz machen beide Schulleiter deutlich, dass die Schmierereien als Bestätigung dafür empfunden werden, dass Schulprojekte gegen Rechtsextremismus notwendig sind.

Erschüttert zeigte Böken sich am Montag darüber, dass es nur einem Zufall zu verdanken gewesen sei, dass er noch am Sonntag von dem Vorfall erfuhr – und die Hinterlassenschaften noch am Wochenende durch das Hausmeisterteam entfernen lassen konnte. Als Montagfrüh der Schulgong läutete, waren bereits sämtliche Spuren beseitigt. Böken wünscht sich, dass die Nachbarschaft der Schule durch den Vorfall sensibilisiert wird. Denn von der Straße aus waren insbesondere die beiden großen Hakenkreuze auf den Glastüren gut zu erkennen. Fotos davon sollen Bökens Kenntnis nach bereits am Sonntag in den sozialen Netzwerken kursiert sein. „Wieso kommt da niemand auf die Idee, die Polizei zu verständigen?“, ärgert er sich.

Auch wenn wohl kein direkter Zusammenhang besteht, wirft der Vorfall abermals ein Schlaglicht auf die praktisch schon zur Normalität gehörenden Probleme, die die Schule nach wie vor mit Saufgelagen hat, die nächtens vor dem frei zugänglichen Außenbereich der Schule stattfinden und bei denen regelmäßig einiges an Glas zu Bruch geht. Der Bereich soll abgezäunt werden, aber erst 2016. Uwe Böken findet, dass sich am Wochenende gezeigt hat, dass der Zaun besser früh als spät zu errichten ist.

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