Haihover Straße: Von schwarzer Magie und einer weißen Dame

Von: Johannes Gottwald
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Soll in den Wurmwiesen verirrten Wanderern aufgelauert und auf dem Markt in Geilenkirchen einen Bauern angegriffen haben: Die Haihover Juffer. Heute hält eine Bronzeplastik von Bonifatius Stirnberg in der Gerbergasse die Erinnerung an diese alte Sagengestalt wach. Foto: Gottwald
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Der Name der Haihover Straße geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Foto: Gottwald

Geilenkirchen. Sie liegt direkt vor der Haustüre unserer Redaktion – die Haihover Straße. Sie nimmt ihren Ausgang vom Kreisverkehr am Bahnhof und führt geradewegs auf die Wurm zu, wo sie in die Herzog-Wilhelm-Straße einmündet. Obwohl sie durchweg von modernen Bauten gesäumt wird, weist sie trotzdem weit in die Vergangenheit unserer Stadt zurück.

Der Haihof wird bereits im 15. Jahrhundert als Lehen der Geilenkirchener Burg erwähnt, zur Zeit der Reformation gehörte er den Herren von Heinsberg. Mit 18 Morgen Viehweide und 75 Morgen Ackerland verfügte er über einen ansehnlichen Besitz, neben Wohn- und Wirtschaftsgebäuden war er sogar mit einem Bergfried ausgestattet.

Später scheint er jedoch zunehmend verfallen zu sein, denn er wurde schon im 18. Jahrhundert restlos abgetragen, so dass keine Spur mehr davon zu finden ist. Vielleicht wäre auch sein Name heute in Vergessenheit geraten, gäbe es da nicht die Volkssage von der Haihover Juffer. Sie entstand möglicherweise durch die zahlreichen Nebel, die vor allem im Herbst im Wurmtal auftreten, zeigt aber auch, wie stark im Mittelalter der Glaube an Hexen und Geister im Volk verbreitet war.

Schwarze Magie

Der Sage zufolge hatte sich die Tochter eines Haihof-Bauern, die nach dem Tode ihrer Eltern allein auf dem Landgut lebte, heimlich der schwarzen Magie verschrieben. Als sie einmal in der Osternacht mit einem wilden Tanz dem Teufel huldigte, soll sie die Orientierung verloren haben und bei einem plötzlich auftretenden Hochwasser in den Fluten der Wurm ertrunken sein. Zur Strafe für ihre Sünden fand sie im Tod keine Ruhe, geisterte fortan in den Wurmwiesen als weiße Dame umher und lauerte verirrten Wanderern auf, die sie dann in die Wurm zu ziehen versuchte.

So wird auch von einem Bauern aus Teveren erzählt, der einst auf dem Markt in Geilenkirchen ein gutes Geschäft machte. Er ging danach in eine Wirtschaft, um seinen erfolgreichen Handel zu begießen und begab sich erst um Mitternacht stark angesäuselt auf den Heimweg. Als er sich den Wurmauen näherte, wurde ihm seltsam zumute und er spürte einen unwiderstehlichen Drang zum Tanzen. Plötzlich erhob sich ein Sturmwind und eine weiße Dame erschien. Sie packte ihn mit ihren dürren Knochenhänden und wirbelte ihn in rasendem Tempo im Kreis, geradewegs auf den Fluss zu.

In seiner Todesangst rief der Bauer Jesus, Maria und Josef um Beistand an, und die Juffer verschwand ebenso blitzschnell, wie sie gekommen war. Ganz benommen fand sich der Bauer in einem Weidenstrauch am Wurmufer wieder und machte sich eilends auf den Weg nach Hause, wo er von den schon sehr besorgten Angehörigen mit großer Erleichterung empfangen wurde. Andere Begegnungen mit dem Nachtgespenst sollen weniger glimpflich abgegangen sein...

Junge, unverheiratete Frau

Das Wort „Juffer“ leitet sich von einer Dialektform der „Jungfrau“ ab (Jungfer). Ursprünglich verstand man darunter eine junge, unverheiratete Frau oder eine Nonne, erst später wurde der Begriff auch auf weibliche Gespenster oder Dämoninnen übertragen. Im Unterschied zu den Hexen hielten sich die Juffern aber nicht im Wald auf, sondern bevorzugten Feuchtwiesen und Weiden. Oftmals wurden sie auch nicht als hässlich, sondern als vornehm und auffallend schön beschrieben.

Neben der Haihover Juffer gibt es auch zahlreiche ähnliche Legenden aus dem Raum Jülich, Eschweiler, Düren und der Eifel. Der Dürener Lehrer Heinrich Hoffmann (1848-1917) hat im 19. Jahrhundert diese alten Juffer-Erzählungen gesammelt, veröffentlicht und so der Nachwelt überliefert. Heute fürchtet niemand mehr die Haihover Juffer – eine Bronzeplastik von Bonifatius Stirnberg in der Gerbergasse hält die Erinnerung an diese alte Sagengestalt wach.

Die Haihover Straße selbst hat nichts Unheimliches an sich, man findet dort vor allem Geschäfte, Banken und eine Tankstelle. Und weiß gekleideten Damen, die zur Geisterstunde ein Tänzchen machen wollen, begegnet man am Wurmufer höchstens in den Karnevalstagen.

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