Händler sehen die Tütengebühr skeptisch

Von: Jessica Küppers
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Plastik-, Papier- oder Jutebeutel: Der Verbraucher muss sich ab April genau überlegen, wie er seinen Einkauf verstaut. Kostenlose Plastiktüten soll es künftig auf Wunsch des Handelsverbandes nicht mehr geben. Foto: dpa
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Kreis Heinsberg. Jeden Tag gehen Hunderte Plastiktüten über die Ladentheken – auch in Geilenkirchen. Weil die Tüten die Umwelt stark belasten und sie meist noch über Jahre im Meer zu finden sind, soll sich das in Zukunft ändern.

Damit die Politiker zum Schutz der Umwelt kein entsprechendes Gesetz verabschieden, hat der Handelsverband Deutschland eine Selbstverpflichtung angekündigt, an der sich möglichst viele Händler beteiligen sollen. Demnach würden die meisten Tüten im Handel ab dem 1. April kostenpflichtig werden. „Ziel ist es, die Nutzung von Kunststofftüten einzudämmen“, sagt Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen/Region Aachen, Düren, Köln.

Durch die entstehenden Kosten für den Kunden von etwa 20 Cent pro Tüte sollen die Verbraucher abgestreckt werden, zur Tüte zu greifen. Zunächst müssen 60 Prozent aller Tüten bezahlt werden. In zwei Jahren sollen es 80 Prozent aller Tüten sein. Doch wie viele Plastikbeutel verwenden wir eigentlich?

Um das herauszufinden, hat die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Januar 2014 eine Studie durchgeführt. Demnach nutzten die Deutschen im Jahr 2012 rund 6,1 Milliarden Plastiktüten.

71 Kunststofftüten pro Jahr

Zwölf Jahre zuvor lag die Zahl noch bei rund sieben Milliarden Tragetaschen aus Kunststoff. Derzeit nutzt jeder Deutsche etwa 71 Tüten pro Jahr. Um das angestrebte Ziel der Bundesregierung von 40 Tüten pro Kopf im Jahr 2025 zu erreichen, muss die Nutzung jedoch weiter reduziert werden. Eine detaillierte Aufstellung welche Händler sich an der Selbstverpflichtung beteiligen und welche nicht, liegt dem Handelsverband nicht vor. „Die meisten großen Händler machen aber mit“, sagt Hamel.

Kunden müssen entscheiden

Solange die Zahlungspflicht für Plastikbeutel jedoch nicht von der Politik erzwungen wird, wollen die meisten Händler in Geilenkirchen und Umgebung nichts an ihrer bisherigen Tüten-Praxis ändern. Sven Cüppers, der Filialleiter des Sportgeschäftes Duwe in Geilenkirchen ist, bekommt seine Tüten bislang immer kostenlos. Daher wird er sie auch in Zukunft ohne eine Abgabe an seine Kunden weitergeben. „Wir fragen aber immer, ob der Kunde eine Tüte haben will oder nicht“, sagt er. Mittlerweile sei es so, dass viele Kunden ihre Tüten selber mitbringen. Das Verhältnis sei etwa 50 zu 50.

Karin Vossen, Inhaberin einer Metzgerei in Selfkant, ist noch unschlüssig, wie sie mit der Selbstverpflichtung des Handelsverbandes umgehen wird. Sie ist aus hygienischen Gründen gezwungen, ihre Waren zu verpacken. „Wir dürfen keine Behälter von Kunden über die Theke nehmen“, sagt sie. Daher sei sie auf das Verpackungsmaterial angewiesen und gebe etwa 1000 Tüten im Monat heraus. Ob sie dafür ab April eine Gebühr nehmen wird, will sie in den kommenden Wochen entscheiden.

Geschäftsführerin Jutta Hesmer vom Modehaus Schüll in Geilenkirchen hat ihre Entscheidung bereits getroffen. „Solange uns das nicht aufgebürdet wird, lassen wir alles, wie es ist“, sagt sie. In ihrem Geschäft gibt sie nur stabilere Tüten einer Stärke von 50 My Folienstärke an ihre Kunden weiter. Diese Tragetaschen könne man noch weiter verwenden und seien daher eine bessere Wahl als Papiertüten. „Da haben wir dann ein Problem mit den Wäldern“, sagt die Geschäftsfrau. Das sieht auch Hamel so. „Papiertüten gelten zwar als saubere Alternative, aber wenn man die Ökobilanz sieht, ist das auch nicht so gut“, sagt er.

Jutebeutel als Alternative

Seiner Meinung nach müsse sich etwas im Bewusstsein der Verbraucher ändern. Ganz wichtig sei es, dass sie sich vorher bewusst werden, wie sie den Einkauf nach Hause transportieren.

Abhilfe könnten zum Beispiel stabile Jutebeutel schaffen, die von den Kunden mehrfach verwendet werden können. Auch Apotheker Achim Terberger von der Elisabeth-Apotheke in Geilenkirchen sieht den Verbraucher in der Verantwortung. „Wenn sich jeder am Riemen reißen würde, hätten wir das Problem nicht“, sagt er. Dennoch muss er sich in Zukunft Gedanken machen, wie er das Tütenproblem löst. Bislang hat er noch keine Lösung dafür. „Wir überlegen, einen Obolus einzuführen, um die Wegwerfsituation zu verändern“, sagt er.

Die Händler in Geilenkirchen und Umgebung sind also noch skeptisch, was die Gebühr für Plastiktüten betrifft. Darüber, dass weniger Tüten in den Umlauf kommen sollen, um die Umwelt besser zu schützen, sind sich jedoch alle einig. Grundsätzlich sieht Hamel trotz allem optimistisch in die Zukunft. „Wir sind auf einem guten Weg, aber wir müssen noch besser werden“, sagt er.

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