Gurt-Spezialist SpanSet feiert 50-Jähriges

Von: Ines Kubat
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Die Sicherung in großen Höhen gehört auch zum Arbeitsbereich von SpanSet, das am Freitag seinen 50. Geburtstag feierte. Wie solch ein Einsatz mit speziellen Gurten aussehen kann, zeigten am Freitag die Mitarbeiter des Unternehmens in Kooperation mit der Feuerwehr. Foto: Ines Kubat
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Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, Michael Bayer, gratulierte den SpanSet-Geschäftsführern Patrick Schulte und Hans-Josef Neunfinger mit einer Urkunde zum 50. Geburtstag aus.

Übach-Palenberg. Übach Palenberg. Noch bevor man im Auto den Zündschlüssel umdreht, macht man in der Regel eins: den Sicherheitsgurt anlegen. Das geht den allermeisten Leuten ganz selbstverständlich von der Hand. Aber das war nicht immer so: Noch in den 50er Jahren schnallte sich kaum jemand an. Doch dann kam Eric Ehnimb, ein Pionier was die Gurttechnik angeht. Er hat im Jahr 1966 in Schweden die Firma SpanSet gegründet. Und die feierte am Freitag in Übach-Palenberg ihren 50. Geburtstag.

Vom ursprünglichen Sicherheitsgurt für Autos, den Gründervater Ehnimb damals für Volvo entwickelte, hat sich SpanSet – mittlerweile ein internationaler Konzern mit Hauptsitz in der Schweiz – schnell entfernt, erklärte Hans-Josef Neunfinger, einer der beiden Geschäftsführer von SpanSet in Übach-Palenberg.

Denn Ehnimb sei ein Visionär gewesen: Der schwedische Textilingenieur habe früh geahnt, wie man die Auto-Gurt-Technik weiterentwickeln und neue Handlungsfelder schaffen könnte. Gesagt, getan.

Heute retten die Gurte von SpanSet nicht mehr Autofahrer, sondern heben tonnenschwere Bauträger, sichern die Ladung in Lastwagen oder Bauarbeiter, die in schwindelerregender Höhe tätig sind: Hebetechnik, Ladungssicherungstechnik und Höhensicherung lauten die entsprechenden Kernkompetenzen von SpanSet.

Noch im Gründungsjahr des Konzerns entstand auch die deutsche Niederlassung mit dem langen Namen: SpanSet, Gesellschaft für Transportsysteme und technische Bänder mbH & Co. KG. Und die siedelte sich bereits Ende der 1960er Jahr mit ihrer Produktion in Übach-Palenberg an – zunächst wurden die Sicherheitsgurte im alten Zechengebäude gefertigt – mittlerweile sitzt das Unternehmen in der Lütticher Straße.

Und darüber, dass SpanSet der Stadt Übach-Palenberg schon so lange die Treue hält, freute sich Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch: Denn das Werk sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt.

Knapp 150 Mitarbeiter sind bei SpanSet in Übach-Palenberg beschäftigt. Und der Standort ist innerhalb des Konzerns vergleichsweise groß: Insgesamt gibt es nämlich einige Gesellschaften in mehreren Ländern wie China, Australien und Südafrika. Dennoch arbeiten weltweit nur knapp 500 Mitarbeiter für den Gruppe.

Und was man hier in Übach-Palenberg genau herstellt, davon konnten sich die Besucher am Freitagmorgen bei einer Firmenführung ein eigenes Bild machen: Zum Beispiel hinter der Produktionshalle, wo ein grauer Betonträger leicht im Wind hin und her schwankte. Beinahe wirkt er leicht, als er so am Kran hing. Doch eigentlich wiegt diese Stütze 15 Tonnen und wurde mit speziellen Rundschlingen von SpanSet in die Höhe gehievt.

Diese Art der Hebetechnik im Bereich der Schwerlasten gehört zu den Kernkompetenzen des Werks in Übach-Palenberg: Darunter fallen zum Beispiel Gurte zum Transport von Windenergieanlagen, von tonnenschweren Rohren für Off-Shore Pipelines oder von Großkomponenten für Baustellen.

Um heutzutage solch enorme Lasten stemmen zu können, musste in der Vergangenheit stets an dem Material und der Webtechnik der Gurte gefeilt werden, erklärt Geschäftsführer Neunfinger, der bereits vier Jahrzehnte für SpanSet arbeitet und für Vertrieb und Marketing zuständig ist.

Während einige Hebegurte früher nur ein paar Tonnen Last aushielten, komme man heute auf mehrere hundert: Beispielsweise bietet SpanSet Lösungen an, um 300 Tonnen schwere Rohre anzuheben.

Für diejenigen Gäste, die sich unter dieser Zahl nichts vorstellen konnten, verdeutlichte Moderator Robert Esser das Gewicht anhand eines Vergleichs: „Eine ausgewachsene Kuh wiegt knapp eine Tonne. Mit diesen Gurten könnte man also 300 Kühe gleichzeitig anheben“.

Warum er genau das Beispiel der Kuh wählte? Neunfinger hatte kurz zuvor berichtet, dass irgendwann Mal eine skurrile Bitte die Experten von SpanSet auf den Plan gerufen habe. Und zwar meldete sich die Feuerwehr eines Tages bei den Gurt-Spezialisten, weil eine Kuh ins Schwimmbad gefallen war und sie keine Möglichkeit hatten, das Tier hinauszubugsieren. Also mussten die Experten ran und lieferten eine Hebematte, mit der die Kuh sicher wieder an Land gebracht wurde.

Etwas weniger skurril, dafür umso beeindruckender sind andere Projekte, an denen SpanSet beteiligt war: Zum Beispiel sorgten ihre Gurte dafür, dass die Reiter-Quadrille des Brandenburger Tors nicht zu Bruch ging, als sie hochgehoben wurde. Und auch die Kaiser-Wilhelm-Statue wurde von Produkten des Übach-Palenberger Unternehmens wieder an ihren Platz am Deutschen Eck gesetzt.

Und obwohl die Anreise zu ihren Kunden wohl manchmal etwas weiter ausfalle, schätze man den Standort Übach-Palenberg sagte Schulte, der zweite Geschäftsführer: „Die logistische Lage hier ist gut, genauso wie die Verfügbarkeit von Fachkräften und nicht zuletzt die Nähe zu Forschungseinrichtungen.“ So kooperiert SpanSet beispielsweise mit dem Textilinstitut der RWTH Aachen.

Gemeinsam haben sie eine neuartige Beschichtung für Gurte entwickelt, mit der selbst scharfkantige Gegenstände transportieren werden können.

Der Standort in Übach-Palenberg diene dem Konzern auch zur Aus- und Weiterbildung, sowohl für Kunden, die ihre Gurte nutzen, als auch für die, die deren Funktion prüfen müssen, wie zum Beispiel Polizisten: Denn die kommen mit SpanSet dann in Berührung, wenn sie beispielsweise die Sicherheit der Ladung auf Lastwagen kontrollieren. Das ist das zweite Betätigungsfeld von SpanSet: die Ladungssicherung.

Über die vergangenen 50 Jahre hat der Konzern beispielsweise Zugratschen entwickelt – und vor allem weiterentwickelt. In vielen Fällen sei das Unternehmen auch Vorreiter gewesen. Zum Beispiel 1978, als es Zurrgurte erfand: „Heute ist es kaum noch vorstellbar, aber davor wurden Autotransporte nur mit Lederriemen gesichert“, erinnert sich Neunfinger.

Problemlöser mit Pioniergeist – diesen Eindruck hinterließ das Werk von SpanSet Deutschland an seinem 50. Geburtstag. Und zwar unter anderem in dem Moment, als Neunfinger das Vorzeigemodell mit dem martialisch klingenden Namen „Magnum-X“ präsentierte. „450 Tonnen kann er aushalten“, sagte Neunfinger, woraufhin sich einige Besucher verdutzt und beeindruckt anschauten.

Doch Neunfinger sieht diese Zahl gelassen: „Die Reise ist damit noch lange nicht vorbei“, verspricht der Geschäftsführer mit Blick in die Zukunft.

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