Gangelt - Gunter Demnig setzt neue Stolpersteine: Ein Zeichen gegen das Vergessen

Gunter Demnig setzt neue Stolpersteine: Ein Zeichen gegen das Vergessen

Von: Renate Kolodzey
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Gunter Demnig verlegt sechs Stolpersteine vor dem ehemaligen Haus der Familie Leopold an der Sittarder Straße 20. Foto: Kolodzey
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Gunter Demnig mit Jackie Leopold und ihrer Tochter Rachel Achs, die eigens aus der USA angereist waren. Foto: Kolodzey

Gangelt. „Es könnte keinen traurigeren Anlass für unsere heutige Versammlung geben“, resümierte Josef Backhaus, Sprecher der Initiative „Stolpersteine helfen... auch in Gangelt“ bei der Begrüßung der Gäste zur Verlegung von 15 Stolpersteinen.

Er erinnerte „an die schlimmsten zwölf Jahre unserer Geschichte“ und die Gangelter Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und freute sich, dass unter den zahlreichen Gästen auch Schüler von drei Schulen waren. Besonders dankte er Bürgermeister Bernhard Tholen für die Unterstützung des Projektes.

Unter den ausländischen Besuchern hieß Backhaus vor allem Jackie Leopold und deren Tochter Rachel Achs willkommen, die extra aus den USA angereist waren, um bei der Verlegung der Stolpersteine für ihre Familie zugegen zu sein und später einen Vortrag im Rathaus zu halten. Gäste aus den Niederlanden waren Jack Alderwereld, der im Alter von drei Jahren von seinen Eltern getrennt wurde, doch mit Hilfe einer jüdischen Organisation in einer Pflegefamilie in Brunssum überlebte, sowie Ans Holmann, Mitarbeiterin des Amtes für Geschichte der Stadt Tilburg, wo die jüdische Familie Leopold während der Naziherrschaft lebte.

Dr. Horst Seferens, Leiter des Referats für Öffentlichkeitsarbeit des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen, der auch über jüdische Familien in Gangelt recherchierte, kam aus Berlin, und auch Karl-Heinz Nieren, der seit langem umfangreiche genealogische Nachforschungen über jüdische Familien in Geilenkirchen betreibt, war vor Ort.

Inzwischen hatte sich Bildhauer Gunter Demnig aus Köln bereits daran gemacht, Stolpersteine an der Sittarder Straße 12 zu verlegen, wo Therese, Elise und Karel Hertz wohnten, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. Jakob Rombey und Timo Tholen von der Gangelter Realschule lasen aus deren Biografie. Rund 30 Jugendliche der zehnten Klassen ihrer Schule hatten sich eingefunden, begleitet von den Lehrerinnen Andrea Berger und Gabriele Driessen, auch Schulleiter Thomas Hoppe-Leifgen stieß später hinzu.

Weiter ging es zum Haus Nummer 16, ehemals Wohnsitz von Emil, Ernst und Paula Hartog. Emil wurde in Auschwitz getötet, während Ernst und Paula sich durch Flucht ins Ausland retteten. Hier berichteten Jacqueline Tessmann, Vanessa Achenbach, Sabine Lissy und Lena Stegmann von der Realschule aus dem Leben der jüdischen Familie.

Nachbarin findet sich ein

Vor der nächsten Verlegestelle, Nummer 22, wo Ida, Lion, Hugo, Frieda, Else und Erich Leopold gedacht wurde, die alle nach Holland und England emigrierten und überlebten, hatte sich überraschend eine frühere Nachbarin eingefunden: Magdalene Nordhausen (91), die diese Familie gut kannte, da ihre Eltern früher nebenan eine Bäckerei besaßen.

Nadja Küsters und Pia Busch von der Gangelter Gesamtschule erinnerten an die gefährliche Situation, die die Leopolds in die Flucht trieb. Schulleiter Reinhold Schlimm, Lehrerin Judith Vriens und Seelsorger Stephan Lütgemeier begleiteten die rund 30 Schüler der neunten Klassen, die sich zudem zu einer Patenschaft für alle neuverlegten Steine bereit erklärten, bei der sie zweimal pro Jahr die Steine reinigen.

Die letzte Verlegestelle war an der Wallstraße 10, dem früheren Domizil von Irma, Heinrich und Fritz Morgenstern. Heinrich kam in Auschwitz ums Leben, Irma und Fritz retten sich nach Holland. Lynn Laugs und Lukas Schneiders von der Gesamtschule fanden bewegende Worte für das Schicksal der Familie. Neben den beiden bereits erwähnten Schulen nahmen auch drei Schüler aus der 8. Klasse der Gangelter Mercator-Schule mit Schulleiter Marcel Driessen an der Verlegung teil.

Gunter Demnig, durch seine Idee der Verlegung von Stolpersteinen inzwischen zum Weltenbummler geworden, fuhr nach seinem Job in Gangelt direkt zum nächsten Einsatz: „Gerade komme ich aus Italien, jetzt fahre ich nach Belgien und Holland in insgesamt 16 Städte, ehe ich am 15. Februar wieder in Kleve meine Arbeit verrichte“, sagte er. Bisher habe er rund 61.000 Steine in 21 Ländern verlegt, und die Million möchte er unbedingt vollmachen.

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