Günther Sigmund Schwierz: Von Polen aus Städtepartnerschaft mit Heinsberg

Von: Katrin Fuhrmann
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Pflegen immer noch den Kontakt: Günther Sigmund Schwierz und Hermann Rademächers treffen sich noch heute und sprechen über längst vergangene Zeiten. Foto: Katrin Fuhrmann

Heinsberg-Kirchhoven. „Ich habe mich in Ozimek nie wirklich zu Hause gefühlt. Die Menschen im Ort waren nett, ich hatte eine gute Arbeit und die Stadt gefiel mir. Aber ich wollte immer zurück nach Deutschland“, erzählt Günther Sigmund Schwierz. Der 79-Jährige wurde 1936 in Berlin geboren.

Doch wenig später zogen er und seine Familie nach Ozimek, Heimat seines Vaters und heute Partnerstadt von Heinsberg.

Im November 1991, als Heinsberg auf der Suche nach einer osteuropäischen Partnerstadt ist, arbeitet Schwierz als Kämmerer bei der Stadt Ozimek, die rund 22 Kilometer östlich von Opole in Polen liegt. Schwierz ist mitunter der einzige, der die deutsche Sprache in seinem Ort beherrscht. Ein Grund, warum er fortan nicht nur als Dolmetscher fungiert, sondern auch die entstehende Freundschaft tatkräftig unterstützt.

Zu jener Zeit lernt er Hermann Rademächers kennen, der als Leiter des Amtes für Ratsangelegenheiten bei der Stadt Heinsberg arbeitet und sich von nun an um die Freundschaft kümmern soll. „Es haben erste Telefonate und Gespräche stattgefunden. Wir waren uns aber schnell einig, dass die Städtepartnerschaft eine gute Sache ist“, sagt Rademächers.

Am 11. Juli 1992 wird die Partnerschaft schließlich beurkundet. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die es zu Beginn nicht leicht hat. „Es gab Vorurteile. Viele Vorurteile. Unser Ziel war es in erster Linie, diese Feindseligkeiten abzubauen“, erzählt Schwierz. Und das sei nach der Wende gar nicht mal so einfach gewesen. Doch Schritt für Schritt nähern sich die beiden Städte an.

Ein reger Austausch, regelmäßige Treffen zwischen Vereinen, Schulen, Musik- und Tanzgruppen sowie der offiziellen Delegationen führen schon bald dazu, dass die Vorurteile verschwinden. „Es wurden Fragen gestellt, die noch einige Jahre zuvor nicht hätten gestellt werden dürfen. Tabuthemen wurden angesprochen“, erzählt Schwierz.

Während dieser Zeit und durch die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Heinsberg merkt Schwierz, dass es nun an der Zeit ist, endlich die Koffer zu packen und nach Deutschland zurückzukehren. Ihm wird bewusst, wie sehr ihm Deutschland fehlt. Mit seiner Frau zieht er in den 90er-Jahren nach Heinsberg-Kirchhoven, wo der 79-Jährige bis heute lebt.

„Es war für den damaligen Bürgermeister kein Problem, dass ich zurück nach Deutschland gehe. Und es war ja auch immer mein sehnlichster Wunsch“, so Schwierz. An der Freundschaft und Verbundenheit zu Ozimek habe sich aber nichts geändert. Im Gegenteil. Schwierz bleibt aktiv. Von nun an aber auf der anderen Seite der Freundschaft.

„Es ist schön zu sehen, wie sich die Freundschaft und auch die Stadt Ozimek entwickelt haben“, sagt Rademächers. Er erinnere sich noch gut an den ersten Besuch in der osteuropäischen Stadt: Das Krankenhaus, die Straßen und die Infrastruktur seien in einem katastrophalen Zustand gewesen. Heute entspreche die Ausstattung beinah der in Deutschland.

Schwierz und Rademächers pflegen auch heute noch regen Kontakt. Auch wenn beide die Partnerschaft zu Ozimek heute nicht mehr so intensiv und aktiv wie früher begleiten, sie halten ihre Augen immer offen, was in Ozimek so passiert und wie sich die Freundschaft der beiden Städte entwickelt.

Die Jugend gehe heute viel offener mit anderen Kulturen und Ländern um, als die Generation nach dem Krieg. Längst sei Moos über die Feindseligkeit von früheren Zeiten gewachsen. Vorurteile gäbe es kaum noch. „Die Zeiten haben sich eben geändert. Es ist alles paletti“, sagt Schwierz.

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