GTI-Pleite: Geld zurück erst im nächsten Jahr

Von: Nicola Gottfroh
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Die GTI-Insolvenz bedeutet für viele Reisebüros einen kleinen Papierkrieg: Der Aktenordner, in dem Ingrid Preuss-Polzin die Unterlagen der GTI-Kunden abgelegt sind, ist dick. Dabei haben nur fünf Kunden bei Selfkant-Reisen diesen Veranstalter gebucht. Foto: N. Gottfroh

Geilenkirchen/ Übach-Palenberg. Seit Monaten hatte er sich drauf gefreut. Darauf, mit seiner Freundin eine Woche auszuspannen, Cocktails zu schlurfen und im Meer zu baden. Darum hat Ingo Cremer (Name von der Redaktion geändert) eine Reise im Internet gebucht. Ein echtes Schnäppchen. Eine Woche Türkei, im Fünf-Sterne-Hotel, alles inklusive und das alles unter 600 Euro.

Nun kommt ihn das Schnäppchen allerdings doch teurer zu stehen als beim Klick auf den Buchungsbutton seines Computers gedacht. Denn angeboten hatte die günstige Reise GTI-Travel. Und dieser Veranstalter hat bekanntermaßen vor einigen Wochen Insolvenz angemeldet. Inzwischen ist klar: Die Kunden müssen sich gedulden. „Das Geld gibt es wohl erst Anfang nächsten Jahres zurück“, sagt Ingrid Preuss-Polzin, Reiseverkehrskauffrau bei Selfkant Reisen.

Das Geld für die Reise, die Ingo Cremer niemals antreten wird, ist zwar nicht weg – doch es war mühsam zusammengespart. „Und nochmal Geld zahlen, um einen neue Reise zu buchen, aber trotzdem zu warten, bis das von GTI wieder zurückkommt, das ist einfach nicht drin“, sagt der Auszubildende. Überhaupt wisse er nicht, wie er nun weiter vorgehen soll. Was er machen solle, um sein Geld zurückzubekommen. „Ich habe keinen Ansprechpartner und fühle mich allein gelassen“, sagt er.

So ginge es vielen, die übers Internet gebucht hätten , sagt Ingrid Preuss-Polzin. „Viele Urlauber, die die Reise im Netzportal abgeschlossen hatten, sind in den vergangenen Wochen zu uns gekommen, damit wir ihnen helfen. Das haben wir selbstverständlich auch gemacht“, sagt sie.

Für die Kunden von Selfkant-Reisen ist die Insolvenz ebenso ärgerlich wie für diejenigen, die im Netz gebucht haben – „aber sie macht ihnen weniger Stress“, sagt die Reiseverkehrskauffrau. Insgesamt habe Ingrid Preuss-Polzin für Selfkant-Reisen-Kunden fünf GTI-Buchungen abgeschlossen, die sie nun betreut. Sie hat gemeinsam mit den Kunden die Umbuchungen vorgenommen und führt den Papierkrieg. Denn der Papierberg füllt trotz der „nur“ fünf Buchungen einen ganzen Aktenordner.

Dass der Papierberg nicht viel größer sei und letztlich so wenige Kunden betroffen wären, liege daran, dass über GTI-Travel nicht besonders oft gebucht worden sei. „Oft lagen nur wenige Euro zwischen einer Reise mit GTI und der identischen mit einem anderen renomierten Veranstalter“, sagt sie. Deshalb hätten sie und ihre Kollegen stets empfohlen, die kleine Differenz zu zahlen. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass viele Kunden mit GTI unzufrieden waren. Oft waren die Hotels oder Flüge überbucht. Das bedeutete für die Kunden Stress –und der gehört nicht zum Urlaub dazu“, so Ingrid Preuss-Polzin.

Negative Erfahrungen

Diese negativen Erfahrungen haben nicht nur die Mitarbeiter bei Selfkant-Reisen gesammelt. Auch Elisabeth Pico vom Tui-Reisebüro in Geilenkirchen, Petra Offermanns von Holidayfeeling in Übach-Palenberg und Kollegin Monika Wölfe von Reisebüro Knauber erzählen Ähnliches. „Ich arbeite seit 27 Jahren im Reisebüro und mit GTI gab es, solange es das Unternehmen gab, oft Ärger“, so Wölfe. Deshalb sei man bei Knauber dazu übergegangen, GTI gar nicht mehr zu buchen, wenn es die Kunden nicht ausdrücklich wünschten. Das erspart dem Reisebüro jetzt viel Arbeit.

Dennoch – mit der Pleite hätten viele Reisebüros nicht gerechnet. „Eine Insolvenz ist bei einem Reiseveranstalter, der einen Sicherheitsschein bietet, alles andere als gewöhnlich“, sagt Ingrid Preuss-Polzin. Unter einem Sicherungsschein versteht man eine Urkunde, aus der hervorgeht, dass eine zu erbringende Leistung im Falle der Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit des Schuldners versichert ist.

Gerade, weil eigentlich nichts darauf hindeutete, dass GTI-Travel diesen Sommer nicht überstehen würde, ist Preuss-Polzin ist erleichtert, dass nicht noch mehr Kunden diesen Veranstalter gewählt haben. „Dass wir uns um den Papierkram kümmern, gehört zum Service. Aber wenn gleich fünfmal so viele Kunden über GTI-TRavel gebucht hätten, dann wäre es in der Bearbeitung von Papierbergen ausgeartet“, sagt sie. Zudem hätten auch die Reisebüros Verluste zu beklagen.

„Unsere Buchungsprovision haben wir uns eigentlich schon abgeschminkt. Ich glaube kaum, dass die Reisebüros davon noch etwas bekommen werden“, sagt Preuss-Polzin. „Bei fünf Buchungen werden wir das aber verschmerzen können.“ Die Provision liegt bei 14 Prozent der Buchungskosten. Die Provision bei GTI-Travel sei deutlich höher gewesen, als bei anderen Veranstaltern, wo die Reisebüros zwischen sieben und zehn Prozent des Buchungspreises als Provision bekommen. „Vielleicht war das der Genickbruch.“

Glücklicherweise hätten ihre Kunden noch einmal Glück im Unglück gehabt. Nicht nur, weil sie problemlos umbuchen konnten. Auch keiner von ihnen befand sich gerade auf Mallorca oder in der Türkei, als der Reiseveranstalter die Insolvenz abgemeldet hat. Andere deutsche Urlauber hätten den Urlaub vorzeitig abbrechen und nach Hause fliegen müssen, sagt die Reiseverkehrskauffrau.

Ein Gutes, so sagen viele Reisebüros in der Region, hätte die Insolvenz. Es kämen wieder mehr Kunden in die Reisebüros, um von der umfassenden Beratung und der langen Erfahrung der Mitarbeiter zu profitieren.

„Das ist der beste Weg. Bei jeder Reise. Denn auch wenn viele das denken: Der Preis zwischen Reisebüro und Internetplattform unterscheidet sich nicht“, sagt Ingrid Preuss-Polzin.

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