Grundschüler stark machen gegen Gewalt

Von: Danielle Schippers
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Dass Kinder sich in einer solc
Dass Kinder sich in einer solch brenzligen Situation richtig verhalten, ist nicht selbstverständlich. Foto: Danielle Schippers

Geilenkirchen. Ein großer Mann mit einem dunklen Pulli kommt in der Dämmerung auf die neunjährige Marie zu. Er packt sie grob am Arm und fährt sie an: „Los, komm mit!” und will sie zu sich ins Auto ziehen.

„Nein! Stopp! Ich bin stark!” schreit Joelle den gefährlichen Mann an, verpasst ihm einen kräftigen Tritt vor das Schienbein, kann sich aus dem festen Griff lösen, läuft weg und ruft: „Feuer!”.

Kindesentführung, sexueller Missbrauch, Mobbing in den Schulen, diese Phänomene sind in unserer Gesellschaft und in den Medien allgegenwärtig. Gleichzeitig gibt es leider den Eindruck, dass bei vielen Kindern und Jugendlichen die Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt zunimmt und die Zivilcourage eher abnimmt. „Würde mir jemand helfen, wenn ich auf der Straße von einem Mann angesprochen werde?” Das fragen sich viele Kinder, die sich der Gefahr bewusst sind. Aber sie wissen auch nicht, wie sie sich selber helfen können, wenn sie es müssten.

Präventionsexperten sagen, aggressive Menschen und gerade Täter mit sexuellem Hintergrund, die Kinder ansprechen, setzen sich eher durch, wenn sie keine Gegenwehr erfahren. Bewegt sich in dieser Situation ein Kind aber selbstbewusst und verteidigt sich, hat es eine große Chance zu entkommen, da die Täter mit einem solchen Verhalten nicht rechnen und keine Aufmerksamkeit erregen wollen. Verlässliche Statistiken dazu gibt es nicht.

Dass Kinder sich in einer solch brenzligen Situation richtig verhalten, ist nicht selbstverständlich. Damit Kinder auch lernen, sich in Gefahrensituationen zu behaupten und sich gegen Gewalt jeder Form zu verteidigen, bietet die Taishindokan-Akademie ihr „Little-Lions”-Konzept jetzt verstärkt in Geilenkirchen an. Ein dreitägiger Kurs für Kinder der vierten Klassen läuft zurzeit bereits in der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Geilenkirchen.

Joelle, Daniel und die anderen Kinder schreien im Chor „Ich bin stark” und versetzen ihren Trainern Thomas Klein und Margit Joeris gezielte Schläge auf den Körper - der natürlich durch Boxkissen geschützt ist.

Solche und ähnliche schützenden Verhaltensweisen erlernen die Kinder nach dem Motto: „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!” auch in der Taishindokan-Akademie, die Thomas Klein in Geilenkirchen leitet. „Kinder müssen lernen, Nein sagen zu können, wenn sie etwas nicht wollen, sie müssen sich durchsetzten, körperlich und mental stark sein.” sagt er über die Grundidee des Kurses.

Im „Little-Lions”-Konzept sollen Kinder für Gefahrensituationen auf der Straße oder in der Schule sensibilisiert werden, sie sollen körperlich sowie geistig gestärkt werden, um mit ihrem Verhalten Gewalt abzuwehren und nicht Opfer solcher Straftaten zu werden. Joelle Longo (9) findet den Kurs toll: „Ich habe gelernt, dass man nie direkt schlagen soll, aber wenn, weiß ich wohin. Und den Befreiungsgriff habe ich gelernt.”

Thomas Klein, Hauptkommissar, und Margit Joeris, Mitarbeiterin des Jugendamtes, bringen den Kindern bei, wie sie sich aus einem festen Griff lösen können, wo Schläge und Tritte richtig weh tun und wie sie selbstbewusst „Stopp!” sagen können.

Aber auch, dass all diese Techniken ausschließlich zur Abwehr von Gewalt dienen und niemals zum Angriff benutzt werden dürfen.

Den Kindern macht es im Kurs sichtlich Spaß, sich zu behaupten. „Ich fand das laute Schreien am besten. Wenn mich jetzt jemand auf der Straße festhält, schreie ich ganz laut ?Stopp!”, fasst Daniel Klee (9) die Stunde zusammen.Der Trainer, Thomas Klein, ergänzt zur Zukunft des Selbstbehauptungskurses: „Hinter diesem Kurs steht ein ganzes sozialpolitisches Konzept. Wir planen Seminare, Podiumsdiskussionen zum Thema und einen Projekttag für Kinder und Jugendliche gegen Gewalt und Mobbing.” In Kooperation mit der SPD Geilenkirchen, die die Finanzierung des Kurses und die Weiterführung unterstützt, soll die Planung für weitere Kurse nun erweitert werden.

Die Kurse können für Kinder aller Altersgruppen angepasst werden und in den Schwerpunkten variieren. Am jeweils letzten Termin des Kurses werden die Eltern eingeladen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und ihren Kindern beim Training zuzuschauen.

„Ich glaube, dass die Kinder durch diesen Kurs mutiger werden, und es ist außerdem ein toller sportlicher Ausgleich”, bewertet Michael Patzack den Selbstbehauptungskurs, ein Vater der seine Tochter abholt.

Die Schüler haben in dem Kurs nicht nur Spaß gehabt, sondern auch wichtige Verhaltensweisen gelernt, beispielsweise, dass mehr Menschen auf „Feuer!” reagieren als auf einen „Hilfe”-Ruf.
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