Grüne kritisieren Schulpolitik der Ratsmehrheit

Von: tp
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Geilenkirchen. Es herrschte Redebedarf. Mehr noch: Bei der Mitgliederversammlung der Geilenkirchener Grünen brodelte es förmlich. Grund dafür war die Berichterstattung zur Schulpolitik in dieser Zeitung. „Nach unserer Überzeugung waren die Berichte einseitig und geben die aktuelle Schulsituation fehlerhaft wieder“, ärgert sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen Jürgen Benden.

Benden erinnert daran, dass die Grünen nach der Kündigung der Kooperation mit der Gangelter Hauptschule im Jahr 2011 in mehreren Veranstaltungen öffentlich über die Alternativen informiert hätten, mit denen auch Hauptschüler adäquat beschult werden könnten – und zwar in Form einer sechszügigen Gesamtschule oder Sekundarschule. Es sei sogar gelungen, NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann nach Geilenkirchen einzuladen, die besonders über den so genannten Schulkonsens berichtete.

Als Gegenmaßnahme gegen das landesweite Sterben von Haupt- und Realschulen hatte die Landesregierung in diesem Schulkonsens die Einführung der neuen Schulform Sekundarschule beschlossen.

„Leider hat der Rat nie über eine der Alternativen zur Realschule abgestimmt. Stattdessen wurde beschlossen, diese unverändert fortzuführen und die Geilenkirchener Hauptschüler, die keinen Platz an der Gesamtschule finden, in der Realschule zu beschulen“, erinnert Benden. „Mit dieser in geheimer Abstimmung getroffenen Entscheidung wurden die genannten Alternativen verhindert“, fügt Benden hinzu. Die Grünen hätten gegen den Beschluss votiert, versichert er.

Als unmittelbare Folge seien an der Realschule im laufenden Schuljahr 24 Schüler mit Hauptschulempfehlung aufgenommen worden. In der Erprobungsstufe der Realschule (Klasse 5 und 6) müssten diese Schüler jetzt den Sprung auf Realschulniveau schaffen oder am Ende der Klasse 6 die Schule verlassen, um dann doch an eine Hauptschule zu wechseln. Grundsätzlich ist in der Erprobungsstufe kein Sitzenbleiben vorgesehen, sondern am Ende der zwei Jahre soll entschieden werden, ob der Schüler für die Schulform Realschule geeignet ist. „Wir halten es für wichtig, uns beim Leiter der Realschule nach dem aktuellen Stand dieser Schüler zu erkundigen“, erklärt der Fraktionschef.

Es sei äußerst erschreckend, wenn jetzt schon in der 5. Klasse acht der 24 Schüler mit Hauptschulempfehlung „freiwillig“ wiederholen wollen, um überhaupt eine Aussicht zu haben, die Erprobungsphase zu bestehen. „Zum Vergleich: von 120 Schülern der Klasse 5 an der Gesamtschule hat im vergangenen Jahr kein einziger das 5. Schuljahr wiederholt“, erklärt Benden.

Nach Auskunft des Schulleiters der Realschule sei ein Schüler mit dem Druck der Erprobung so überfordert, dass er erhebliche Schulangst entwickelt habe und die Schule schon jetzt wechseln möchte. „Es hilft sicherlich nicht, diesen Schüler als Schulverweigerer zu beschimpfen oder die Schuld bei den Eltern zu suchen“, stellt Benden klar. „Bündnis 90/Die Grünen macht sich um die Schüler, die am Ende der Erprobungsstufe Realschulansprüchen nicht genügen oder aus anderem Grund die Schule wechseln möchten, große Sorgen.“

Derzeit fänden diese Kinder keine aufnehmende Schule. „Unser Antrag auf Kooperation mit einer Kommune, die noch eine Hauptschule hat, wurde von der Ratsmehrheit abgelehnt. Nachdem der Rat im vergangenen Jahr auch noch beschlossen hat, keine auswärtigen Kinder mehr an der Gesamtschule aufzunehmen, sind die Abgänger der Realschule auch in den Nachbarkommunen nicht mehr willkommen“, sagt Benden. Dies sei ein Skandal zu Lasten der betroffenen Kinder und Eltern. Benden: „Neun betroffene Kinder sind neun Kinder zu viel. Wenn Eltern dieser Kinder uns um Hilfe bitten, halten wir es für unsere Pflicht, aktiv zu werden.“

Die Grünen sehen die Schuld für das aktuelle Problem nicht beim Leiter der Realschule. „Wir sind überzeugt, dass dort engagierte Pädagogen ihr Bestes zur Förderung dieser Schüler geben und für den Erhalt ihrer Schule kämpfen. Aber einer Realschule fehlen nun einmal die Möglichkeiten zur Differenzierung und zur individuellen Förderung, wie sie an einer Gesamtschule oder Sekundarschule selbstverständlich sind. Und sie bleibt eine Realschule, für die Realschulstandards gelten“, meint Benden. Schuld sei die Ratsmehrheit, die in der Schulpolitik kurzsichtige Beschlüsse gefasst habe und sich nun der Verantwortung nicht stellen wolle.

Der Handlungsbedarf sei umso dringender, da im kommenden Schuljahr die Eingangsklassen der Realschule mit mehr als 50 Prozent Schülern mit Hauptschulempfehlung (31 gegenüber 25 mit Realschulempfehlung) gebildet werden.

„Erste Hilfe wäre hier, endlich mit einer Hauptschule verbindlich zu kooperieren und gleichzeitig im Fachausschuss und im Rat der Stadt Geilenkirchen ernsthaft und verantwortungsbewusst unsere Schullandschaft adäquat den Bedürfnissen der Schüler anzupassen“, erklärt Benden.

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