Grüne für Kooperation mit Hauptschule aus Nachbarkommune

Von: Udo Stüßer
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Geilenkirchen. „Da kann man sich nur noch für diesen Ausschuss schämen“, erklärte Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden nach einer lebhaften und teilweise sehr emotional geführten Debatte über die Entwicklung der weiterführenden Schulen in Geilenkirchen im Ausschuss für Bildung, Soziales, Sport und Kultur.

Am Donnerstagabend sollte der Ausschuss nicht nur über die Entwicklung des Geilenkirchener Schulsystems beraten, sondern auch über den Antrag der Grünen abstimmen, mit einer Hauptschule einer Nachbarkommune eine Kooperation einzugehen.

„In unserer Schullandschaft stimmt etwas nicht. Es gibt Kinder, die brauchen Hilfe, bekommen sie aber nicht. Und die Eltern touren mit ihren Kindern als Bittsteller durch den Kreis Heinsberg und suchen einen Hauptschulplatz“, erklärte Benden. Für die Kinder, die mit einer Hauptschulempfehlung keinen Platz an der Gesamtschule bekommen, in der Realschule aber die geforderten Leistungen nicht bringen, fehle im dreigliedrigen Schulsystem in Geilenkirchen ein Glied. „Diese Kinder bedürfen der sofortigen Hilfe. Aber es darf kein Wahlkampfthema werden“, meinte Benden weiter. Durch eine Kooperation nehme man den Dampf aus dem Kessel, Rat und Verwaltung hätten die Zeit, Schülerströme zu beobachten und die Realschule die faire Chance, sich durchzusetzen.

Ausweichen in Nachbarorte

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Stefan Kassel stellte fest, dass der besondere Anspruch der Gesamtschule, für Schüler mit allen Qualifikationen gleichermaßen aufnahmebereit zu sein, nicht eingehalten werde, da die Schüler mit Hauptschulempfehlung überproportional häufig abgelehnt würden. Diese Schüler könnten allerdings an Hauptschulen in den Nachbarorten Oberbruch, Hückelhoven, Erkelenz oder Baesweiler ausweichen „oder eben an unsere Realschule gehen“. Hier gebe es Förderprogramme, um diese Schüler auf Realschulniveau zu bringen. „Wir bekennen uns zu einer pluralistischen Schullandschaft mit Wahlmöglichkeiten, dazu gehört für Geilenkirchen auch das Angebot der Realschule“, stimmte Kassel gegen eine Kooperation.

Das sah auch Christian Kravanja, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste, so. Er gab zu, in Geilenkirchen gebe es das Problem, dass der eine oder andere Schüler in der Stadt nicht beschult werden könne. „Durch eine Kooperation mit einer Hauptschule wird die Realschule geschwächt. Und wo schicken wir dann die Realschüler hin? Wir werden nicht den Totengesang auf die Realschule anstimmen“, erklärt er. Mittelfristig werde man sicherlich zu einer anderen Lösung kommen, „wahrscheinlich zu einer Erweiterung der Gesamtschule“.

„Was mit den Hauptschülern passiert, interessiert doch niemanden. Es geht hier nicht um Einzelfälle“, ereiferte sich Ruth Thelen, bevor sich Beigeordneter Herbert Brunen zu Wort meldete: Die Problemstellung sei richtig, der Lösungsansatz falsch. „Warum sollten wir für eine Kooperation viel Geld ausgeben, die vom Gesetzgeber sowieso vorgesehen ist? Wenn eine Hauptschule unsere Schüler nicht aufnimmt, verhält sie sich rechtswidrig. Wir müssen unser Recht nicht mit Geld erkaufen. Da die Rechtslage eindeutig ist, müssen wir keinen Cent dafür bezahlen.“ Für die CDU meldete sich Michael Kappes zu Wort. Die CDU schließe sich der Meinung Kravanjas an, meinte er lediglich.

„Wenn wir das mit Schülern des St.-Ursula-Gymnasiums machen würden, wäre das Geschrei groß. Die Hauptschüler werden einfach ignoriert“, sagte Benden. Ruth Thelen beklagte die „Unwissenheit des Ausschusses“ und sagte: „Sie sind nicht vorbereitet, Sie wissen nicht, was Sie tun.“ Dagegen wandte sich Dr. Wilfried Plum, sachkundiger Bürger der SPD: „Eine Kooperation ist nur Augenwischerei. Es ist auch schlimm, wenn ein Kind am St.-Ursula-Gymnasium keinen Platz bekommen hat und sich einen Platz suchen muss.“

Bei zwei Ja-Stimmen der Grünen und einer Enthaltung in den SPD-Reihen wurde der Grünen-Antrag abgelehnt.

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