Großer Zapfenstreich auf der Nato-Airbase

Von: Simone Thelen
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Besonderes Zeremoniell als Geschenk an die Stadt: Rund 300 Soldaten und Musiker umfasst das Wachbataillon der Bundeswehr. Sie präsentieren auf der Nato-Airbase in Teveren den Großen Zapfenstreich. In dieser offiziellen Form ist er sonst nur bei Verabschiedungen von Bundespräsidenten oder militärischen Würdenträgern zu sehen. Foto: M. Bienwald / S. Thelen
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Sorgen für Atmosphäre und Gänsehaut: Die Fackelträger sind beim Zapfenstreich fester Bestandteil. Foto: M. Bienwald / S. Thelen

Geilenkirchen. Erst gibt es lauten Applaus, dann hört man leises Gemurmel, und zum Schluss kommt der große Aufbruch: Mehr als 5000 Menschen verlassen das Gelände des Nato-E-3A-Verbandes in Geilenkirchen. Sie unterhalten sich still, und sie lächeln.

Der große Zapfenstreich – ein Geschenk des Verbandes an die Stadt Geilenkirchen und an die Menschen der Region – ist für die Gäste ein besonderes Erlebnis. Von Gänsehautstimmung ist zu hören, die perfekte musikalische Leistung von Musikkorps und Spielmannszug wird gelobt. Und bei Dunkelheit, beleuchtet nur von den Fackeln des Wachbataillons der Bundeswehr, ist eine einzigartige Stimmung entstanden, die es sonst nur bei der Verabschiedung von Bundespräsidenten oder Generälen gibt.

Tanja Noppeney aus Geilenkirchen ist mit ihrer Freundin Birgit Küsters, ebenfalls aus Geilenkirchen, zur Base gekommen: „Dieses Ereignis kenne ich sonst nur aus dem Fernsehen“, meint Noppeney. „Wann hat man sonst noch einmal die Gelegenheit, diese hoch offizielle Zeremonie zu erleben?“ Ihren Schwiegervater und zwei Bekannte hat sie auch noch im Schlepptau. „Wir freuen uns sehr, dass wir dabei sein können.“

Das heute übliche Zeremoniell des Großen Zapfenstreichs geht auf die Befreiungskriege von 1813 bis 1815 zurück. Er läutet offiziell die Nachtruhe ein und zeigt den Zeitpunkt an, ab dem die Soldaten im Quartier bleiben müssen.

In Teveren wird der Zapfenstreich abgenommen von Generalleutnant Joachim Wundrak, Brigadegeneral Carsten Stoye, Leiter des E-3A-Verbandes, und Bürgermeister Georg Schmitz. Die drei sind die letzten, die auf dem weiten Feld der Base eintreffen und sofort Stellung vor der Ehrentribüne und in Blickrichtung der Landebahn und der einmarschierenden Soldaten beziehen. Diese halten sich genau an die festgelegten Abläufe.

Der Führer des Zapfenstreichs erstattet Meldung an die beiden Generäle und den Bürgermeister, und das Zeremoniell beginnt mit der Serenade. Sie besteht aus drei Musikstücken, die – so will es die Tradition – bis zum Beginn geheim gehalten werden. Für den Zapfenstreich in Geilenkirchen hat sich General Stoye den „Marsch des Soldaten“, den „Fliegermarsch“ und den „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“ gewünscht.

Die Stücke werden auf höchstem musikalischen Niveau gespielt, ebenso wie die übrigen Bestandteile des Zapfenstreichs: Das Locken, der Zapfenstreichmarsch, die Trompetensignale „Retraite“, das Zeichen zum Gebet, das Gebet, das Abschlagen nach dem Gebet und der Ruf nach dem Gebet. Beendet wird der Große Zapfenstreich mit der Nationalhymne, bevor die Soldaten zu den Klängen des Zapfenstreichmarsches ausmarschieren. Zusammen mit dem Wachbataillon und dem Musikkorps der Bundeswehr besteht der Große Zapfenstreich aus rund 300 Soldaten. Diese sind übrigens für das Zeremoniell in Teveren am Nachmittag extra aus Berlin eingeflogen worden – mit der Maschine von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gleich am nächsten Morgen geht es dann schon zurück in die Hauptstadt.

Wie es ist, mit dem Wachbataillon der Bundeswehr unterwegs zu sein, daran kann sich Josef Mahr aus Beggendorf noch gut erinnern. Er sitzt mit seiner Frau Doris Mahr in der ersten Reihe: „Von 1967 bis 1969 bin ich selbst im Wachbataillon dabei gewesen, damals waren wir noch in Siegburg stationiert. In dieser Zeit habe ich viel erlebt. Charles de Gaulle ist an mir vorbeigelaufen. Bei einem Zapfenstreich in Stuttgart sind wir von Demonstranten der APO mit Tomaten beworfen worden. Die Reinigung der Uniform hat mich damals 35 Mark gekostet“, erinnert er sich lachend. Seine Frau Doris ist schon damals an seiner Seite gewesen: „Für mich ist der Große Zapfenstreich immer ein rührendes Erlebnis. Ich freue mich, dass wir auch heute dabei sein können.“

Zu Beginn des Zapfenstreiches werden die Zuschauer gebeten, das Rauchen einzustellen, beim Gebet ihre Kopfbedeckungen abzunehmen und während der gesamten Zeremonie auf Bild- und Videoaufnahmen mit Blitzlicht oder sonstiger Beleuchtung zu verzichten. Und tatsächlich: Bis auf ein einziges – wahrscheinlich aus Versehen ausgelöstes Blitzlicht – bleibt es in den riesigen Zuschauerblöcken rechts und links vom Geschehen komplett dunkel. Alle folgen gebannt dem Geschehen und bewundern die Soldaten des Wachbataillons, die in perfekter Formation und hundertprozentig synchron aufmarschieren, ihre Gewehre präsentieren und zum Gebet innehalten. Tatsächlich ein besonderes Erlebnis.

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