Geilenkirchen - Große Gefühle eindrucksvoll auf der Bühne präsentiert

Große Gefühle eindrucksvoll auf der Bühne präsentiert

Von: Markus Bienwald
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Anna Barbara Hagin und Irmgard Himstedt mit der Querflöte sorgten für kulturellen Hochgenuss Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Eine Flöte, die wie ein Hund bellt. Ein Kleid, das seiner Trägerin immer wieder neue Outfits verleiht. Und Texte, die nicht wie in Stein gemeißelt ein Teil der deutschen Literaturgeschichte sind, sondern leben, lachen und leiden ließen, gehörten zum einmaligen Abend mit Erich Kästner.

Genauer gesagt mit Kästners Frauen, die im Bürgersaal des Hauses Basten ebenso zeitlos wie kunstvoll ihre Auferstehung aus vielleicht längst vergilbten Buchseiten feierten.

Nur wenige Requisiten

Aber Halt: Anna Barbara Hagin als Stimme des Abends und Irmgard Himstedt als Musikerin zeigten eben, dass Erich Kästners Frauenbetrachtungen nichts an Strahlkraft verloren haben, nur weil sie mal ein paar Jahrzehnte auf Buchseiten ruhten. In knapp 90 Minuten zeigten die Damen, dass es keiner großen Bühne bedarf, um große Gefühle eindrucksvoll zu präsentieren. Vielmehr beschränkten sich die zwei Künstlerinnen darauf, nur wenige Requisiten eindrucksvoll und vielfach zu verwenden.

Links und rechts gebündelt zwei güldene Halogen-Deckenstrahler als Bühnenlicht, zwei Stühle und natürlich ein Ständer für die Manuskripte. Mittendrin eine mehr als eindringliche Anna Barbara Hagin, die mit ihren Rezitationen nicht bloße Textwiedergabe, sondern eindrucksvolle Verkörperung auf der Bühne wahr werden ließ. Kongenial eingebunden, nicht bloß am Rand hingeplätschert, war das Flötenspiel von Irmgard Himstedt.

Die Geschichte in der Geschichte

Sie spielte nicht nur leichtfüßig, sie schnaubte, blies, bellte in ihr Instrument, nahm es sogar auf der Bühne auseinander, sorgte mit immer wieder neuen szenisch eingestreuten Geräuschen für passende Klangkulissen. Noch mehr: Himstedt sorgte für eine Ausdehnung der Texte auf eine übergeordnete Ebene, machte das Gehörte zum Erlebten, zur Geschichte in der Geschichte. Dafür sorgte auch das Kleid der Hagin: Es ließ sich mannigfach falten und binden, spiegelte die Eleganz, die Einfachheit oder die Emotionen seiner jeweils verkörperten Trägerin wider und band sich so in ein Gesamtkunstwerk ein, das von zwei Frauen für die vielen Kästnerschen Frauencharaktere stand.

Leichte Mädchen, Waschfrauen, feine Damen und mehr oder minder frustrierte Mütter gehörten dazu. Und dabei fiel es höchstens an den genutzten Worten, aber nie an der transportierten Emotion auf, dass die Texte vor mehr als 90 Jahren in Berlin spielen. Schwärmen, Leiden, Lieben, all das brachten Hagin und Himstedt so beeindruckend zeitlos auch auf die kleine Bühne im Haus Basten, dass nicht nur Ulla Louis-Nouvertné von der Anton-Heinen-Volkshochschule (VHS) des Kreises Heinsberg immer wieder auch zwischen den Stücken Applaus spendete.

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