Großartiges Klangerlebnis: Jazzmusikerin Dennerlein begeistert Publikum

Von: Renate Kolodzey
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Jazzmusikerin Barbara Dennerlein vor der frisch restaurierten Wilbrand-Orgel in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt. Foto: Kolodzey
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Nach dem Konzert wollten kleine und große Fans gerne ein Autogramm ergattern. Foto: Kolodzey

Geilenkirchen. Kantor Bernd Godemann begrüßte die rund 250 Besucher in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt zum Konzert „Jazz meets Organ“ mit der international bekannten Jazzmusikerin Barbara Dennerlein. „Eigentlich sollte sie schon 2014 kommen“, erklärte er, „doch da war die Kirche abgebrannt!“ Nach der Restaurierung sei nun auch die Wilbrand-Orgel frisch gestrichen und neu intoniert.

Für die finanzielle Unterstützung dankte er der Volksbank Heinsberg. Die aus München stammende Musikerin, in elegantem, beigefarbenem Hosenanzug, hatte sich kurz vorher mit der Orgel vertraut gemacht und erklärte, es sei eine sehr schöne, rein mechanische Orgel mit drei übereinander liegenden Manualen (Klaviaturen). Die Gäste konnten auf einer Leinwand beobachten, wie sie spielte – zum größten Teil Eigenkompositionen. Schelmisch fügte sie hinzu: „Hoffentlich habe ich saubere Finger!“

Die Idee zu ihrem ersten Stück „Four yellow butterflies“ (Vier gelbe Schmetterlinge), ein Jazz-Waltz, sei ihr zu Hause auf der Terrasse gekommen, als vier Schmetterlinge um sie herumflatterten. Kurz darauf hallten lebhafte, jazzige Rhythmen durch das Kirchenschiff, und die Gäste konnten auf der Leinwand oberhalb des Altars sehen, wie die Künstlerin, angestrahlt von zwei Scheinwerfern, temperamentvoll Manuale und Pedale bediente und dabei viele Register zog. Immer schneller werdend, visualisierten ihre Finger die Schmetterlinge, und die Interpretation wurde mit viel Applaus und Bravo-Rufen bedacht, wie auch alle nachfolgenden Titel.

Dennerlein sagte zu jedem Stück von der Empore herab einige einleitende Worte. „Ich liebe Blues und habe mein nächstes Werk ‚Unforgettable‘ (Unvergesslich) Jimmy Smith gewidmet, dem bedeutendsten Erneuerer des Orgelspiels im Modern Jazz.“ Mit einer locker-leichten Melodie, teils geschlossenen Augen und stets behänder Fußarbeit an den Pedalen, die die Basstöne erzeugen, verstand es die Tonkünstlerin meisterhaft, der Königin der Instrumente einen ungewohnten Rhythmus und Klang zu entlocken, wobei sie etliche der 29 Register zog.

„Das Schöne an Deutschland sind die vielen Parks und Grünanlagen“, schwärmte die Starpianistin, daher habe sie den folgenden Titel „Green Paradise“ (Grünes Paradies) genannt. Mit viel Spielfreude und brillantem technischen Können verschmolz die Musikerin geradezu mit ihrem Instrument, und voluminöse Harmonien verzauberten die wie gebannt lauschenden Anwesenden.

„Bei einer mechanischen Orgel braucht man viel Kraft“, betonte Dennerlein, „ich komme ganz schön ans Schwitzen!“ Das nächste Stück sei meditativ, es heiße „Pendel der Zeit“. Wie ein sanfter Lufthauch, dann wie zarte Vogelstimmen, gefolgt von Klängen ähnlich einer Panflöte, dazu Sirren und Summen, ergoss sich nun eine fast unwirkliche Stimmung in den riesigen Raum. Die Künstlerin spielte brillant und hochkonzentriert teils mit den Händen über Kreuz und gleichzeitig mit den Fingern einer einzigen Hand auf zwei übereinander liegenden Manualen. Sie erzeugte eine derartige Stimmgewalt mit lang anhaltenden, dunklen Tönen, immer stärker und lauter werdend, fast bedrohlich, dass man beinahe weggepustet wurde und meinte, im Kirchenrund müssten gleich die Mauern bersten. Im Publikum schlossen viele die Augen und ließen dieses Klangerlebnis der Superlative auf sich wirken.

Bravorufe

Mit dem jazzigen „Oversized“, dem langsamen Blues-Stück „Farewell to old friends“, dem Jazz-Standard „Tin Tin Deo“ sowie als Zugabe „Bebabaloo“ gab Dennerlein weitere Kostproben ihres phänomenalen Könnens an dem gewaltigen Instrument. So war es kein Wunder, dass sich die Zuhörer stehend mit tosendem, lang anhaltendem Applaus und vielstimmigen Bravo-Rufen von ihr verabschiedeten und sich anschließend lange Schlangen bildeten, um CDs und Autogramme zu ergattern. „Unglaublich! Sensationell!“ war, wie bei Udo Poetsch aus Heinsberg, die begeisterte Reaktion der allermeisten Gäste.

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