Grass-Exponate in der Galerie Vorbach

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Verena und Lutz Vorbach zeigen in ihrer Galerie Arbeiten von Günter Grass. Die Ausstellung geht bis zum 20. Dezember. Foto: Hamacher

Gangelt. Nach einer persönlichen Begegnung mit Günter Grass entschloss sich der Gangelter Lutz Vorbach, in seiner eigentlich geschlossenen Galerie ein drittes Mal Auszüge aus dem künstlerischen Werk des Literaturnobelpreisträgers zu zeigen.

Dabei begab er sich vor geladenen Gästen auf ein weites Feld, versuchte er doch in einem 45-minütigen Vortrag dem Schreiben, dem Zeichnen und dem bildhauerischen Werk nahe zu kommen. Geboren in Danzig und nach dem Krieg in Köln beheimatet, zog es Grass an die Kunstakademie in Düsseldorf. Er ging nach Berlin, lebte einige Zeit in Paris und verbrachte seinen Lebensabend nahe Lübeck.

Dies ist so weit allgemein bekannt. So ein ganz kleines bisschen lässt sich in diese Vita aber auch Gangelt einflechten. Schon 2004 und 2011 waren es Bronzen und Zeichnungen, die in der Galerie Vorbach in der Hanxlerstraße gezeigt wurden.

Daran hat sich bei der aktuelle Ausstellung grundsätzlich nichts geändert. Nur dass man nun nach dem Tod des Künstlers im April dieses Jahres noch genauer hinschaut. „Was Oskar mit seiner Trommel schaffte, gelang Grass durch das geschriebene Wort“, erinnerte Lutz Vorbach an einen streitbaren Geist, der sich im Laufe seines Lebens, politisch weit links stehend, mit nahezu jeder relevanten Gruppierung in Deutschland angelegt hat. „Und das trotz einer Depression, die ihn viele Jahre lang begleitet hat!“

Finger in die Wunden

Man erfuhr, warum in seinen Zeichnungen immer wieder verbogene, handgeschmiedete Nägel auftauchen und warum Farben in seinen Bildern eher selten sind. Dass die Triebfeder seines Tuns, seiner Rebellion und seiner Anklagen in den schrecklichen Ereignissen rund um den Zweiten Weltkrieg zu suchen sind, ist nichts Neues. Ähnlich wie der kleine Oskar, der mit seiner Trommel die Nazis aus dem Gleichschritt brachte, hat Grass seine Finger in die Wunden des Nachkriegsdeutschlands gelegt. Lutz Vorbach spannte seinen Bogen von Grass’ Mitgliedschaft in der Waffen-SS über das Offenbarwerden der Gräuel in den KZ, seine Studienzeit mit Beuys und dem unerwarteten und grandiosen Erfolg der „Blechtrommel“ 1959.

Spätestens mit seinem Weg in die „Gruppe 47“ hatte der Schriftsteller in ihm den ersten Rang; Zeichnen und Bildhauern traten – zumindest für die Öffentlichkeit – in die zweite Reihe. Dabei – auch das kann man nun in Gangelt sehen – hat er die Protagonisten seiner Literatur alle auch gezeichnet und in Bronzen gegossen. Der Grass’sche Humor wird zum Beispiel bei der Radierung „Bitterlinge“ deutlich.

Eindeutig und ordinär sollte die Zeichnung zuerst Alice Schwarzer gewidmet werden. Was Grass nicht tat, holte Lutz Vorbach für die Gangelter Ausstellung nach. Nicht erst als sich der Lebenskreis von Günter Grass zu schließen begann, nahm er den Kampf für den Erhalt der Sprache seiner Kindheit auf. Das Ostpreußische, eine Sprache, die in die Breite geht, die Wärme und Gemütlichkeit ausstrahlt, spiegelt sich nicht nur im Titel seines letzten Buches „Vonne Endlichkait“.

Auch das letzte Gedicht in diesem bebilderten Buch ist in dieser herrlichen Sprache geschrieben. Und da auch Lutz Vorbachs Vorfahren aus diesem Sprachraum kommen, gab es für die Gäste „Vonne Endlichkait“ in reinstem Ostpreußisch. Der Tango und das gute Essen waren weitere Leidenschaften von Günter Grass. Für einen Tango war in der gut gefüllten Galerie kein Platz. Aber Verena und Lutz Vorbach hatten sich etwas besonders einfallen lassen.

Vorbach-Tochter Nicole und ihr Ehemann Andreas Humburg, die am Bodensee einen Landgasthof betreiben, hatten „Kalbfleischsülze nach Grass“ und einiges Drumherum gezaubert. Die Ausstellung in der Galerie Vorbach, Hanxler Straße 23 in Gangelt, ist jeweils an den Wochenenden vom 7. November bis zum 20. Dezember geöffnet. Sonntags um 15.30 Uhr gibt es ab fünf Personen einen Vortrag mit Führung.

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