Geilenkirchen - Graf Geilo doch nicht der Namensgeber?

Graf Geilo doch nicht der Namensgeber?

Von: Udo Stüßer
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Sie stellen ihre Monografie zu
Sie stellen ihre Monografie zur Burg Geilenkirchen vor: die beiden Lehrer Christoph Nohn und Ursula Abidemi. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Christoph Nohn hat erhebliche Zweifel: Ist der Name Geilenkirchen wirklich auf einen Grafen namens Geilo zurückzuführen? „Für diesen mutmaßlichen (!) Herrn Geilo fehlt uns in dem Städtchen an der Wurm jeder historische Beleg”, schreibt er in der jetzt vorliegenden Monografie über die Burg Geilenkirchen. S

icherlich räumt der Geschichtslehrer am Bischöflichen Gymnasium St. Ursula ein, dass es den Heimatforschern Severin Corsten und Hans Josef Sprünken gelungen ist, „verschiedene Personen dieses Namens aufzutreiben”. „Ob diese Geilos allerdings jemals etwas von Geilenkirchen gehört haben, muss zweifelhaft bleiben.”

„Gailan kirika”

Der Heimatforscher hält auch eine alte Gewässerbezeichnung als Grundlage des Namens Geilenkirchen für möglich. Auch könne man nicht darüber hinwegsehen, „dass andere Forscher Geilenkirchen als ?Gailan kirika, also als ?Kirche der gaila deuten”. Gehe man danach, müsse man nach einer Gründungsmutter suchen . . .

Aber der Ursprung Geilenkirchens war nicht Sinn seiner Forschungsarbeit. Die vorliegende Publikation sollte ursprünglich Teil eines Sammelbandes über die Burgen, Schlösser und Herrenhäuser an der Wurm werden, die der Hückelhovener Frank Körfer 2005 herausgeben wollte. Sein Projekt scheiterte, allerdings hatte der Geilenkirchener Geschichtslehrer Christoph Nohn seinen Beitrag über Burg Geilenkirchen bereits geschrieben. Einige Jahre schlummerte sein Manuskript in der Schublade.

Erst 2011, im Jahr des 625-jährigen Stadtjubiläums Geilenkirchens, war es möglich, die Publikation voranzubringen. Intention des Werkes war es, eine gut lesbare Zusammenstellung dessen zu geben, was zur Burg Geilenkirchen, der Keimzelle und dem ältesten Baudenkmal der Stadt, das seit 1856 das Bischöfliche Gymnasium St. Ursula beherbert, in der Fachliteratur bekannt ist. Kunstlehrerin Ursula Abidemi hat stundenlang, manchmal tagelang das Schulgelände mit der Kamera durchstreift, hat zahlreiche Fotos von historischem und modernem Gemäuer angefertigt. Auch hat sie das Werk mit Zeichnungen versehen und layoutet.

„Burg Geilenkirchen: Geschichte - Bauform - Bedeutung” dbeschreibt eindrucksvoll die Ursprünge der Anlage, geht auf die Bedeutung des Bauwerkes für die Stadt Geilenkirchen ein und erläutert die Funktion der Burg im Laufe der Jahrhunderte. Es ist ein lebendiges Bild vom Leben in vergangenen Epochen bis hin zu den Wurzeln des heutigen Geilenkirchen.

Christoph Nohn, der im Stadtarchiv und im Diözesanarchiv Aachen recherchiert hat, startet seine Reise in die Historie im Frühmittelalter. Denn in der karolingischen Zeit zwischen 750 und 900 nach Christus war Geilenkirchen bereits besiedelt. Die Ursprünge der heutigen Burg datiert Chistoph Nohn mit 1000 nach Christus. „Die Burg - oder das Haus Geilenkirchen - wird darüber hinaus erstmals im Jahre 1279 in einer lateinisch abgefassten Urkunde als ?castrum erwähnt, was als ?Burg übersetzt werden muss”, schreibt der Historiker in seinem 79 Seiten umfassenden Werk.

Christoph Nohn beschreibt Geilenkirchen und seine Burg im späten Mittelalter zwischen versuchter größerer Eigenständigkeit und Einbindung ins Heinsberger Territorium, beleuchtet die abnehmende Bedeutung der Burg in der frühen Neuzeit und beschreibt die Entwicklung der Burg im 19. und 20. Jahrhundert von der der Seifenfabrik über das Kloster bis hin zur Schule. Und dazwischen immer wieder historische Fotos und herrliche Aufnahmen von Ursula Abidemi, die das Werk sehr lebendig machen. Wer weiß heute noch, dass im westlichen Flügel der Vorburg 1803 eine Seifenfabrik eingerichtet wurde, die 1816 400 000 Pfund schwarze Seife produzierte.

Im Krieg zerstört

Christoph Nohn wirft natürlich auch sein Augenmerk auf die neue Epoche der Burg, die bis heute andauert. Das war die Zeit, in der „der ehrgeizige Geilenkirchener Oberpfarrer Johann Martin Heyden” auf das Anwesen ein Auge geworfen hatte, um die alte Burg den Ursulinen als Kloster zu sichern: „Die Ursulinen hatte Martin Heyden 1855 aus Sittard geholt, damit sie in Geilenkirchen u.a. die Mädchenbildung in die Hand nahmen - Maßnahmen, mit denen der Pfarrer nicht nur einem allgemeinen Bedürfnis Rechnung trug, sondern mit deren Hilfe er auch die Geilenkirchener fest im katholischen Sinne zu formen suchte”, schreibt Nohn. Und weiter.

„Mit dem zunächst mietweisen Bezug des Hauses durch die ersten Schwestern am 19.1.1856 begann die Nutzung der alten Burg als Schule, die - sieht man von Unterbrechungen während des Kulturkampfes und während der Endphase des Zweiten Weltkrieges ab - bis auf den heutigen Tag andauert.” Der Geschichtslehrer beschreibt die Entwicklung der Schule, nachdem es im August 1857 gelungen war, das Areal für 6000 Taler für die Ursulinen zu kaufen. Hier leiteten die Nonnen die Mädchenabteilung der Geilenkirchener Volksschule mit etwa 200 Schülerinnen, unterhielten die Höhere Töchterschule mit Internat, das Kreisweisenhaus und eine Kleinkinderbewahrschule. Außerdem kümmerten sie sich um die Ausbildung von Lehrerinnen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus größtenteils zerstört.

„Mit der Wiederherstellung des Schulhauses, also des heute so genannten Altbaus, noch in den Vierzigerjahren und dem Neubau des Internatsgebäudes im Anschluss an die noch erhaltenen spätmittelalterlichen Reste der Vorburg 1949-1950 begann die bislang letzte Phase in der Geschichte von Haus Geilenkirchen, durch die das Burgareal das bis heute überlieferte Erscheinungsbild erlangte.”

Die Monografie „Burg Geilenkirchen: Geschichte - Bauform - Bedeutung”, herausgegeben vom Bischöflichen Gymnasium St. Ursula Geilenkirchen, ist in der Schule und im örtlichen Buchhandel zum Preis von zwölf Euro erhältlich.

Von dem Buch wurden genau 495 Exemplare gedruckt.

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