Übach-Palenberg - Gleichstellungsbeauftragte: Noch heute so aktuell wie vor 21 Jahren

Gleichstellungsbeauftragte: Noch heute so aktuell wie vor 21 Jahren

Von: Simone Thelen
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Nach 21 Jahren als Gleichstellungsbeauftragte ging Adele Müller (rechts) zum Ende des Jahres 2017 in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin Anja Bischoff freut sich schon auf die neue Aufgabe und ließ sich von ihrer Vorgängerin noch möglichst viele nützliche Tipps geben. Foto: Simone Thelen

Übach-Palenberg. Als Adele Müller vor 21 Jahren das Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Übach-Palenberg übernimmt, weiß sie nicht, was auf sie zukommt. Die Gesetzeslage ist eine neue. Verwaltungen werden dazu verpflichtet, diese Stelle einzurichten, aber wie man sie mit Leben füllt, das muss sich erst noch zeigen.

„Ich erinnere mich noch gut daran, wie der damalige Stadtdirektor Herr Schmitz-Kröll mich gebeten hat, das zu machen“, erzählt Adele Müller. „Das war 1996. Das Thema Gleichstellung war für mich eine große Herausforderung.“

Als eine der ersten hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten überhaupt ist Adele Müller Ende des Jahres nach 21 Jahren in den Ruhestand gegangen. In ihrer Dienstzeit hat sie viele Erfahrungen gesammelt, viele Menschen und Geschichten kennengelernt und sich auch persönlich weiterentwickelt.

Gutes Netzwerk

Ihren Schreibtisch hat Adele Müller leer gemacht. Einiges hat sich angesammelt. Flyer, Kontakte, Akten und Dokumente. „Im Laufe der Zeit habe ich mir ein gutes Netzwerk aufgebaut. Wir helfen uns gegenseitig und treffen uns regelmäßig. Das war vor allem zu Beginn eine große Hilfe.“ Auf diese Hilfe wird demnächst auch Anja Bischoff zurückgreifen können. Sie ist seit 1. Januar Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Übach-Palenberg. „In dieser Position sollte man gut zuhören können, Einfühlungsvermögen haben und keine Vorurteile gegenüber irgendwelchen Personen hegen“, sagt Adele Müller.

„Die Gleichstellungsbeauftragte ist nicht nur für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus zuständig, sondern für jede Bürgerin und jeden Bürger in Übach-Palenberg.“ Auf die Nennung beider Geschlechter legt Adele Müller übrigens großen Wert. „Am Gebrauch der Sprache sieht man, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, ehe Männer und Frauen tatsächlich gleichberechtigt sind.“

Die Themen, mit denen Adele Müller als Gleichstellungsbeauftragte in Berührung kommt, sind vielfältig. Probleme in der Partnerschaft, der Wiedereinstieg in den Beruf, Frau und Gesundheit sowie Gewalterfahrungen und Mobbing stehen auf der Tagesordnung. „Dabei sind wir keine ausgebildeten Beraterinnen. Wir leisten nur Hilfestellungen, indem wir Kontaktstelle sind. Wir leiten die Menschen an diejenigen Fachleute weiter, die ihnen wirklich helfen können.“

Beruf und Familie

Auch wenn die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragen vor 21 Jahren noch unbekannt ist, wurden die Angebote damals rege genutzt. Mehr sogar als heute. Müller: „Das liegt daran, dass es heute viel leichter ist, sich Informationen zu beschaffen. Im Internet findet man alle möglichen Adressen und das vollkommen anonym. Das persönliche Gespräch ist nicht für jeden leicht.“ Ein Indiz, dass die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten im Laufe der Zeit unwichtiger geworden ist, sieht sie in der sinkenden Nachfrage nicht. „Natürlich haben wir schon viel geschafft. Aber wenn man sich den Männerüberhang in den Führungsebenen anschaut, liegt noch einiges im Argen. Ich werde es wohl nicht mehr erleben, dass Männer und Frauen hier vollkommen gleichberechtigt sein werden.“

Als Gründe führt Müller die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. „Unser Rollenverständnis sieht auch heute noch vor, dass die Frau sich neben der beruflichen Tätigkeit zusätzlich überwiegend um die Kinder kümmert und der Mann weiterhin in seinem Beruf in Vollzeit arbeiten geht.“ Optimaler sei es jedoch, wenn sich beide Geschlechter diese Arbeit gleichberechtigt teilen würden – zumal es viele Ansätze wie Jobsharing oder Telearbeit gebe.

Anja Bischoff hat zum 1. Januar eine gut geführte Stelle und gleichzeitig eine wichtige Verantwortung übernommen. „Ich trete in große Fußstapfen“, meint die 43-Jährige.

„Ich möchte vieles von der bisherigen Arbeit übernehmen, aber auch neue Sachen entwickeln.“ Ein mögliches Zukunftsthema könnte für sie die Migration sein. Bei einem Aktionstag „Frau und Gewalt“ im November in Geilenkirchen war Bischoff als Nachfolgerin von Adele Müller schon einmal dabei. Hier wurde deutlich, dass in diesem Bereich in naher Zukunft neuer Beratungsbedarf entstehen könnte.

Alleine steht Bischoff damit nicht da. Der Aktionskreis Frau und Gewalt, in dem die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Heinsberg sich zusammengeschlossen haben, steht mit Rat und Tat zur Seite.

Viel Dankbarkeit

Adele Müller wird ihren Beruf im Ruhestand bestimmt vermissen. „Meine Arbeit hat mich auch persönlich weitergebracht. Es ist schön, Menschen helfen zu können. Der persönliche Kontakt macht unheimlich viel Freude. Und wenn man die Dankbarkeit der Menschen sieht, und manchen auch im Nachgang noch einmal begegnet und sieht, dass man etwas bewirken konnte, ist das doch der schönste Lohn.“

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