Gleich zwei Initiativen gegen Neubaugebiet

Von: Markus Bienwald
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An der Ecke Adolfstraße/Conneallee könnte sich künftig der Verkehr zum Baugebiet „Beyelsfeld“ in Übach stauen. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es gibt ein Baugebiet in der ehemaligen Zechengemeinde, das schon vor seiner Realisierung zum Mittelpunkt einer Diskussion geworden ist, die es so in der Stadt noch nicht gegeben hat: das Beyelsfeld. Lange war dieser Ausdruck nur Übacher Kennern geläufig, vielleicht durch die Lage des Tennisclubs.

Genauer aber schließt dieses Baugebiet nördlich der sogenannten Via Belgica, die durch Boscheln an Übach vorbeiführt, auf den vorliegenden Plänen eine bislang von den Anwohnern nicht so empfundene Baulücke in Richtung Conneallee, Adolfstraße und Rölkenstraße. Hier entzündet sich derzeit auch der Zorn der Anlieger, die bislang von ihrem Grundstück aus einen ungestörten Blick auf Feld und Wiese genießen können.

„Uns wurde beim Kauf vor 15 Jahren erzählt, das Ganze sei unverbaubar“, berichtet Anwohner Roland Wagner. Er wohnt genau auf der Ecke zur Adolfstraße und an einem Feldweg, der künftig zur zentralen Verkehrsader des Neubaugebietes werden könnte. „Wo soll der ganze Verkehr hin?“, fragt er. „Und was passiert während der Bauphase? Müssen wir dann Lärm, Dreck und Bauschutt dulden?“

Nicht direkt verschaukelt

Wagner fühlt sich zwar nicht direkt verschaukelt von der Stadt und denjenigen, die ihm damals den Baugrund an der Conneallee anboten. Wohl aber finden er und andere Anwohner, dass sie nicht ausreichend informiert worden seien über ein neues, mögliches Baugebiet. Und deswegen sind sie dem Aufruf von Willi Steins gefolgt, sich in einer Unterschriftensammlung für mehr Information der Anwohner und das Eingehen auf deren Wünsche auszusprechen. Mehr als 140 Unterzeichner sind aktuell vorhanden, es könnten noch mehr werden.

Und hinter vorgehaltener Hand hört man von dieser Gruppe der Anwohner, dass sie das Baugebiet durchweg ablehnt. Eine andere Gruppe von Unterschriftensammlern ist aber auch noch in diesem Teil von Übach unterwegs, sie wollen ebenfalls mehr Transparenz und Information, stellen sich aber offensichtlich nicht gegen das Baugebiet. Auch hier fanden sich bislang 140 Unterschriften, die nun Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch übergeben wurden. Wortführer Günter Weinen, CDU-Stadtverbandsvorsitzender, kann sich auch mit seiner jahrelangen Erfahrung im Rat nicht daran erinnern, dass es jemals solche Auseinandersetzungen vor dem „Ja“ für ein neues Baugebiet gegeben habe.

CDU-Bürgermeister Jungnitsch findet die kuriose Situation, dass gleich von zwei Gruppen unabhängig voneinander und teils mit unterschiedlicher Zielsetzung Unterschriften gesammelt wurden, nicht hinderlich für das neue Baugebiet. In einem Gespräch mit der zweiten Gruppe der Bürger sagte er klipp und klar, dass niemand ein Anrecht auf einen unverbaubaren Ausblick hätte, zumindest nicht von Seiten der Stadt. „Das lasse ich nicht gelten“, so Jungnitsch.

Auch fragt er die Menschen, die sagen, in der Stadt gebe es doch genügend Wohnraum auch für Zuziehwillige, woher diese Information stamme. „Die Leute, die sagen, es ist genug Wohnraum da, die lügen“, stellt er fest. So habe die Stadt seit Jahresbeginn 150 Bürger dazugewonnen, was den Bedarf bestätige.

In einer „aufstrebenden Kommune“ sei es nötig, neue Baugebiete auszuweisen, damit sich alle Menschen ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen können. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich die Arbeitsplatzsituation in der Stadt sehr gut entwickele und sich auch höher Qualifizierte nach angemessenem Wohnraum umsähen, so der Verwaltungschef. „Darum haben wir definierte Bauflächen, und das Beyelsfeld gehört dazu.“

„Sehr ernst genommen“

Das sehen die Menschen, denen das Neubaugebiet ein Gräuel ist, anders. Sie sprechen jetzt schon vom Wertverfall ihrer Immobilien, fürchten sich vor einem stark angewachsenen Verkehr in den bisher nebengeordneten Seitenstraßen, sehen die Problematik von Überschwemmungen bei Starkregenereignissen oder wollen schlicht ihren freien Ausblick genießen. Ein Regensammelbecken in der Nähe des Sportplatzes am Bucksberg werde dafür sorgen, dass auch hohe Niederschlagsmengen kein Thema seien, machte der Erste Bürger deutlich. „Auch die verkehrlichen Probleme werden sehr ernst genommen“, so Jungnitsch, „und ich weiß, dass da Lösungen angedacht sind.“

Welche genau das sind, könne er beim derzeitigen Planungsstand nicht sagen, allerdings wehrt er sich dagegen, dass der Bauverkehr durch die Adolfstraße mit Altenheim und Kindergarten sowie die Conneallee läuft. „Wir wollen das Baugebiet im Einvernehmen mit den Bürgern entwickeln, und darum wird es noch vor der nächsten Ratssitzung am 30. Oktober eine Einwohnerversammlung geben.“ Ein Informationsdefizit sieht er nicht.

Roland Wagner sieht schon jetzt die Jahre voller Staub und Baulärm vor sich, in denen das immerhin 6,8 Hektar große Baugebiet dann bis zum Endausbau entwickelt wird. Er fürchtet, dass es vier bis fünf Jahre dauern könnte, bis alle Parzellen – es wird von 120 Grundstücken gesprochen – bebaut sind. „Wer kümmert sich dann um die Minderung unserer Lebensqualität?“, fragt er.

Ein weiterer Streitpunkt ist auch das angedachte „Zentralbauwerk“ mitten im Baugebiet Beyelsfeld, ein mehrstöckiges Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage. Während die jetzigen Anwohner das am liebsten gar nicht möchten, spricht Wolfgang Jungnitsch schon jetzt von einer attraktiven Lösung. Wie es aussehen wird, will er aber noch nicht sagen.

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