Glasfaser: Gangelts CDU platzt der Kragen

Von: Jan Mönch
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Keine Glasfaser, nirgends: Trotz anderslautender Zusagen sind die Neubaugebiete in Gangelt-Nord noch unversorgt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Es ist eine gute Woche her, dass Heiner Breickmann die Faxen dicke hatte. Es war Mittwoch, und der Parteichef der Gangelter CDU war, was Telefongespräche betrifft, von der Außenwelt abgeschnitten. Natürlich freut sich niemand über so etwas. Besonders ärgerlich ist es, wenn man, wie Breickmann, eine Tierarztpraxis hat. Das Internet funktionierte allerdings noch.

Heiner Breickmann saß also in seiner Praxis und konnte beobachten, wie eine Mail nach der anderen einlief. Stundenlang. Sinngemäß fragten alle Absender das Gleiche: Wieso seid ihr nicht zu erreichen?

Eine Störung des Telefonnetzes kann sicherlich vorkommen. Allerdings fällt sie in eine Zeit, in der die Gangelter CDU ohnehin schlecht auf die Deutsche Glasfaser Holding GmbH beziehungsweise auf deren Provider Flink zu sprechen ist. Der Grund sind die Neubaugebiete, die eigentlich längst mit superschnellem Netz versorgt sein sollten.

Dies ist aber insbesondere in der Siedlung Gangelt-Nord IV, wo bereits vor rund anderthalb Jahren die ersten Bürger eingezogen sind, nicht der Fall. „Dabei war das Versprechen, dass hier Glasfaserleitungen liegen, für viele ein echtes Argument, zuzuschlagen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Milthaler. Er weiß auch deswegen ganz gut bescheid, weil er zu denjenigen gehörte, die einst nach Kräften dafür trommelten, das Unternehmen in den Kreis Heinsberg zu holen.

Nun fällt der Unmut vieler Bürger auch auf ihn zurück. Das gleiche gilt für den Ortsvorsteher Gerd Schütz. Er ruft freundlich in Erinnerung: „Gangelt hat der Deutschen Glasfaser im Kreis Heinsberg aufs Pferd geholfen.“

Für das Unternehmen kommt der Vorstoß der CDU zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Schließlich wirbt es aktuell um die Unternehmen in den vier Geilenkirchener Gewerbegebieten. Da wäre es sinnvoll, wenn man sich auch dort, wo die vertraglichen Dinge bereits geregelt sind, von seiner Schokoladenseite zeigt.

Der Verdruss der Christdemokraten passt jedenfalls mehr als gut mit dem Eindruck zusammen, der beim Glasfaserausbau im Kreis Heinsberg in den vergangenen Jahren immer wieder entstanden ist: Das Projekt ist zukunftsweisend, die Versprechen und dementsprechend auch die Ansprüche sind gewaltig. Aber die Umsetzung ist leider mitunter nicht ausreichend.

Und insbesondere die Kommunikation ist offenbar alles andere als die Glasfaser’sche Paradedisziplin. Das sieht auch Milthaler so, der in schöner Regelmäßigkeit keine Antworten erhält, wenn er nach Gangelt-Nord IV fragt. Weil es in den verschiedenen Gangelter Dörfern noch eine ganze Reihe anderer Neubaugebiete gibt, die ja auch in absehbarer Zeit mal bewohnt sein werden, schwant ihm jetzt schon Böses.

Es ist nicht so, dass Milthaler die Leistung von Flink und Glasfaser pauschal schlechtmacht. Die Internetverbindung bei ihm Zuhause beispielsweise sei eine wunderbare Sache. Störungen gebe es praktisch nicht. An seinem Ärger über die Fragezeichen hinter den Neubaugebieten ändert das aber nichts: „Das Problem ist, dass die Deutsche Glasfaser sich nicht als Erstversorger betrachtet.“

Bürgermeister Bernhard Tholen formuliert seine Kritik auf Nachfrage zwar ein wenig moderater. Doch auch er stellt fest: „Es wird wohl langsam Zeit, dass die Glasfaser auch im Servicebereich besser wird.“ Bei ihm Zuhause sei lange Zeit grundsätzlich nach vier Minuten die Telefonverbindung abgerissen. Schließlich bekam er den Tipp, dass mit der Einstellung an der Fritzbox etwas nicht stimmt. Er konnte das Problem dann schnell beheben.

Allerdings kam der Tipp nicht etwa von der Flink’schen Service-Hotline, sondern von einem Mitbürger – der wiederum hatte das gleiche Problem gehabt und schließlich entnervt den Hersteller der Box kontaktiert.

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