„GillARTh“: Bildnisse von Köpfen auch auf dem Kopf

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
6304477.jpg
Wieder fanden sich im Bereich der alten Tonfabrik Teeuwen viele Besucher ein, um die Arbeiten der Gruppe „GillARTh“ zu bestaunen. In manchem Gespräch mit den Künstlern wurden Entstehungsgeschichten oder weitere Ideen ausgetauscht. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gillrath. Ungezählte gemalte Gesichter fixierten die Besucher, ein Hilfloser sprach eindringlich von der Liebe, und in einem Einmachkessel köchelte Erbsensuppe vor sich hin. So sah der Rahmen für die zweite Gemeinschaftsaktion der Künstlergruppe „GillARTh“ in der ehemaligen Tonfabrik Teeuwen aus. Burkhart Ollertz, Georg Kohlen, Theo Heinen und Andreas Joerissen hatten geladen und waren wie schon im vorigen Jahr erstaunt darüber, wie viele Gäste sie in ihren Ateliers begrüßen konnten.

 „Fasziniert bis überfordert“, so hat Georg Kohlen die Besucher erlebt. Keiner der vier Künstler in Gillrath sei angetreten, um zu gefallen, so Kohlen. „Wir wollen uns ausdrücken – das gefällt nicht jedem und das führt zu Kontroversen.“

Ein Augenzwinkern war schon dabei, als er von einer „Anti-Esoterischen-Aktion“ sprach, der die Besucher zuerst etwas ratlos beiwohnten. Von Kopf bis Fuß bandagiert, war nur ein blinkendes rotes Herz als Farbklecks auszumachen, als Georg Kohlen ein scheinbar eindringliches Plädoyer für die Liebe hielt. Das Wort sei immer in aller Munde. „Wer schafft es aber, diesen Begriff mit Leben zu füllen?“

Erstaunt blickten viele Kenner der Arbeiten von Theo Heinen auf das, was er an die Wand gehängt hatte: Gesichter, figürliche Malerei. Das sei aus ihm, der ansonsten fast nur abstrakt arbeitet, einfach so herausgeflossen. „Automatisch, aus dem Bauch heraus habe ich das gemalt“, so Heinen, der sich aber sicher ist, dass es sich hier um eine „Episode“ seines Schaffens handelt und der alsbald wieder ins Abstrakte zurückkehren will. Zu seinen Arbeiten gibt es keine Titel, keine Erläuterungen: „Das gefällt oder gefällt nicht.“

Da arbeitet der Bildhauer Andreas Joerissen anders. „Ich kann nicht ohne Erklärungen arbeiten, ich suche das Gespräch mit dem interessierten Betrachter und freue mich regelrecht auf die inhaltliche Auseinandersetzung.“ Er, der als Einziger der drei ein eigenes Atelier hat und „Erstbezieher“ in dem Teeuwen-Areal war, wartete mit zwei ebenso dominanten wie komplexen Arbeiten auf.

Neben den Werken aus Vergangenheit, wie beispielsweise die Schamanengruppe und dem Monumentalwerk „Drei vom gleichen Stamm“, waren es massive übergroße Köpfe aus Kirschholz, die von Künstlerhand zwar fertig, aber noch nicht ihre endgültige Form gefunden haben. Die soll ihnen die Natur geben, denn die Arbeiten werden vergraben, und nach einem Jahr will Joerissen sehen, „was die Erde daraus gemacht hat.“

Was ist für ihn altes Holz? Da gibt es Eichenbalken aus einem alten Gangelter Bauernhof, die, von den Jahren noch mehr gehärtet, zu Figuren verarbeitet wurde.

Masken von Schablonen

Gegen Hölzer aus dem Inde-Tagebau sind die vorgenannten gerade mal einen Wimpernschlag alt. Tiefschwarz gibt die Art der Millionen Jahre langen Lagerung Andreas Joerissen hier oft schon die Form vor. Spannend zu sehen, was der Künstler daraus schafft. „Dass hier so viele Köpfe sind, hat sich einfach so ergeben“, erläutert Burkhart Ollertz, in der ihm eigenen ruhigen Art.

Ebenso wie in vielen Arbeiten aus der Vergangenheit, zeigen seine „Pyjama-People“ wieder ihn. Dabei geht er der modernen Zeit entsprechend pragmatisch vor und fotografiert sich selber mit dem Handy, um dieses Bild dann als Vorlage zu nutzen. „Nur bei dem Bild, wo ich beim Kopfstand zu sehen bin, war das schwierig.“ Stencils ist der englische Begriff für Schablone. Banksy ist ein bekannter Künstler dieser Szene. Auch Burkhart Ollertz arbeitet mittlerweile mit dieser Schablonen-Kunst und produziert die mit aufwendig geschnittenen Masken.

Dass das Gemeinschaftswerk zur Ausstellung, das auf einem alten Rollo gemalt wurde, lauter Köpfe zeigt, verwunderte beim Schlendern durch die Ateliers wohl keinen der Besucher.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert