Giftschlacke behindert Glasfaser-Ausbau

Von: Jan Mönch
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Die Krahestraße in Prummern ist zwar nicht belastet - allerdings wird der Glasfaser-Ausbau hier dennoch ein Problem sein. Der Grund: Die Meroderhofstraße und die Gereonsweilerstraße in unmittelbarer Nähe sind sehr wohl belastet - und von dort hätten die Kabel in die Krahestraße führen sollen. Foto: Georg Schmitz
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Am Kreisverkehr Sittarder Straße/An der Linde wurde kontaminiertes Material verwendet. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Jedes Dorf, jede Straße, jeder Haushalt soll mit schnellem Internet versorgt werden. Wer nach wie vor mit vorsintflutlichen Mitteln durch die virtuelle Welt krebst, für den klingt dieses Versprechen der Deutschen Glasfaser Holding GmbH nach wie vor wie ein Segen.

Allerdings wird es in einigen Geilenkirchener Straßen bis auf Weiteres nicht eingehalten werden können. Um es mit Blick auf die bewegte Geschichte des Glasfaser-Ausbaus vorwegzunehmen: Weder die Deutsche Glasfaser Holding GmbH noch Provider oder Generalunternehmer können etwas dafür.

Mitte 2012 wurde nach und nach bekannt, dass das Geilenkirchener Bauunternehmen Tholen in zahlreichen Straßen kontaminiertes Material unter der Erdoberfläche verbaut hat. Nicht etwa nur im Kreis Heinsberg, sondern auch im Kreis Düren, der Städteregion Aachen, im Rhein-Kreis Neuss und vor allen Dingen in Mönchengladbach.

Ob dies wissentlich geschah oder ob Tholen selbst hinters Licht geführt wurde, dazu ist bis zum heutigen Tage ein extrem aufwendiges Verfahren bei der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft anhängig. Die Ermittlungen liegen beim Landeskriminalamt und richten sich auch gegen das Krefelder Unternehmen MAV, von dem Tholen das Material erhalten haben soll.

Außerdem – dies teilte die Staatsanwaltschaft erst im Zuge der Recherche zu diesem Text mit – ist ein weiteres, nicht benanntes Unternehmen aus dem Raum Erkelenz ins Visier der Ermittler geraten, das ebenfalls von MAV versorgt worden sein soll.

Fest steht: Unter zahlreichen Straßen und Gehwegen liegt hochgradig schwermetallhaltige Schlacke verscharrt – und so lange die Erdoberfläche versiegelt bleibt, ist das auch nicht gefährlich. Womit der Kreis zum Glasfaser-Ausbau geschlagen wäre: ohne Tiefbauarbeit keine Glasfaser.

Und ohne Glasfaser kein schnelles Internet. Vorvertrag hin oder her. „Kein Anschluss möglich“, lautet die Betreffzeile in einem Schreiben des Providers Flink, das offenbar bereits an Interessenten rausgegangen sind.

Als erstes dämmerte es offenbar im Ortsteil Prummern einigen Anwohnern, dass die digitale Zukunft in ihrem Haushalt vorläufig nicht anbrechen wird. Nämlich als die schuftenden Arbeiter beim Verlegen der Leitungen einige Straßen aussparten. Unmittelbar betroffen sind die Meroderhofstraße und die Gereonsweilerstraße.

In Prummern wird deshalb auf Initiative von Ortsvorsteher Nikolaus Bales ein Informationsabend stattfinden, an dem auch Bürgermeister Thomas Fiedler und der Technische Beigeordnete Markus Mönter teilnehmen. Allerdings ist Prummern gar nicht der einzige betroffene Ortsteil (siehe Zusatzbox).

Die genannten Straßenabschnitte wurden von der Stadt Geilenkirchen bereits 2012 durch Probeentnahmen als belastet eingestuft. Wie schwerwiegend die Auswirkungen für den Glasfaser-Ausbau sind, darüber verschafft man sich allerdings erst jetzt einen genauen Überblick.

Es ist davon auszugehen, dass weitere Neben- und Stichstraßen, deren Untergrund gar nicht kontaminiert ist, nicht ohne Weiteres angeschlossen werden können. Definitiv zutreffen wird dies beispielsweise auf die Krahestraße in Prummern. Denn diese hätte über Meroderhofstraße oder Gereonsweilerstraße angeschlossen werden sollen.

Die Stadt jedenfalls legt Wert auf die Feststellung, dass von den Altlasten keine Gefahr ausgehe. Und darauf, dass man dennoch daran arbeite, mittelfristig eine Lösung in Sachen Glasfaser zu finden. Eine Einschätzung, mit welchem Zeitraum hier zu rechnen ist, ist allerdings nicht zu erhalten.

Es ist nicht so, dass die Entfernung des kontaminierten Materials ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Allerdings ist sie teuer und aufwendig. Denn die Giftschlacke muss zunächst von unverdächtigen Substanzen getrennt werden, erklärt Mönter. Und auch für die Entsorgung fallen beträchtliche Kosten an.

Wie hoch diese sein könnten, möchte er nicht sagen. In einem Sachverständigengutachten von 2012, das in gleicher Angelegenheit für die Stadt Grevenbroich gefertigt wurde und unserer Redaktion vorliegt, wird beispielhaft eine Kostenschätzung von 12.555 Euro für 3000 Quadratmeter bei einer Dicke der belasteten Schicht von fünf Zentimeter aufgestellt. Lasse man das belastete Material im Untergrund, sei damit im Übrigen ein „Minderwert der Grundstücke“ verbunden, heißt es in dem Gutachten weiter.

Zusätzlich erschwert wird die Angelegenheit für Geilenkirchen durch das schwebende Verfahren. Denn so lange die Schuldfrage nicht geklärt ist, haben freilich weder Stadt noch Deutsche Glasfaser Holding GmbH (beziehungsweise deren Generalunternehmer) Interesse daran, die Mehrkosten für die Entfernung der Sauerei zu übernehmen. Fürs Erste schauen also diejenigen in die Röhre, die bereits mit einem Provider einen Vorvertrag zwecks Glasfaser-Nutzung abgeschlossen haben.

Der Infoabend für Prummern findet kommenden Freitag, 17 Uhr, im Schützenheim, Brüllsche Straße 7, statt.

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