Geilenkirchen - Gesellschaft für Sicherheitspolitik: Moskau-Experte im Haus Basten

Gesellschaft für Sicherheitspolitik: Moskau-Experte im Haus Basten

Von: Renate Kolodzey
Letzte Aktualisierung:
13021546.jpg
Andrey Gurkov, Journalist der Deutschen Welle, bei seinem Vortrag im Haus Basten. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. Die Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) engagiert sich seit ihrer Gründung 1952 in Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik und möchte diese ins Bewusstsein der Menschen rücken. Herbert Wölfel, Leiter der hiesigen Sektion, begrüßte im Haus Basten nun den Moskau-Experten Andrey Gurkov, der den Vortrag „Russlands Wirtschaft: Krim, Sanktionen, Krise“ hielt.

1959 in Moskau geboren, wuchs Gurkov im damaligen Ostberlin und in Bonn auf. Er studierte Journalistik in Moskau und schrieb seine Diplom-Arbeit an der Universität Leipzig. Zurzeit arbeitet er bei der Deutschen Welle und ist als Russland-Experte häufig in Rundfunk und Fernsehen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit der VHS und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft angeboten.

Gurkov glaubt, dass es 2001 bis 2010 einen Wirtschaftsboom gegeben habe, begründet durch unter anderem steigende Ölpreise und niedrigen Rubelkurs. Was das Wirtschaftswachstum 2009 bis 2015 betreffe, so habe die Krise lange vor dem Krim-Konflikt und den EU-Sanktionen mit einer Rezession begonnen. „Die Sanktionen waren so etwas wie eine Bronchitis, der Ölpreisverfall dagegen ist Krebs“, so Gurkov. Weiterhin sei die Abwertung des Rubel ausschlaggebend gewesen.

„Wie kommt Russland aus der Rezession?“, fragte Gurkov nun. Expertenkreise würden dem Land „faktische Stagnation und ein verlorenes Jahrzehnt 2008 bis 2018“ bescheinigen, meinte er. Das bisherige Wachstumsmodell sei ausgeschöpft: Die Rohstoffwirtschaft erlebe eine Strukturkrise, Putin käme an Reformen nicht vorbei. Die Wirtschaftssanktionen der EU seien politisch, nicht wirtschaftlich motiviert und eine Reaktion auf den Ukraine-Konflikt, nicht auf die Krim-Annexion.

Sie richteten sich gegen ausgewählte Branchen und Unternehmen und beträfen nur indirekt die Bevölkerung. Russlands „Gegensanktionen“ seien unter anderem Importverbote für Agrarprodukte und Lebensmittel der EU, USA, Kanada und anderer Länder gewesen. „Iss Russisch!“ laute das Motto.

Kein makroökonomischer Effekt

Es gäbe jedoch negative Effekte dieser Import-Substitution, betonte der Referent, wie die Vergeudung staatlicher Mittel, schlechte Qualität, höhere Kosten und Preise sowie die Abkoppelung vom Weltmarkt. Der Trend gehe in Richtung Verschlechterung der Lebensqualität. Dabei schade man etwa Deutschland jedoch kaum: Russland habe in der Rangfolge der wichtigsten Exportländer mit 1,7 Prozent an 15. Stelle gestanden. In Deutschland habe es durch die Sanktionen keinen makroökonomischen Effekt gegeben, nur begrenzte Einkommensverluste in einzelnen Branchen wie Landwirtschaft und Maschinenbau. Die EU habe gezeigt, dass sie handlungsfähig ist. Dies mache die Androhung weiterer Sanktionen glaubhaft.

Gurkovs Prognose auf die Frage, ob der Rubel wieder rollen wird, war: „Ja, aber nicht mehr so wie früher und nicht für alle. Die große Party von 2002 ist vorbei, und sie wird es auch nicht mehr geben!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert