Alemannia Ticker

Gesamtschule für Gangelt und Selfkant

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
Die frohen Zeiten an der Haupt
Die frohen Zeiten an der Hauptschule Gangelt sind vorbei. Das Modell Hauptschule funktioniert dann nicht mehr! Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Selfkant. Das Ende der Realschule und der Hauptschule in Gangelt scheint besiegelt. Auch die Tage der Hauptschule in Höngen sind gezählt. Ersetzt werden sollen die drei Schulen durch eine Gesamtschule, die schon im August des kommenden Jahres ihren Betrieb aufnehmen soll.

Für die Klassen fünf bis sieben ist der Standort in Selfkant-Höngen vorgesehen, die Klassen 8 bis 13 werden in Gangelt unterrichtet. „Selbstverständlich ist die neue Gesamtschule als Ganztagsschule geplant”, sagt Bürgermeister Bernhard Tholen, der ebenso wie sein Kollege Herbert Corsten im Selfkant derzeit alle Hände voll zu tun hat, die Fraktionen in den Rathäusern von dem Vorhaben zu überzeugen, und all die Schritte in die Wege zu leiten, die jetzt nötig sind, um diesen ebenso radikalen wie auch unvermeidlichen Wechsel im Schulsystem vorzubereiten.

Dabei sind sich beide Bürgermeister sicher, dass es keine nennenswerten Problem geben wird, die Ratsmitglieder in Gangelt und Selfkant hinter das Konzept zu bringen. „Was wir brauchen, sind 100 Unterschriften von Eltern, die ab dem 11. Februar 2012 ihre Kinder für die neue Gesamtschule anmelden können”, so Tholen. Denn eine Vierzügigkeit ist Voraussetzung für den Start in das neue System.

„Wir haben in Gangelt eine Realschule, die einen hohen Qualitätsanspruch hat und den Jahr für Jahr mit hervorragenden Übergangsquoten ans Gymnasium untermauert”, blickt Bernhard Tholen auf die von Thomas Hoppe-Leifgen tadellos geführt Schule zurück. Das habe immer den Ausschlag gegeben, warum Gangelt nicht schon früher dem Werben des Selfkants gefolgt sei. Herbert Corsten und seine Ratsmitglieder hatten schon lange vor, eine Gesamtschule, mindestens aber eine Gemeinschaftsschule, einzurichten.

Spätestens nach der Ankündigung der Stadt Geilenkirchen, ab dem kommenden Schuljahr keine Schüler aus dem eigenen Stadtgebiet mehr an die Gemeinschaftshauptschule (GHS) an der Mercatorstraße zu schicken, steht für Gangelts ersten Bürger fest: „Das Modell Hauptschule funktioniert dann nicht mehr!” Aus dem Bereich Gangelt werden bestenfalls zehn neue Schüler für die GHS erwartet, „und damit kann ich keine Eingangsklasse bilden”, so Tholen.

In dem seit gut zwei Jahren in der Diskussion befindlichen Schulentwicklungsplan des Kreises Heinsberg wurde bemängelt, dass die Übergangsquote an die Gymnasien in den Westgemeinden deutlich zu gering sei. Schon hier wurde empfohlen, für die Gemeinden Gangelt und Selfkant eine Oberstufe, also ein Gymnasium oder eine Gesamtschule einzurichten.

Verbindliche Anmeldung

Die Gemeinschaftsschule, die ja mittlerweile nach dem Schulkonsens auf Landesebene wieder vom Tisch ist, wäre für Gangelt nie eine Option gewesen. „Diese Schulform war unerprobt”, so Tholen. „Wir wollten unseren Kindern nicht zumuten, Versuchskaninchen für die Schulpolitik zu sein.” Als „sicheres Schulsystem” bezeichnet er die Gesamtschule, deren pädagogisches Konzept jetzt seit rund 20 Jahren besteht. Daran gilt es also jetzt, in der heißen Planungsphase nichts zu verändern.

Von der Bezirksregierung wird ein Fachmann eingesetzt, der zusammen mit den Schulleitern der Grundschulen und der Haupt- und Realschule dann das Konzept für den umfangreichen organisatorischen Aufbau der neuen Schule in Angriff nimmt. Aber alle Planungen sind Makulatur, wenn die Schüler und Eltern nicht mitziehen.

So wird schon in der kommenden Woche ein umfangreiches Programm mit Informationsabenden für Eltern und Schüler beginnen. Die Elternbefragung aller Betroffenen der Klassen drei und vier soll Ende November abgeschlossen sein. Im Dezember stehen dann die Ratsbeschlüsse in den beiden Gemeinden an, und Anfang Februar 2012 wird um verbindliche Anmeldungen für die Gesamtschule in Gangelt geworben. Während die beiden Hauptschulen und die Realschule in einer fünfjährigen Übergangszeit ihre jetzt noch vorhandenen Schüler zu den entsprechenden Abschlüssen bringen, sind Neuanmeldungen in diesen drei Schulen ab sofort nicht mehr möglich. So könnte dann bei gutem Gelingen im Frühjahr 2021 Gangelt die erste Abiturfeier erleben.

570 Schülerwerden in der Realschule unterrichtet

Im Jahre 1997 feierte die Realschule des Schulverbandes Selfkant-Gangelt in Gangelt ihr 150-jähriges Bestehen. Eine Höhere Schule in Gangelt, aus der die heutige Realschule hervorgegangen ist, gab es aber bereits seit Jahrhunderten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erstand unter Kaplan Franz Edmunds am 12. April 1946 eine neue Höhere Schule und zwar für die Klassen Sexta bis Quarta. Am Tag des Wiederbeginns am 24. Juni 1946 besuchten 59 Jungen und erstmals 27 Mädchen die Schule. Ab 1947 war die Schule auf Jahre hinaus eine private Zubringerschule für die Gymnasien. Im Jahre 1955 brachte die Umwandlung in den neuen Schultyp Realschule eine Verbesserung mit sich. Durch Baumaßnahmen, effizientere Unterrichtsmaterialien sowie 1960 die Fertigstellung einer Turnhalle erfreute sich die Realschule immer größerer Beliebtheit. Am 1. August 1967 wurde die Privatschule in eine öffentliche Trägerschaft übergeben. Der neue Zweckverband bestand aus dem Kreis Heinsberg sowie den Gemeinden Gangelt und Selfkant. Der erste Rektor der Schule war Theodor Bettray, der 1983 in den Ruhestand trat. Das neue Schulgebäude an der Kritzraedtstraße entstand ab 1970. Heute werden hier rund 570 Schüler unterrichtet.


Hauptschule startete zum Schuljahr 1970/71

Mit Beginn des Schuljahres 1970/71 begann in Gangelt das „Abenteuer Hauptschule” an den Standorten Breberen und Birgden. Hans-Otto Leonards war der erste Schulleiter. 511 Schüler wurden in 14 Klassen unterrichtet. Hauptschulen waren von Beginn an als weiterführende Schule gleichberechtigt und gleichermaßen qualifizierend neben Realschule und Gymnasium gedacht. Hauptschüler konnten ebenso die Fachoberschulreife erreichen und bei einem qualifizierten Abschluss zum Gymnasium wechseln. In den Anfangsjahren war in allen Grundschulen eine deutliche Tendenz zur Hauptschule zu verzeichnen. 24 gab es anfangs im Kreis Heinsberg. Wie auch in Gangelt waren Schulen mit über 500 Schülern keine Seltenheit. Auf die steigenden Schülerzahlen, die zusätzliche und größere Klassenräume sowie neue Fach- und Differenzierungsräume benötigten, reagierte man in Gangelt mit dem Bau einer neuen Hauptschule, die am 10. Oktober 1974 eingeweiht wurde. Ein Jahr später folgte die große Sporthalle. In den 80-er Jahren kamen die geburtenschwachen Jahrgänge und ein geänderter Elternwille, der die Schülerzahlen drastisch sinken ließ. Lange Jahre retteten dann die „Fahrschüler” aus Geilenkirchen den Bestand.




Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.