Übach-Palenberg/Baesweiler - Gesamtschule: „Baesweiler hat Entwicklung verpennt“

Gesamtschule: „Baesweiler hat Entwicklung verpennt“

Von: jpm
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Schulpolitik im Blickpunkt: Noch steht die Willy-Brandt-Gesamtschule nur in Übach-Palenberg. Dass das so bleibt, hoffen nach Aussage von Gewerkschafter Klaus Lange sowohl Schüler als auch Eltern und Belegschaft. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg/Baesweiler. Das Modell einer Dependance der Übach-Palenberger Willy-Brandt-Gesamtschule stößt auf Gewerkschaftsseite auf scharfe Kritik. Klaus Lange, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Heinsberg und Regierungsbezirk Köln, gibt den Plänen schon im Ansatz eine klare Abfuhr: „Das ist unvorstellbar.“

Lange geht davon aus, dass das angedachte Modell gar nicht genehmigungsfähig ist.

Faktisch zweite Dependance?

Die Idee war bei einer Sitzung des Baesweiler Schulausschusses Anfang September öffentlich geworden. Die Dependance solle im Gebäude der auslaufenden Hauptschule untegebracht werden, hatte Bürgermeister Willi Linkens damals gesagt, gleichwohl angefügt, dass einige Hürden zu bewältigen seien – allein schon, weil es sich um die erste kreisübergreifende Gesamtschule im Land handeln würde.

Eine eigene Gesamtschule ist Baesweiler von der Kölner Bezirksregierung verweigert worden. Nachdem Baesweiler die Dependance am liebsten schon zum kommenden Schuljahr geöffnet hätte, ist der Plan mittlerweile zumindest aufs übernächste Schuljahr verschoben worden. „Das ist nicht gut, denn Übach-Palenberg hat schon eine Kooperation mit der Gesamtschule Merkstein in Herzogenrath, was die Oberstufe angeht. Es wäre dann faktisch eine zweite Dependance“, so Lange.

Dass es um eine kreisübergreifende Kooperation geht, hält Lange noch für das geringste Problem: „Die Stadt Baesweiler will einfach das Schild ‚Hauptschule‘ entfernen und ein Schild mit der Aufschrift ‚Gesamtschule‘ ans Gebäude dran schrauben“, sagt er. Dies sei aber mit der Realität nicht vereinbar. Erstens weil die Kurse sich aus Haupt- und Realschülern sowie Gymnasiasten zusammensetzen müssten.

Und zweitens weil man als Gesamtschule jedem Schüler sowohl Ergänzungs- als auch Grundkurse anbieten können. Schon deshalb führe eine Verteilung der Schulen auf zwei Gemeinden dazu, „dass die Schüler und auch die Lehrer ständig hin- und herfahren. Das ist erstens in einer normalen Schulpause zeitlich kaum zu schaffen. Und außerdem müssten ständig Busse fahren“. Schüler, Lehrer und Eltern an der Willy-Brandt-Gesamtschule seien dementsprechend gegen die Pläne.

Die Baesweiler Notlage in Sachen Schulpolitik betrachtet Lange als hausgemacht. „Ich sehe in der Stadt Baesweiler überhaupt keine Planung in der Schulpolitik. Was jetzt abläuft ist ein überstürzter Rettungsversuch des überholten dreigliedrigen Schulsystems von Haupt-, Realschule und Gymnasium.“

Jahrelang hätten die Verantwortlichen in Baesweiler die Stadträte in Alsdorf, Geilenkirchen und Übach-Palenberg ausgelacht, weil viel Geld und Aufwand in den Aufbau von Gesamtschulen gesteckt wurden. „Nun wollen die Eltern auch in Baesweiler keine Förder-, Haupt- und Realschule mehr nutzen – und nun muss eine Gesamtschul-Dependance für Baesweiler her. Und das nur, weil in Baesweiler die Entwicklung in der Schulpolitik verpennt wurde. Eigentlich ist das eine Unverschämtheit.“

Zumindest in Teilen des Baesweiler Stadtrats sieht man dies offenbar ähnlich. SPD und Grüne hatten in der besagten Schulausschusssitzung ebenfalls die Versäumnisse der Vergangenheit moniert. Man solle sich auch nach anderen Lösungen umsehen.

Dazu rät auch Gewerkschafter Lange. Eine theoretisch mögliche Alternativlösung sei etwa die Angliederung der Hauptschulklassen an Gymnasium und Realschule gewesen. „Das ist aber eher in Kleinstgemeinden sinnvoll, weniger in Baesweiler“, sagt er. Die Schaffung einer Sekundarschule indes hat seiner Einschätzung nach gute Chancen, von den zuständigen Behörden durchgewinkt zu werden.

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