Gericht glaubt den Aussagen des Opfers

Von: Herbert Keusch
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Geilenkirchen. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Anselm Pütz einen 42-jährigen Angeklagten aus Mönchengladbach wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung.

„Die entscheidende Frage für das Gericht war, ob man der Belastungszeugin Glauben schenkt”, erklärte der Richter zu Beginn der Urteilsverkündung.

„Das hat das Gericht uneingeschränkt getan.” Zwischen dem Angeklagten und der Geschädigten habe sich über das Internet eine Beziehung auf sexueller Basis entwickelt. Die verheiratete Geschädigte habe aus religiöser Sicht die Ansicht gehabt, dass man so etwas nicht machen dürfe. Dennoch sei man gemeinsam nach Vlissingen in die Niederlande gefahren, wo man gemeinsam einen Tag verbracht habe, schließlich sei man auch zusammen nach Bayern in Urlaub gefahren.

„Die beiden haben sogar in Geilenkirchen gemeinsam im Haus der Geschädigten zusammen mit deren Kindern gewohnt.” Der Angeklagte habe dann aber irgendwann den Absprung verpasst, als er aus dem Haus wieder ausgezogen war.

„Die Sache ist endgültig eskaliert, als er die Zeugin sexuell genötigt hat und ihr ständig nachstellte.” Allein durch den vorhandenen Schriftverkehr, durch Mails und Telefonate, aber auch durch die Schändung des Grabes der Mutter der Geschädigten und vor allen Dingen durch die Vielzahl der Nachstellungen sei das Gericht zu diesem Urteil gekommen.

Staatsanwältin Pascale Schlimm hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten gefordert. „Es gibt Dinge, über die man sich nur wundern kann”, hatte sie zu Beginn ihres Plädoyers gesagt. Da gibt es eine Geschädigte, die rein zufällig eine Anzeige erstattet, weil ein Polizeibeamter wegen einer anderen Sache an ihrer Haustür klingelt. „Das Bild der Geschädigten ist für mich absolut stimmig.”

Der Angeklagte habe sie komplett an sich gebunden, obwohl seine eigene Psychologin ihm die Trennung empfohlen habe. Die Geschädigte habe zur versuchten Vergewaltigung ebenso eindeutig Stellung bezogen wie zu dem, was hinterher passiert sei. Sie sei mit SMS, Telefonaten auch bei ihrem Arbeitgeber bombardiert worden, es habe in einem kleinen Geilenkirchener Ort Sachbeschädigungen gegeben.

„Ich habe öfter mit Gewaltopfern zu tun”, begann Nebenklagevertreterin Carola Brandt ihr Plädoyer. Die Angeklagte sei sicherlich relativ naiv, was der Angeklagte für seine Taten genutzt habe. „Die Geschädigte hat andererseits nie gelernt, sich zur Wehr zu setzen.”

Ganz anders sieht die Sache Strafverteidiger Theo Depenau, der einen Freispruch forderte. „Wir haben es auf beiden Seiten mit Akteuren zu tun, die beide psychologische Hilfe benötigen.” Bewiesen seien weder die versuchte Vergewaltigung noch die anderen vorgeworfenen Straftaten. „Vermutungen reichen nicht aus, um zu einer Verurteilung zu kommen.”

Zu Beginn des dritten Verhandlungstages wurde zunächst noch einmal die 40-jährige Geschädigte als Zeugin gehört. Der Richter ging noch einmal auf Aussagen anderer Zeugen ein, die davon gesprochen hatten, dass die 40-Jährige behauptet habe, schwanger zu sein. Ein weiterer Punkt sei, dass sie bei der Anmietung eines Anhängers beim Umzug des Angeklagten dabei gewesen sei.

„Nach dem Auszug des Angeklagten aus ihrem Haus sollen sie noch mindestens drei, vier Mal in der neuen Wohnung des Angeklagten gewesen sein”, so der Richter. „Ich muss zu meiner ersten Aussage nichts verbessern, ich habe die Wahrheit gesagt”, antwortete die Zeugin.

Gehört wurde auch der Polizeibeamte, der die Ermittlungen in der Sache geführt hat. „Die Frau wollte zunächst nicht so richtig mit der Sprache heraus. Aber je detaillierter sie gefragt wurde, desto detaillierter wurde ihre Aussage.” Ihre religiöse Erziehung habe eine große Rolle gespielt, sie habe sich selbst die Schuld für viele Dinge gegeben.

Psychologin Frieda Orth, die die Aussage der Belastungszeugin bewertete, erklärte: „Die Zeugin hat ein ausreichendes Gedächtnis und ist aussagefähig.” Sie sei sehr autoritär erzogen worden, was dazu geführt habe, dass sie bei jedem Zusammensein mit dem Angeklagten eine Schuld auf sich geladen habe. „Es gibt aber keinen Anhaltspunkt, dass sie versucht, anderen bewusst Schaden zuzufügen.”
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