Kreis Heinsberg - Geplante Modernisierung: Drei Bahnhöfe sind künftig barrierefrei

Geplante Modernisierung: Drei Bahnhöfe sind künftig barrierefrei

Von: Jessica Küppers
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Nicht barrierefrei: Am Geilenkirchener Bahnhof soll sich in Zukunft einiges ändern. Unter anderem werden zwei Aufzüge für Gehbehinderte und Familien mit Kinderwagen eingebaut. Foto: Jessica Küppers
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Nicht barrierefrei: Am Geilenkirchener Bahnhof soll sich in Zukunft einiges ändern. Unter anderem muss der Bahnhof für Gehbehinderte und Familien mit Kinderwagen zugänglich Foto: J. Küppers

Kreis Heinsberg. Tausende Bahnpendler dürften von den geplanten Umbauarbeiten der Deutschen Bahn betroffen sein. Das Unternehmen hat in der vergangenen Woche angekündigt, auch die Bahnhöfe in Geilenkirchen, Lindern und Hückelhoven-Baal zu modernisieren, weil sie an der künftigen Linie des Rhein-Ruhr-Expresses (RRX) liegen.

Dieser soll die Region Köln/Bonn mit Dortmund/Hamm schneller verbinden. Kostenpunkt: 155 Millionen Euro.

Was genau in Geilenkirchen, Hückelhoven und Lindern geplant ist, will die Bahn jedoch nicht verraten und mauert. Ebenso bleibt es nach dem Willen des Unternehmens noch ein Geheimnis, wann die Arbeiten beginnen sollen. Auf Anfrage unserer Zeitung heißt es dazu: „Derzeit liegen die Details für die einzelnen Bahnhöfe noch nicht vor. Sie werden intern abgestimmt.“ Konkreteres sei erst nach Ostern zu erwarten, obwohl die Gelder für die Finanzierung schon freigegeben sind.

Unterdessen haben sich sowohl die Vertreter der Städte als auch der Fahrgastverband Pro Bahn schon Gedanken gemacht, was sich an den Bahnhöfen im Kreis Heinsberg ändern soll. Ein wichtiges Thema ist die Barrierefreiheit, die an allen drei Bahnhöfen bislang nicht gegeben ist.

In Hückelhoven ärgert die fehlende Barrierefreiheit die Menschen besonders, weil Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen den höher gelegenen Bahnhof, der nur durch Stufen erreichbar ist, im Moment gar nicht nutzen können. „Ich weiß, dass wir uns seit Jahren einen Aufzug wünschen“, sagt Holger Loogen von der Stadt Hückelhoven.

Ein ähnliches Problem gibt es auch in Geilenkirchen, weil dort Gehbehinderte und Menschen mit Kinderwagen den Bahnhof nicht uneingeschränkt nutzen können. Wenn sie mit der Bahn Richtung Duisburg, Heinsberg oder Dortmund fahren wollen, müssen sie zunächst einen Zug vom Gleis eins nach Herzogenrath nehmen, um dort den Aufzug zu nutzen und auf diese Weise das gegenüberliegende Gleis zu erreichen. Dann geht‘s wieder zurück nach Geilenkirchen und weiter bis nach Duisburg. Die Gleise zwei und drei in Geilenkirchen sind bislang nur über Treppenstufen einer Unterführung erreichbar, die für diese Menschen nicht in Frage kommen.

„Wir brauchen eine barrierefreie Erschließung im Rahmen der Verhältnismäßigkeit“, sagt Heinz Pütz, Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen. Konkret heißt das, dass dort Aufzüge installiert werden müssen, damit sich Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen frei und ohne weite Umwege in beide Richtungen bewegen können. Eine Information, ob sich künftig etwas an dieser Situation ändern wird, hat Pütz noch nicht bekommen, obwohl der Stadtverwaltung die genauen Pläne schon länger vorliegen. Die seien jedoch Eigentum der Bahn, so dass sie darüber keine Auskunft geben könne, solange die Bahn kein grünes Licht gebe, heißt es aus dem Geilenkirchener Rathaus.

Ein weiterer Knackpunkt an den Bahnhöfen im Kreis Heinsberg ist der Vandalismus. Der 1. Beigeordnete Helmut Mainz aus Übach-Palenberg bedauert, dass der relativ neu gestaltete Bahnhof dort immer wieder mit Graffiti besprüht wird. „Die Bahn sollte Material verwenden, das man nicht so leicht beschmieren kann“, sagt er. Glatte Oberflächen eigneten sich zu sehr für Graffiti, raue oder unebene Flächen sind dagegen schlechter dafür geeignet.

Um dem Vandalismus entgegenzuwirken und den Bahnhof insgesamt sicherer zu machen, sei auch Kameraüberwachung sinnvoll. Dieses Problem sieht auch Detlef Neuß von Pro Bahn NRW. An kleineren Bahnhöfen „ohne durchgehende soziale Kontrolle“ gebe es oft Probleme mit Vandalismus. „Ein barrierefreier Zugang, funktionierende Notrufsäulen, funktionierende Automaten und ein Wetterschutz sollten für jeden Bahnhof obligatorisch sein“, sagt er und appelliert an die Bahn.

Wie ein Haltepunkt ausgestattet ist, hängt grundsätzlich vom Fahrgastaufkommen ab. Der Geilenkirchener Bahnhof fällt beispielsweise als kleinerer Bahnhof, der überwiegend von Pendlern genutzt wird, in die Kategorie fünf. Das bedeutet, dass dort ein Fahrplan, Abfallbehälter, ein Wegeleitsystem, eine Uhr und Sitzgelegenheiten vorhanden sein müssen. Ein Fahrgastinformationssystem sowie Service-Mitarbeiter sind nicht vorgesehen. An einigen schwach frequentierten Haltepunkten gibt es nicht mal eine Uhr.

Dass die Pläne für die Bahnhöfe in Geilenkirchen, Hückelhoven-Baal und Lindern sehr wohl schon ziemlich konkret sind, beweist ein Anruf beim Nahverkehr Rheinland (NVR), der für die Strecken im Kreis Heinsberg zuständig ist. Auf Anfrage zeigt man sich dort auskunftsfreudiger.

Ute Reuschenberg, stellvertretende NVR-Sprecherin, sagt: „In Geilenkirchen werden zwei Aufzüge ergänzt.“ Ebenso würden in Lindern und Hückelhoven-Baal Aufzüge installiert, um die Barrierefreiheit in allen drei Bahnhöfen sicher zu stellen. Des Weiteren sollen im Zuge der Umbauarbeiten an allen Standorten die Bahnsteige verlängert und erhöht werden, so dass man „das Fahrzeug ebenerdig vom Bahnsteig aus erreichen“ könne, kündigt sie an.

Weil die Bahnhöfe außerdem ein einheitliches Erscheinungsbild bekommen sollen, werden sie mit einer elektronischen Anzeige (Fahrgastinformation) und einem Wetterschutz ausgestattet. Baubeginn sei nach jetzigem Stand Mitte des Jahres 2018, sagt Reuschenberg. Bis zum Jahr 2020 sollen die Arbeiten dann abgeschlossen sein und der jetzige Regionalzug 4 durch den modernen RRX abgelöst werden.

Auch wenn mit dem Umbau der drei Bahnhöfe viele Wünsche des Fahrgastverbandes und der Kommunen in Erfüllung gehen werden und das vorrangige Thema der Barrierefreiheit angepackt wird, wird Vandalismus wohl weiterhin ein Problem am Bahnhof bleiben.

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