Georg Schmitz: Lust auf eine zweite Amtszeit

Von: Udo Stüßer
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Er macht sich um die Zukunft der Stadt keine Sorgen: Bürgermeister Georg Schmitz. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Trotz mancher Kritik und turbulenter Ratssitzung macht Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz die für ihn ungewohnte Arbeit im Rathaus nach mehr als einem Jahr richtig Spaß. Und er geht nicht nur mit einer großen Portion Optimismus ins neue Jahr, sondern denkt jetzt schon über eine zweite Amtszeit nach.

Herr Schmitz, Sie sind jetzt seit einem Jahr im Amt. Macht Ihnen die Arbeit immer noch Spaß?

Schmitz: Ich bin jetzt seit einem Jahr und zwei Monaten im Amt. Entgegen allen Unkenrufen am Anfang, ich würde nur ein halbes Jahr durchhalten. Aber diese Unkenrufe kamen nicht aus der Bevölkerung, die kamen aus der Politik. Ja, die Arbeit macht mir immer noch Spaß, eigentlich von Woche zu Woche mehr.

Zu Beginn Ihrer Amtszeit haben Sie gesagt, Sie müssten noch viel lernen. Haben Sie Ihre Ausbildung mittlerweile abgeschlossen?

Schmitz: Ich lerne immer noch täglich dazu. Garantiert bis an mein Lebensende. Natürlich bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass es nicht immer einfach ist, fehlendes Fachwissen in Verwaltungsangelegenheiten zu kompensieren. Aber wie ich es auch schon im Wahlkampf gesagt habe, sind da die Fachabteilungen, die mir zur Seite stehen. Nicht nur ich, auch die Verwaltungsmitarbeiter lernen täglich dazu. Da ich auch im Wahlkampf gesagt habe, dass ich mich auf die Mitarbeiter verlassen muss, kann mir niemand etwas vorwerfen. Das wussten die Menschen in Geilenkirchen.

Kritiker haben Ihnen vor der Wahl vorgeworfen, dass Sie keine Führungs- und Verwaltungserfahrung haben. Hat Ihnen dieses Manko in diesem ersten Jahr sehr geschadet?

Schmitz: Überhaupt nicht. Durch die Fachämter im Rathaus ist das kompensiert worden. Es ist klar, dass ich anfangs meine Mitarbeiter immer mal wieder löchern musste. Schließlich wurden Fragen aus den verschiedenen Fachgebieten an mich herangetragen; es ging um Baugenehmigungen, bauliche Veränderungen im Straßenbild und um Ordnungsrecht. Damit das Hand und Fuß hat, was ich mache, muss ich Gesetze und Verordnungen kennen, und darüber informiere ich mich in den Abteilungen. Kein Bürgermeister in Deutschland kennt jedes Gesetz.

Wie geht es Ihrem alten Freund Peter Schimitzek. Steht er Ihnen auch heute noch zur Seite?

Schmitz: Mein Freund Peter Schimitzek ist immer noch mein Freund und wird mein Freund bleiben. Im Vorfeld war immer übertriebenerweise gesagt worden, dass er mein Hauptberater ist. Da stimmt nichts von. Er hat den Wahlkampf analysiert und ging von Anfang an davon aus, dass ich Bürgermeister würde und fand es gut. Seitdem hat man ihm vorgeworfen, er sei mein Hauptsponsor.

Und wie sieht es mit seinem Mitarbeiter Albert Baeumer aus, der Ihren Wahlkampf maßgeblich unterstützt hat?

Schmitz: Albert hat meinen Wahlkampf intensiv begleitet und unterstützt. Er hat es auf freiwilliger Basis getan, ohne einen Cent zu bekommen. Er hat es gemacht, weil es ihm Spaß bereitete, und war einer derjenigen im Vorfeld, der gesagt hat: „Du wirst Bürgermeister. Die anderen haben keine Chance.“ Er hat ein neues Konzept für meinen Wahlkampf mit Facebook und Videofilmen und -animationen erarbeitet. Er hat sein Ohr am Volk und bekommt viel mit. Er ist auch ein Freund von mir, der Begriff „Berater“ ist hier nicht zutreffend. Natürlich bin ich dankbar, wenn er den einen oder anderen Tipp auf Lager hat.

Als „Bürgermeister der Herzen“ hatten Sie vor Ihrer Wahl 28 000 Freunde in der Stadt. Wie vielen mussten Sie kräftig auf die Füße treten?

Schmitz: Ich habe niemandem auf die Füße getreten. Ich werbe aber nur um Verständnis, dass ich es nicht jedem recht machen kann. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille, dem einen gefällt etwas, dem anderen nicht. Wenn jemand wegen der herabfallenden Blätter im Herbst einen Baum fällen möchte, es aber verboten ist, kann ich es nicht genehmigen, auch nicht, wenn er mein Freund ist. Trotz der oftmals hohen Erwartungshaltung bei den Bürgern, muss ich mich an Gesetze halten.

Sie wollten ein bürgernaher Bürgermeister sein. Haben Sie Ihr Ohr immer noch nahe am Volk?

Schmitz: Selbstverständlich, ich gehe wie früher zu allen Veranstaltungen hin, sofern die Zeit es zulässt. Das wissen die Vereine zu schätzen, ich bekomme entsprechende positive Rückmeldungen. Sonntags bin ich manchmal im Stundenrhythmus unterwegs. Meine Bürgernähe hat in keinster Weise gelitten. Wenn ich von zu Hause die 100 Meter bis zum Rathaus gehe, brauche ich manchmal 30 bis 40 Minuten, weil mich zehn Leute ansprechen. Das ist wie früher in meinem Reporterleben, nur stärker geworden. Auch in Übach-Palenberg und Heinsberg kann ich nicht in Deckung gehen, da muss ich schon bis Köln fahren.

Und dennoch werden unliebsame Kritiker von Ihnen, wie der Fall Beeck zeigt, bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Schmitz: Im Haus war man der Meinung, dass wenn ein ehrenamtlich tätiger Leiter der Feuerwehr derart persönlich angegriffen wird, Strafanzeige erstattet werden sollte. Auch ich stehe hinter dem Leiter der Feuerwehr, der sich seit Jahrzehnten um die Feuerwehr in unserer Stadt verdient gemacht hat, auch wenn ich die Anzeige nicht persönlich unterschrieben habe. Genauso stehe ich hinter den Mitarbeitern im Rathaus und halte ihnen den Rücken frei.

Mit ihren ersten Plänen zur Wirtschaftsförderung haben Sie gleich nach Amtsantritt für Aufmerksamkeit in der ganzen Region gesorgt. Aber aus dem ausrangierten Awacs-Flugzeug in der Innenstadt wird nun nichts. Bleibt es bei dem einen Luftschloss? Oder haben Sie auch realisierbare Pläne?

Schmitz: Das angebliche Luftschloss wurde bei der Vorstellung von den Fraktionen hoch gelobt. Nachdem die Nato aber abgesagt hat, kann das Projekt natürlich nicht mehr realisiert werden. Davon hing auch das Inlet-Center ab. Das Flugzeug sollte Touristen anziehen, die einen Bummel durch die Stadt machen und shoppen gehen. Die Entscheidung der Nato muss ich natürlich respektieren. Derzeit bin ich dabei, gemeinsam mit unserer Wirtschaftsförderin Susanne Köppl Geilenkirchen anders zu beleben.

Und wie?

Schmitz: In den vergangenen Monaten sind Nachmieter für sechs leer stehende Ladenlokale gefunden worden, und wir sind auf dem besten Weg, weiteren Leerstand zu belegen. Einen ernsthaften Interessenten gibt es auch für das Ladenlokal, in dem früher Takko, dann NKD untergebracht war. Im Stadtkern wird es im kommenden Jahr eine sichtbare Veränderung im Geschäftsbereich geben, die mit der Aufwertung eines Gebäudeensembles einhergeht.

Welche Veränderungen? Was ist geplant?

Schmitz: Dazu darf ich zurzeit noch nichts sagen, sonst melden sich wieder Verhinderer zu Wort. Aber noch mal zur Belebung der Stadt: Schauen Sie sich das neue Gewerbegebiet in Niederheid an. Das war auf zehn Jahre konzipiert. Wenn das so weiter geht, ist es schon in der Hälfte der Zeit belegt. Wir werden jetzt schon erste Schritte für eine Erweiterung einleiten oder sogar ein neues Gewerbegebiet bei der Bezirksregierung beantragen.

Im Stadtmarketing wurde jetzt durch die enge Verzahnung von Aktionskreis und Verwaltung ein neues Kapitel aufgeschlagen. Was erwartet uns im nächsten Jahr?

Schmitz: Verwaltung und Aktionskreis treffen sich regelmäßig und arbeiten Konzepte aus. Bekannte Events wie Weinfest, Culinara, Handwerker- und Nikolausmarkt werden beibehalten. Darüber hinaus denken wir über neue Veranstaltungsformen, wie beispielsweise über einen Abendmarkt, nach. Wir sprechen derzeit mit der Nato über ein Großevent in der Innenstadt anlässlich des 35-jährigen Bestehens des Awacs-Verbandes, das der Verband am 1. und 2. Juli feiert.

Apropos Verwaltung: Vor einem Jahr sprachen Sie davon, dass gute Laune im Rathaus eingetreten sein soll. Das mag bei einem Teil der Mitarbeiter der Fall sein. Man spricht aber auch von Anarchie im Rathaus.

Schmitz: Das ist Quatsch, da wird irgendwie Unruhe geschürt: Bei uns in der Verwaltung ist die gute Laune geblieben, auch wenn mal Einzelne kurzzeitig schlecht gelaunt sind. Wir arbeiten auf einer freundschaftlichen Ebene zusammen. Nicht jeder muss meiner Meinung sein, und ich lasse mich auch gerne durch Argumente überzeugen. Wir arbeiten gut im Team zusammen, aber in letzter Instanz wird das getan, was ich sage.

Politik ist manchmal ein hartes Geschäft. Im Laufe des Jahres haben auch Sie viel Kritik einstecken müssen. So viel, wie wahrscheinlich in Ihrem ganzen Leben bisher nicht. Wie werden Sie mit dieser Kritik fertig?

Schmitz: Ich habe damit gerechnet, dass Kritik kommt, weil ich von den anderen Bürgermeistern erfahren habe, wie mit ihnen umgegangen wurde. Ich muss mich mit der Denkweise von Politikern auseinandersetzen. Aber es kommt mir so vor, dass sich das Wirken verschiedener Ratsvertreter nicht immer in konstruktiven Vorschlägen misst, um unsere Stadt nach vorne zu bringen. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass es diesen Politikern darum geht, die Verwaltung und den Bürgermeister zu diskreditieren. Das beobachte ich seit Jahrzehnten auch in anderen Kommunen. Mir kommt manchmal die Menschlichkeit zu kurz. Aber bellende Hunde haben mich mein ganzes Leben begleitet

Haben Sie auch Zuspruch erfahren?

Schmitz: Die Bürger sagen: Lass Dich nicht unterkriegen. Diesen Satz höre ich jeden Tag. Auf der Straße bekomme ich fast nur Zuspruch, viele Menschen schimpfen über die Politik.

CDU und SPD haben eine enge Zusammenarbeit beschlossen, um für eine stabile Mehrheit im Rat zu sorgen. Erleichtert das künftig Ihre Arbeit? Werden Sie sich verstärkt mit dem Bündnis absprechen?

Schmitz: Ich bin als unabhängiger Kandidat angetreten und bin unabhängig geblieben. Ich werde nie in eine Partei eintreten und werde meine Zustimmung für Vorschläge und Projekte immer davon abhängig machen, ob die Sache gut für den Bürger ist oder nicht. Ich würde total unglaubwürdig, wenn ich mich jetzt auf die Seite einer Partei schlage.

Was würden Sie als ihren größten Erfolg in diesem Jahr bezeichnen?

Schmitz: Dass wir zurzeit dabei sind, große Projekte auf den Weg zu bringen, die ab dem nächsten und übernächsten Jahr ihre Auswirkungen zeigen. Nach fünf Jahren wird Bilanz gezogen und über Erfolg und Misserfolg eines Bürgermeisters entschieden. Wenn die Dinge, die ich mit meinem Verwaltungsteam in 2016 und 2017 auf den Weg bringe, in den kommenden Jahren sichtbar werden, brauche ich mir um die Zukunft der Stadt Geilenkirchen keine Sorgen zu machen.

Ihre persönlichen Pläne und Wünsche für das neue Jahr?

Schmitz: Meine Arbeit ist zielorientiert. Ich möchte in meiner Amtszeit viel erreichen. Wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, und ich gesundheitlich auf der Höhe bleibe, habe ich Lust auf eine zweite Amtszeit.

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