Genehmigt: Ausdrucksstarke Graffiti im Tunnel im Wurmauenpark

Von: Georg Schmitz
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Bunte Spray-Kulturen - vorn re
Bunte Spray-Kulturen - vorn rechts malt gerade Eugen - leuchten von den Wänden des Durchgangstunnels am Wurmauenpark. Eine legale Aktion, zu der seitens der Stadt Geilenkirchen eingeladen worden war. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Das war manchem Spaziergänger nicht geheuer. Einige Passanten griffen am Samstag zum Telefon und informierten die Polizei über die Graffiti-Sprayer im Tunneldurchgang des Wurmauenparks. Aber es ging hier nicht um wilde Schmierereien, sondern mit Wissen der Behörden um eine farbliche Attraktivierung des Areals auf erlaubten und zugewiesenen Flächen.

Dass Graffiti nicht nur aus dem negativen Blickwinkel heraus betrachtet werden sollten, sondern auch künstlerische Seite offenbart, bewiesen die jungen Menschen bei der gewünschten Sprühaktion im „Untergrund”.

Ein Dutzend Sprayer war in der bis dahin tristen Unterführung zugange, und es ging im Wortsinn recht bunt zu. Noch am selben Abend konnten sich Radfahrer und Spaziergänger der schönen Kunstwerke erfreuen. Solch legale Graffiti-Aktionen haben schon Tradition in Geilenkirchen, denn seit Jahren räumt die Stadt den Sprühern mit einer Wand im Wurmauenpark und mehreren „Graffiti in the City”-Projekten die Möglichkeit ein, ihrer „sprühenden Beschäftigung” nachzugehen.

Nebenbei bieten die vom Stadtjugendring Geilenkirchen unterstützten Aktionen den jungen Sprayern ein Forum, sich der Öffentlichkeit vorzustellen. „Weil die bestehende Graffitiwand im Park zu klein wurde, um allen einen Platz zum Malen zu gewährleisten, musste eine weitere Fläche her”, nennt Markus Kaumanns den Grund für die Tunnelarbeiten. Er ist Geschäftsführer des Stadtjugendrings und für das Jugendamt in der mobilen Jugendarbeit tätig.

Markus Kaumanns hat die Aktion auf dem Marktplatz begleitet, auf dem im vergangenen Jahr ein Wohnmobil bemalt werden durfte. „Wir verstehen Graffiti als Kunst, die auch ein gewisses Maß an Können des Künstlers impliziert”, hatte sich schon der Vorsitzende des Stadtjugendrings, Klaus Striebinger, einst hinter die „sprühende Jugend” gestellt.

Ihr Können stellten auch die jungen Sprüher im Tunnel unter Beweis. Zuerst musste allerdings eine Grundierung her. Jungs wie auch Mädels schnappten sich die Rolle und sorgten für ein stabiles Weiß auf den Betonwänden. Wobei es Ausnahmen gibt, wie bei Eugen (19), der sich lieber auf „natürlichem” Grund mit der Sprühdose an die Arbeit macht. Für den Laien sind anfangs nur undefinierbare Striche zu sehen, für Eugen sind es Hilfslinien, auf denen er aufbauen kann.

Das Interesse für Sprühmotive reifte in dem jungen Mann vor zehn Jahren. Eugen, der die Anzahl der gebrauchten Farbdosen gar nicht erst zählt, hat einen Gastsprayer aus Aachen nach Geilenkirchen eingeladen und der ist in der Szene eine Berühmtheit. „KEF!” ist der Künstlername des 23-Jährigen, und dieses Symbol, sein „Tag”, ist nicht nur im Raum Aachen ein Begriff, sondern auch in Amsterdam und der Schweiz. Hier hat KEF! schon Werke abgeliefert, und in den nächsten Wochen geht es weiter nach Berlin und London. „Dort werden zur Zeit Wände für meine abstrakten Graffiti gesucht”, erzählt der Aachener und freut sich auf diese Aufträge.

Pascal (18) hat schon bei „Graffiti in the city” im Heyergässchen gemalt, und auch bei der Wohnwagenaktion war er mit von der Partie. Sein heutiges Werk ist bereits erkennbar, es ist das Strafgesetzbuch, kurz StGB, das er im Eingangsbereich auf der Wand verewigt.

Am anderen Tunnelende hilft Nina (16) beim Grundieren, Julia (16) malt ein Herz in Pink auf die Wand, der 17-jährige Dima hilft ihr dabei. Das Herz scheint den anderen Sprühern nicht besonders zu gefallen, denn es wird ganz schnell wieder übermalt.

Dominik, Markus, Kevin, Chris und Nosa sprühen ebenfalls, was das Zeug herhält, und langsam nehmen die Kunstwerke Form an. Offensichtlich helfen sich die jungen Künstler gegenseitig, denn sie tauschen Farben aus, wenn ein anderer sie benötigt, aber: „Sprayer haben ein ganz spezielles Verhältnis zueinander, entweder sie mögen sich oder sie hassen sich”, betont Eugen. „Meine Werke entstehen ganz spontan im Kopf”, erzählt KEF! und setzt seine Spraydose erneut an.
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