Gemeinschaftskonzert: Zarte Klänge voller Gefühl

Von: Johannes Gottwald
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Erhielten stürmischen Applaus
Erhielten stürmischen Applaus: die Nachwuchskünstler, die beim gemeinsamen Konzert ihr Können zeigten. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Das bischöfliche Gymnasium St. Ursula und die Musikschule Geilenkirchen liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt. Das geflügelte Wort von den „zwei Nachbarn, die sich nicht besuchen” trifft jedoch keinesfalls zu.

Im Gegenteil: Beide Schulen pflegen im musischen Bereich eine enge Kooperation, was auch beim Gemeinschaftskonzert in der Aula des Gymnasiums nachdrücklich unterstrichen wurde.

Das Konzert gehörte zum Rahmenprogramm der Musikwoche, die von der Musikschule Geilenkirchen veranstaltet wird. Nicht zuletzt deshalb kamen vor allem die Instrumental- und Ensemblegruppen der beiden Bildungsinstitute zum Einsatz. Den Anfang machte das „Streicherprojekt I” unter der Leitung von Thomas Kamphausen, das sich aus Schülern beider Schulen zusammensetzt.

Zunächst erklangen mit „Open Strings” und „Gemeine Mücken” zwei leichte Übungsstücke, während „Hot strings” von Gabriel Koeppen bereits höhere Anforderungen stellte und mit moderner Rhythmik bestach - eine durchaus beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die Orchestermitglieder erst seit einem Jahr Unterricht haben, und die sichere Beherrschung von Streichinstrumenten ein gutes Gehör voraussetzt. Einen hübschen Farbtupfer setzte die junge Sopranistin Margaux Marggraf mit „Colours of the wind” aus der Filmmusik zu „Pocahontas”, wobei sie von ihrer Lehrerin Olga Kreimer am Klavier und von Senta Kreimer mit der Solovioline dezent begleitet wurde.

Mit vier weiteren Spielstücken folgten die „Jungen Streicher”. „I wont” von Sarah Stiles entfaltete sich über monotonen Quintbässen, während „Spy movie” dramatische Züge trug. Die „Burleske” von Leopold Mozart bildete einen kurzen Abstecher in die Frühklassik, dagegen gehörten die „Star Seeker Variations” von Sheila Nelson stilistisch eher zur leichten Muse. Romantisch wurde es beim Wiegenlied von Johannes Brahms: Charlotte von Wrede (Querflöte) und Ramjiga Ramanathan (Geige) gelang mit Ina Zdriliuk am Klavier eine delikate Wiedergabe von „Guten Abend, gute Nacht”.

Dann wurde es Zeit für die beiden Gitarren-Ensembles unter Leitung von Wil Cremers. Das Ensemble I musizierte „Here comes the sun” von George Harrison, danach bekam man Unterstützung vom Ensemble II. Mit viel Schwung zog nun mit dem „Volkslieder-Medley” ein bunter Strauß bekannter Lieder vorbei: „Mein Vater war ein Wandersmann”, „Horch, was kommt von draußen rein”, die „Vogelhochzeit” und andere Weisen waren gut herauszuhören. Das nachfolgende „Guantanamara” stammt aus Lateinamerika, ist aber hierzulande zum „Ohrwurm” geworden.

Mit fünf kurzen, sehr kontrastierenden Stücken konnte das Junior-Orchester aufwarten. Auf das „Apuski Dusky” von Sheila Nelson folgte der Bärentanz des ungarischen Komponisten Lajos Acs. Hier führten Bässe und Celli die Melodie, während die Streicher in hoher Lage die dudelsackartige Begleitung übernahmen. Tatsächlich konnte man sich beim Hören die tapsigen Schritte eines Tanzbären vorstellen.

Barocken Glanz vermittelten „Fiesta” von Sheila Nelson und der Marsch aus der Oper „Scipio” von Händel, während „Take it easy” von Jens Piezunka in scharfem Gegensatz dazu eindeutig zur modernen Schlagerwelt tendierte. Bei dieser Gelegenheit wurde deutlich, wie sehr sich heute E-und U-Musik auseinanderentwickelt haben - zu Händels Zeiten vor 300 Jahren war dies noch nicht der Fall.

Vor der Pause wurden schließlich die „Jungen Streicher”, das „Streicherprojekt” - sowie das Mittelstufen-Orchester (aus den Klassen 7-9) auf die Bühne gebeten. Mit dem Junior-Orchester bildeten sie einen imposanten, rund 70-köpfigen Klangkörper. Thomas Kamphausen dirigierte das feierliche „Rondeau” aus der Oper „Abdelazar” von Henry Purcell. Auch für diese Darbietung gab es großen, hochverdienten Beifall.

Der zweite Teil des Konzertes setzte sich aus anspruchsvolleren Stücken zusammen. Das Cello-Ensemble unter Leitung von Miljana Mandaric hatte den Eingangschor aus der Bach-Kantate Nr. 131 „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir” ausgewählt. Die tiefe Lage des Violoncello, dessen Klang der menschlichen Stimme besonders nahe kommt, passte vorzüglich zum tiefen Ernst dieses Stückes. Sehr verhalten, aber lichter und romantischer gab sich die Serenade für vier Celli von Georg Goltermann, vorgetragen von Marco Grunert, Friederike Heesen, Ina Lurweg und Sophia Ossig.

Umso heiterer und leichtfüßiger kam das sehr bekannte Menuett von Luigi Boccherini daher, von Miriam Hesse und Verena Peters glänzend und klangvoll vierhändig auf dem Klavier präsentiert. Anschließend fand sich ein Kammermusikensemble auf dem Podium ein: Marei von Fürstenberg (Klarinette), Julia Beemelmanns, Freya Wolff, Christa Rein, Kasia Gasztecka (Violine), Theresa Hilgers, Max Schütze (Bratsche), Fabian Alieff (Kontrabaß), Wil Cremers (Gitarre) und Thomas Kamphausen (Klavier) ließen mit „Nigun”, „Nanis Walzer” und „Harrys Freilach” drei brilliante Traditionals erklingen.

Von zarten und gefühlstiefen Klängen wurde das Konzert für Gitarre, zwei Violinen und Basso Continuo von Antonio Vivaldi durchweht. Hier glänzten Hannah Dreisen und Benedikt Scholtes mit schönen Soli, den Gitarrenpart übernehmen Anne Heesen und Wil Cremers, für die Begleitung sorgte das Orchester der Mittelstufe. Ebenso überzeugte auch der Bachchoral „Jesus bleibet meine Freude” aus der Kantate Nr. 147 durch harmonische Geschlossenheit.

Den stürmisch beklatschten Schlusspunkt unter ein ausgedehntes, aber sehr unterhaltsames Konzert setzten Gitarrenensemble I und II sowie erneut das Orchester Mittelstufe mit dem Traditional „El Condor Pasa”.
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