Gemeinschaftshauptschule: Tausende Namen gegen Schließung

Von: Wilfried Rhein
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Hauptschüler demonstrieren während der Sitzung des Stadtrates am 29. November gegen die – dann doch durchgesetzte – Schließung ihres Lernplatzes in Boscheln. Schüler Marc Hantel (4.v.l.) strebt jetzt ein Bürgerbegehren an, für das er 2500 Unterschriften benötigt. Foto: Frank Hermanns

Übach-Palenberg. Marc Hantel freut sich auf Montag, wenn die Schule wieder beginnt. Dann kann er auf breiter Front weitermachen mit dem, was er sich kühn ausmalt: die Schule zu retten – seine Hauptschule in Boscheln.

Wie es um diesen Lernort bestellt ist, wurde mehrfach beschrieben: Die Anmeldezahlen reichen nicht aus, am Standort Friedensstraße die nötigen zwei Eingangsklassen für das kommende Schuljahr zu bilden. Der Tatsache hatte sich auch der Stadtrat in jüngster Sitzung gebeugt und mehrheitlich das „Auslaufen“ der Hauptschule beschlossen. Währenddessen demonstrierten draußen, vor dem Rathaus, rund 60 Hauptschüler mit Plakaten und Sprechchören für den Bestand ihres Lernplatzes.

Um in letzter Konsequenz noch Einfluss auf das Verhalten der Anmeldenden, sprich Elternwille, zu nehmen. greift Marc Hantel zu einem basisdemokratischen Mittel. Er versucht mit Hilfe seiner Mitschüler/innen 2500 Unterschriften für ein „Bürgerbegehren“ zu sammeln. „Rund 400 Unterschriften haben wir schon“, sagt der 17-jährige Schüler der 9a, denn schon Mitte Dezember hat Marc Hantel diese Aktion gestartet.

Hilfe dazu hat er sich beim unabhängigen Verein „Mehr Demokratie“ geholt. Diese Gruppe berichtet regelmäßig im Internet über Bürgerbegehren und -entscheide und deren Verlauf. Der Schüler aus Frelenberg hat mehrere hundert Unterschriftenlisten erstellt, die überschrieben sind: „Bürgerbegehren Erhalt der Gemeinschaftshauptschule Übach-Palenberg gemäß §26 der Gemeindeordnung, §23 Kreisordnung NRW – gegen die Schließung der Gemeinschaftshauptschule Übach-Palenberg.“

Alle 16 Jahre alten und damit wahlberechtigten Bürger einer Kommune, klärt der 17-Jährige auf, können in einem Bürgerentscheid nach den Grundsätzen der freien, gleichen und geheimen Wahl über eine zur Abstimmung gestellte Sachfrage entscheiden.

Die Übach-Palenberger Stadtverwaltung habe in der Ratssitzung davon gesprochen, dass die Schließung der Boschelner Hauptschule dem demografischen Wandel geschuldet sei, reflektiert Marc Hantel. Es seien immer weniger Kinder in der Grundschulen angemeldet worden; immer weniger Eltern davon würden ihre Sprösslinge an der Hauptschule anmelden.

Der Frelenberger Schüler bedauert eine solche Entwicklung, zumal „seine“ Hauptschule mit großer Anerkennung arbeite. So zitiert er Schulleiter Johannes Nellißen: „Unsere Schulabgänger haben bei der Abschlussprüfung im landesweiten Vergleich in Deutsch, Englisch und Mathematik im zweistelligen Prozentsatz über dem Landesdurchschnitt abgeschnitten. Das haben wir der guten Arbeit unseres Kollegiums zu verdanken.“

Der 17-Jährige, der zudem als ehrenamtlicher Betreuer in der Jugendarbeit der evangelischen Kirche seiner Heimatstadt arbeitet, appelliert: „Die Hauptschülerinnen und Hauptschüler sind die Leidtragenden dieser Schulschließung: Für die ,vergessenen Kinder‘ interessieren sich immer weniger Politiker und Kultusbürokraten.“

Marc Hantel begründet sein Engagement auch damit: „Die Gemeinschaftshauptschule Übach-Palenberg ist seit 1930 für die Unterrichtung von Schülerinnen und Schülern zuständig. Als einzige Hauptschule Übach-Palenbergs kommen Schüler aus verschiedenen Grundschulen und Lernständen in die 5. Jahrgangsstufe der Schule. Neben deutschen Kindern besuchen Kinder aus der Türkei, dem arabischen Sprachraum und aus Osteuropa die Schule. Diese Kinder aus Migrantenfamilien werden seit Jahren hier unterrichtet und durch ein intensives Deutsch-Förderprogramm innerhalb kürzester Zeit befähigt, mündlich und schriftlich zu kommunizieren.“

Der Weiterbetrieb der Gemeinschaftshauptschule Übach-Palenberg verursache keine zusätzlichen Kosten, da dieser im Haushalt bereits vorgesehen sei, so Marc Hantel. So viel Bestands-Euphorie muss die Stadtverwaltung allerdings dämpfen. Erster Beigeordneter Helmut Mainz: „Hier werden die nötigen Anmeldezahlen nicht erfüllt. Und dann zählen die Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landeswille. Der Betrieb der Schule ist schließlich auch eine Frage der Versorgung mit Lehrern.“ Die Stadt selbst, so der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, trage an dieser Entwicklung keine Schuld.

Dass ein Schüler ein solches demokratisches Engagement Richtung Bürgerbegehren entwickelt, respektiert Helmut Mainz sehr hoch. „Aber nach Lage der Fakten“, so der Beigeordnete, „sollten wir keine falschen Hoffnungen wecken. Sonst wären wir nicht seriös.“ Als realistisch sieht der 17-jährige Hauptschüler die Zahl 2500, die er mit den Unterschriftenlisten mindestens erreichen möchte. „Ich glaube“, sagt Marc Hantel, „in zwei oder drei Wochen können wir das Paket beim Bürgermeister auf den Tisch legen.“

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