Gemeinsames Modell mit Wasserwerk: Enwor nicht interessiert

Von: Jan Mönch
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Enwor verkauft nicht nur Wasser, sondern auch Strom und Gas. Hieraus könnten sich weitere interessante Optionen für die gemeinsam mit der Stadt Übach-Palenberg zu gründenden Stadtwerke ergeben. Oder aber, je nach Sichtweise, eine Schwächung der übrigen Kommunen im Kreis Heinsberg. Foto: Jan Mönch
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Hält nichts vom Vorschlag des Landrats: Reinhold Hüls, technischer Geschäftsführer bei Enwor. Foto: Enwor

Übach-Palenberg. Wieviel Zündstoff die Frage nach der Übach-Palenberger Wasserversorgung birgt, wird vielleicht auch dadurch verdeutlicht, dass das Thema selbst über die Feiertage nicht ganz zur Ruhe kommt. Zwar hat sich an den reinen Fakten – die Vergabe der Konzessionen an Enwor liegt durch eine einstweilige Verfügung auf Eis, die Stadt wird dagegen in Berufung gehen – nichts geändert.

Doch auch abseits der juristischen Schiene bleibt die Vergabe Thema, Landrat Stephan Pusch räumte ihr nun auch bei seinem Jahresrückblick vor dem Kreistag breiteren Raum ein – und bot der Stadt an, „erneut und unvoreingenommen“ über eine Zusammenarbeit mit dem Kreiswasserwerk zu verhandeln.

„Immer noch ein satter Betrag“

Dabei brachte Pusch auch eine Variante ins Spiel, die bisher zumindest öffentlich noch nicht diskutiert worden ist: Die Stadt gründet die Stadtwerke doch noch gemeinsam mit dem Kreiswasserwerk, das notwendige Wasser wird dann aber bei Enwor eingekauft. Diese Variante habe in der Vergangenheit hinter den Kulissen schon eine Rolle gespielt, so Pusch: „So hätten die Bürger in Übach-Palenberg ihr gewohntes Wasser behalten, und für die Stadt wäre immer noch ein satter Betrag für die Stadtkasse übrig geblieben.“ Er sei bereit, über dieses und weitere Modelle erneut zu verhandeln.

Geschäftsführer lehnt ab

Von der Stadt war hierzu über die Feiertage keine Stellungnahme zu erhalten. Reinhold Hüls, technischer Geschäftsführer bei Enwor, erteilt der Idee jedoch eine recht klare Absage. „Uns gehört das Leitungsnetz. Das müssten wir dann verkaufen, obwohl wir weiter das Wasser liefern. Warum sollten wir das tun?“ Zwar gehe sein Haus angesichts des anstehenden Berufungsverfahrens ein gewisses Risiko ein, am Ende ganz leer auszugehen, denn je nach Urteil müssten die Konzessionen auf ein Neues ausgeschrieben werden. Dies sei aber eben Teil des Wettbewerbs.

Landrat Pusch machte bei seinem Jahresrückblick auch deutlich, was die Übach-Palenberger Stadtwerke für die fernere Zukunft für den Kreis Heinsberg und seine Kommunen bedeuten könnten. Das Wasser wird schon seit vielen Jahrzehnten von Enwor beziehungsweise den Vorgängergesellschaften geliefert, hier würde dem Kreis und seinen Wasserwerken also – die unselige Vorgeschichte mal ausgeklammert – nichts weggenommen.

Jedoch, so Pusch, planten Enwor und Übach-Palenberg „leise und klammheimlich“ auch, die Versorgung mit Strom und Gas zu übernehmen. Und dies betreffe indirekt den gesamten Kreis Heinsberg. So würde etwa der ÖPNV, dessen „unvermeidbares“ Defizit durch die Kommunalholding der NEW ausgeglichen werde, geschwächt. Übach-Palenberg betreibe „Gewinnmaximierung zu Lasten aller. Das sollte alle Städte und Gemeinden, Räte, Kommunalpolitiker und auch Bürger im gesamten Kreis Heinsberg aufhorchen lassen.“ Die Solidargemeinschaft stehe auf dem Spiel.

Die Stadt Übach-Palenberg ist natürlich Teil derselben, nicht aber die Enwor GmbH, die maßgeblich in der Städteregion Aachen verwurzelt ist. In der Herzogenrather Firmenzentrale ist man über den Landrat mittlerweile ohnehin reichlich verärgert, wie Geschäftsführer Reinhold Hüls deutlich macht.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass erst die angebliche Gefahr eines möglichen Atomunfalls in Tihange für das von Enwor gelieferte Oberflächenwasser ins Feld geführt werde, nur um dann wenig später vorzuschlagen, dass Enwor eben dieses Wasser für ein gemeinsames Modell mit dem Kreiswasserwerk liefern soll. „Im Übrigen ist es üblich, dass die Versorger bei Fragen des Katastrophenschutzes eingebunden werden“, sagt Hüls. „In der Städteregion sind wir auch in den Arbeitskreisen vertreten. Vom Kreis Heinsberg ist aber nie jemand an uns herangetreten.“

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