Gemeinde Gangelt: Unverwechselbar und originell

Von: Markus Bienwald
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Radwandern kann man in Gangelt ganz gut: ein möglicher Punkt bei einer Bewerbung für die „Cittaslow“-Idee. Foto: Markus Bienwald
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Das „Gängelder Bejer“, das in Gangelt selbst gebraute Bier, ist nicht nur ein regionales Produkt, sondern auch ein kleines Stück Unverwechselbarkeit. Foto: Markus Bienwald

Gangelt. „Nachhaltigkeit“: Das ist ein Schlagwort, das nicht nur kommenden Generationen bei ihrem selbstbestimmten Leben in der Zukunft helfen soll. Dazu beitragen könnte bald auch die Mitgliedschaft der Gemeinde Gangelt im Netzwerk „Cittaslow“.

Der Haupt- und Finanzausschuss beriet darüber nun im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. „Cittaslow“ ist keine Marke für Großstädte, für typische Touristenmagneten oder längst ausgelatschte vermeintliche Geheimtipps. Vielmehr geht es in der vom Begriff „Slow City“ abgeleiteten Bewegung, die Ende der 1990er Jahre in Italien ihren Ursprung fand, darum, kleinere Orte zu suchen. Die sollten ihre lokale Identität, Unverwechselbarkeit und Originalität bewahrt haben.

„Anderen Kommunen hat es eine neue Identität gegeben“, warb Bürgermeister Bernhard Tholen für die Umsetzung des Gedankens auch in der Kommune im Westzipfel. Dazu könnte die Gemeinde ressourcenschonende Politik umsetzen, legte er nach, um auch nach außen eine hohe Lebensqualität vor Ort zu demonstrieren. In Gangelt gelinge dies nicht nur mit traditionsreichen Festen, Naturschutz und Naherholung wie beispielsweise dem Radwegenetz, sondern auch mit attraktiven Veranstaltungen für viele Menschen.

Einfach so Mitglied werden kann die Kommune allerdings nicht, das Ausfüllen eines Antrags reicht nicht aus. Denn auf die notwendige Selbstbewertung Gangelts in einem 800 Fragen umfassenden Katalog folgt ein Besuch einer Delegation, die sich vor Ort nicht nur umschaut. „Die sprechen auch mit den Menschen und schauen sich alles an“, umschrieb Tholen das Prozedere. Die nicht weit entfernte Gemeente Echt-Susteren in den Niederlanden hat schon teilgenommen und wurde für würdig gefunden, das Label „Cittaslow“ zu tragen. Dazu darf eine Kommune nicht mehr als 50.000 Einwohner zählen, muss eine nachhaltige Politik vorweisen, Gastfreundschaft leben, Kultur und Traditionen schätzen, eine typische Kulturlandschaft haben, regionaltypische Produkte bieten und die eigene regionale Identität fördern.

Der Bürgermeister konnte sich vorstellen, dass Gangelt hier einige Häkchen setzen könnte, um bei einer möglichen Bewerbung erfolgreich zu sein. „Wenn man sich solche Ziele selber setzt, ist das ein Zeichen dafür, dass man etwas für die Welt tun will“, unterstrich Tholen seine Werbung bei den Ausschussmitgliedern. Die zeigten sich wie Roger Schröder von der UB-Fraktion teils sehr skeptisch. „Ist das nur ein orangefarbenes Logo?“, fragte er. Und er zweifelte an der gewünschten positiven Wirkung angesichts von aktuell nur 13 zertifizierten Kommunen in ganz Deutschland. „Das ist ja gerade der Vorteil: dieses Alleinstellungsmerkmal“, konterte Bernhard Tholen.

Skeptische Töne schlugen auch SPD und CDU an. „Ich halte es aber dennoch für sinnvoll, etwas zu machen“, meinte Karl-Heinz Milthaler (CDU). Zumal, so führte er weiter aus, die Gemeinde Gangelt über den Zweckverband Selfkant Mitglied werden und darüber auch den fälligen Beitrag von rund 5000 Euro zahlen würde. Interesse an einer Mitgliedschaft im Bund der „langsamen Kommunen“ haben übrigens auch die Nachbargemeinden Selfkant und Waldfeucht angekündigt. Und eine langfristige Bindung wird damit nicht gleich vertraglich besiegelt, wie der Bürgermeister abschließend sagte. „Zum einen sind die nicht verpflichtet, uns aufzunehmen, andererseits ist das aber ein lockerer Verbund ohne zwingende Mitgliedschaft“, sagte er. Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurde der Beschlussvorschlag, sich um eine Mitgliedschaft zu bewerben, schließlich angenommen.

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