Geld für die „Engel” der Bildung

Von: Ronja Schwabe
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Bei Markus Jünger (l., StAnTe
Bei Markus Jünger (l., StAnTec) und Stefan Frohn-Köhler (r., StAnTech) bedanken sich Kamiran Yilmaz (Schüler), Ingrid Stercken, Agata Wardacka (Aachener Engel), Nathan Efu-Thoy (Schüler) und Martin Lücker für die 2500 Euro zur Unterstützung der Arbeit. Foto: Andreas Steindl

Übach-Palenberg/Aachen. „Engeltutor” kann jeder werden, der Kindern und Jugendlichen helfen möchte, sich kostenlos zu bilden. Unter dem Motto „Bildung null Euro” bietet das Projekt denjenigen Nachhilfe, die sich diese normalerweise nicht leisten könnten.

Der kreative Kopf hinter der ganzen Geschichte: Martin Lücker. Der bekam nun auch Unterstützung von StAnTec, einem Übach-Palenberger Unternehmen für Steuerungs- und Antriebstechnik.

Im Jahr 2005 gründete er die Aachener Engel e.V. Ein Verein, der primär an Krebs erkrankte Menschen und deren Familie unterstützt. Aber auch unverschuldet in Not geratene Menschen bekommen hier Hilfe.

Martin Lücker hatte während der Betreuung der bis heute rund 800 Familien festgestellt, dass viele Kinder durch die Erkrankung eines Elternteils vernachlässigt wurden. Daraufhin begann präventive Jugendarbeit, die unter anderem Freizeitprogramme für die Kinder anbot. Das reichte nicht. Er wandte sich an die RWTH Aachen. Eine Studie zeigte, dass sich eine Menge Jugendliche Nachhilfe in Schulfächern wünschen, sich diese aber nicht leisten können.

Das Projekt „Engeltutor” startete. Die Nachfrage war groß - zu groß. Die Räume reichten nicht. Eine Zeit lang wichen die freiwilligen Helfer auf Pfarrheime oder Bibliotheken aus. Teilweise trafen sie sich bei den Schülern. Aber recht bald stand fest: Ein Umzug musste her. Seit wenigen Monaten haben die Aachener Engel ihre Räume in der Borngasse 43.

In den neuen Räumen haben Schüler und Tutoren Ruhe zum Lernen. Hier gibt es keine nervenden Geschwister oder gestressten Eltern, sondern die Möglichkeit, sich ungestört zu konzentrieren. Einzige Voraussetzung: Der Lernwunsch muss da sein. „Wir wollen hier niemanden zum Lernen zwingen, sondern die unterstützen, die sich wirklich bilden wollen”, erklärt Martin Lücker. „Wenn wir merken, dass die Schüler desinteressiert sind, wird gegebenenfalls auch abgebrochen.” Das Projekt dient der Wissensvermittlung und soll keine erzieherische Instanz darstellen.

Die Anmeldung der Schüler erfolgt über die Website www.tutorengel.de. Daraufhin wird ein persönliches Gespräch gesucht. Bei Minderjährigen müssen die Eltern anwesend sein. Dabei soll neben den vorhandenen Defiziten auch geklärt werden, ob eine soziale Notwendigkeit überhaupt gegeben ist. Bei Zweifeln wird auch schon einmal genauer geprüft, ob die Familien Nachhilfe nicht selbst finanzieren können.

Nachhilfe-Lehrer können Oberstufenschüler, Studenten und sonstige Erwachsene sein. Getestet werden sie vorher nicht. Die Freiwilligen merken bei ihrer Arbeit als Tutor selbst schnell, wo ihre Stärken liegen. Außerdem werden die Lernteams gezielt zusammengesetzt. „Ein Oberstufenschüler wird einen Elftklässer kaum in dem Stoff unterrichten, an dem er selbst noch zu knabbern hat”, sagt der Mentor. Die kleinen Defizite, die bei diesen ehrenamtlichen Nachhilfelehrern vielleicht vorhanden seien, werden aber durch die starke individuelle Betreuung ausgeglichen. Das Verhältnis zu den Jugendlichen ist freundschaftlich, Zeit, um Probleme zu besprechen, gibt es immer.

Spenden für Lernbasis

Die Arbeit der „Engeltutoren” lebt natürlich von Spenden, wie zum Beispiel jetzt denen der Sparkasse, von Devolo oder StAnTec Systems. Oft mangelt es den Schülern auch an alltäglichen Dingen, wie einem Geodreieck oder einem Zirkel. Auch so etwas wird finanziert, um den Kindern eine optimale Lernbasis zu bieten. Ziel ist es, die Ausstattung der Lernräume auf Schulniveau zu bringen.

Bislang ist Martin Lücker begeistert vom Verlauf des Projekts: „Alle unsere Schüler sind mit sehr großer Lernmotivation und Bereitschaft dabei.” Er sagt aber ausdrücklich, dass dieses Projekt zwar ein sehr wichtiger, aber kleinerer Teil der Arbeit des Vereins ist. Denn er ist sich treu geblieben: Kern ist und bleibt die Unterstützung der Krebspatienten oder ansonsten hilfsbedürftigen Menschen.
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