Geilenkirchen - Geister, Hexen und Trolle: Hier ist ihr Zuhause

Geister, Hexen und Trolle: Hier ist ihr Zuhause

Von: Johannes Gottwald
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Die große Buche mit Wurzelsto
Die große Buche mit Wurzelstock steht zwischen Süggerarth und Tripsrath. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Bäume haben seit jeher auf die Menschen eine besondere Anziehungskraft ausgeübt und ihre Phantasie beflügelt. Ihr Blätterdach bietet Schatten und Regenschutz, ihre lange Lebensdauer steht für die Begriffe Treue und Beständigkeit.

So ist es kein Zufall, dass in der griechischen Mythologie das Ehepaar Philemon und Baucis zum Lohn für jahrzehntelange Treue am Ende ihres Lebens von Zeus in eine Eiche und eine Linde verwandelt wird. Bei den Germanen galten manche Baumarten als heilig - bekanntlich musste Bonifatius, der „Apostel Deutschlands”, als Missionsbischof die Donar-Eiche bei Geismar fällen, um die Hessen davon zu überzeugen, dass ihre Gottheiten Schall und Rauch waren und Jesus Christus der stärkere und wahre Gott sei.

Auch heute noch haben Bäume ihre eigene Faszination, insbesondere wenn sie vereinzelt an markanten Punkten stehen. Im Stadtgebiet von Geilenkirchen trifft man an verschiedenen Stellen auf solche Naturdenkmale, die meist unter besonderem Schutz stehen.

So findet sich in der Martin-Heyden-Straße unweit des Krankenhauses eine hochgewachsene Blutbuche, deren Krone weit auslädt und bis auf die andere Straßenseite reicht. Blutbuchen sind keineswegs neuzeitliche Züchtungen, sondern gehen auf eine natürliche Mutation der Rotbuche zurück. Ihnen fehlt ein Enzym, wodurch die dunkelpurpurne Färbung der Blätter verursacht wird. Daher war die Blutbuche schon im späten Mittelalter bekannt und wurde seit dem 18. Jahrhundert gezielt kultiviert.

Eine weitere mächtige Buche (diesmal mit „normaler” Blattfärbung) steht etwas versteckt in einem kleinen Waldstück unmittelbar an der Böschung der Landstraße Süggerath-Tripsrath. Hier sieht man außer dem dicken Stamm auch noch den teilweise freigelegten Wurzelstock, der skurrile und bizarre Formen aufweist. Bei seinem Anblick ist nachvollziehbar, weshalb Bäume zuweilen unheimlich wirkten und als Aufenthaltsort von bösen Geistern, Hexen und Trollen galten.

Nicht ganz ohne Grund: Bei schweren Gewittern werden hohe und freistehende Bäume nicht selten von Blitzen getroffen. In diesem Zusammenhang sei auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der alte Wetterspruch „Die Buchen sollst du suchen, vor den Eichen sollst du weichen” nicht zutrifft! Niemals sollte man sich bei Blitz und Donner unter einen Baum stellen, es sei denn, man befindet sich mitten im Wald.

Während das Lebensalter der Buche nur selten 250 Jahre überschreitet, können Eichen problemlos 500 bis 800 Jahre alt werden. In Geilenkirchen findet man solche Veteranen freilich nicht, aber die Eichenallee am Schloß Tripsrath wirkt dennoch schon recht ansehnlich. Direkt gegenüber der Einfahrt zum Schloß steht aber auch eine eindrucksvolle Platane, deren Stamm zwar leider schon ausgehöhlt ist, aber am Grunde schon weit über einen Meter Durchmesser aufweist. Die Platane gehört nicht zu den einheimischen Bäumen, sondern stammt aus dem Mittelmeerraum. Die mitteleuropäische Form geht auf die Kreuzung mit der winterharten amerikanischen Platane zurück.

In unserer Gegend sind Platanen aber schon seit über 200 Jahren heimisch: Das älteste Exemplar steht in Herzogenrath neben dem Restaurant „Seehof” und wurde etwa um 1775 gepflanzt.

Die heimischen Nadelbäume wie Fichte und Kiefer haben zumeist eine geringere Lebenserwartung als die Laubbäume. Anders steht es jedoch bei der Eibe, die ein sehr hohes Alter erreichen kann. Zwei altehrwürdige Exemplare stehen unmittelbar neben dem Eingangsportal der Kirche von Teveren. Wegen ihres niedrigen Wuchses fallen sie von der Straße aus kaum auf, erst wenn man die Treppe zur Kirche hinaufgeht, bekommt man die mächtigen Stämme zu Gesicht.

Die stärkere der beiden Eiben hat bereits einen Durchmesser von gut 80 Zentimetern erreicht. Geht man von einem Dickenwachstum von ein Millimeter pro Jahresring aus, kann man das Alter dieses Baumes auf mindestens 400 Jahre veranschlagen - damit sind diese beiden Eiben wohl die ältesten Pflanzen im Geilenkirchener Stadtgebiet. Kein Wunder, dass die Eibe früher ebenfalls als heilig verehrt wurde und als Sinnbild für die Ewigkeit galt - daher wird sie noch heute gerne auf Friedhöfen angepflanzt.

Wer allerdings den ältesten Baum unserer gesamten Region aufsuchen will, muß das Kreisgebiet verlassen und sich Richtung Aachen begeben: Die „Forster Linde” neben der katholischen Grundschule im gleichnamigen Aachener Stadtteil wird auf 800 bis 1000 Jahre geschätzt. Im Mittelalter wurde unter diesem Baum Gericht gehalten, woran noch heute ein nahegelegenes Schöffenhaus und die Flurbezeichnung „Galgenpley” erinnert. Ein Sonntagsausflug zu diesem Baumriesen, dessen Stammumfang mehr als neun Meter beträgt, lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
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