Geist und Botschaft Bob Marleys in der Rockfabrik

Von: Stefan Reiners
Letzte Aktualisierung:
13463063.jpg
Die Rastalocken sind nicht echt. Dafür kam der Gesang dem Vorbild so nahe, dass er zurecht als dessen deutsche Stimme gilt. Foto: Reiners

Übach-Palenberg. Die Luft in der Rockfabrik in Übach Palenberg kochte. Denn zu Gast war Marley's Ghost, eine Tribute-Band für eben diesen „King of Reggae“, den Sohn einer 18-jährigen Jamaikanerin und eines 60-jährigen weißen britischen Offiziers, für Bob Marley und seine Musik.

Die explosive Mischung aus etwas Ska und sehr viel Reggae, dessen Mitbegründer Marley war, versetzte das Publikum auch ohne die der Szene schon fast obligatorisch zugeschriebenen Joints in Verzückung und Ekstase.

Treffender hätte die Band sich wohl Marley’s Spirit genannt, denn um diese Bedeutung vom Geiste Bob Marleys geht es den fünf studierten Musikern eigentlich. Bob Marley war – zunächst christlich erzogen – bekennender Rastafari. Unvergessen der von ihm initiierte, friedensstiftende Händedruck zwischen den Vertretern der vollkommen zerstrittenen jamaikanischen Parteien, der auf dem 1978er „One Love Peace“ Konzert den Anstoß zu Beendigung der bürgerkriegsähnlichen Zustände gab.

Nimmt man aus der Musik die recht häufigen spirituellen Bezüge zur eher unbekannten Rastafari-Religion heraus, so bleibt dennoch ein recht klares Engagement für Liebe und Frieden übrig, das die Musik auch treffend transportiert und das von Marley’s Ghost hervorragend umgesetzt wurde. Man merkte die Spielfreude in jedem Song, jedem Takt, von der ersten bis zur letzten Note des Abends. Bass und Schlagzeug legten einen Groove hin, dem man sich nicht entziehen konnte. Niemand war da, der nicht wenigstens im typischen Reggae-Rhythmus gewippt hätte.

Zwar waren die Rastalocken des Frontmanns nicht echt, sondern Bestandteil der „Dreadbag“, stimmlich kam dieser dem Original aber so nahe, dass er durchaus zu recht schon als dessen „deutsche Stimme“ betitelt wurde. Dazu gab es zwei glänzende Solisten, die die recht simpel gehaltenen, meist nur aus sehr wenigen verschiedenen Akkorden bestehenden Stücke mit ihren akzentuierten Einwürfen vervollkommneten, aber bei Gelegenheit auch richtig Vollgas gaben.

Wann konnte man schon einmal einen Keyboarder beobachten, der bei seinem Solo derart in Rage spielte, dass er tatsächlich auf sein Instrument sprang? Da waren offenbar sogar seine Musikerkollegen erstaunt, aber ebenso begeistert wie das feiernde Publikum.

Im Laufe des Abends wurden alle Hits geboten: „Buffalo Soldier“, „Stir it up“, „Iron, Lion, Zion“, „I shot the sheriff“ und „Could you be loved“. Das ging praktisch in Dauerschleife, unterbrochen nur von einer gelegentlichen Ansage, so dass der Saal eine einzige Tanzparty wurde.

Abgerundet wurde das Ganze schließlich mit der zweiten Zugabe des Abends, dem einen Hit von Bob Marley, den nun wirklich jeder kennt und mitsingen kann. Die Rede ist natürlich von „No woman, no cry“. „No cry“ im Sinne von Geheule oder Weinen, das passte. Aber Geschrei gab es dafür tüchtig in der Rockfabrik. Selten wurde eine Band so lautstark gefeiert, wie Marley’s Ghost am Ende ihres zweistündigen Konzerts.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert