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Geilenkirchens Unternehmer rechnen nicht mit Boom

Von: André Schaefer
Letzte Aktualisierung:
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Georg Pelzer packt auf der Baustelle mit an: Der Maler- und Lackierermeister freut sich bereits über zahlreiche Aufträge für das neue Jahr. Mit mehr Erfolg für seinen Betrieb rechnet er jedoch nicht.

Geilenkirchen. Eigentlich hätte man mit großer Vorfreude in das neue Jahr 2014 starten müssen. Sogar mit einer gehörigen Portion Euphorie. Eigentlich. Zumindest aus wirtschaftlicher Perspektive. Vorausgesetzt, man glaubt den Wirtschaftsexperten des Landes, die gegen Ende des vergangenen Jahres für 2014 ein bundesweites Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent prophezeiten.

Von einem prachtvollen Jahr 2014 sprachen etwa die Wirtschaftsexperten des Münchener Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Die deutsche Konjunktur-Lokomotive werde dampfen, hieß es auch seitens der Bundesregierung.

Nicht alle Firmen der heimischen Wirtschaft wollen auf diesen Zug der Euphorie aufspringen. Stefan Krings ist so einer, der bereits den Finger auf der Notbremse hat. „Für mich persönlich ist das alles ein bisschen Propaganda. Ich kann diesem Wirtschafts-Hype jedenfalls nicht zustimmen“, sagt der Geschäftsführer der Firma „Bau- und Wohndesign Krings“ in Gangelt-Langbroich.

Der 43-Jährige verzeichne schon seit einigen Jahren ein sehr hohes Niveau, 2013 sei bereits ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen. „Das liegt im Wesentlichen an den momentan niedrigen Zinsen. Aber ich glaube nicht, dass wir dieses hohe Niveau nochmals toppen werden. Die Leute kommen ja dieses Jahr nicht einfach mit noch pralleren Geldbeuteln bei uns an“, sagt er.

Ähnlich sieht das auch Georg Pelzer. Der 49-Jährige führt seit 1998 in Birgden den Malerbetrieb Pelzer als Familienbetrieb in zweiter Generation. Sieben Gesellen, zwei Lehrlinge und drei Verkäufer für sein Fachgeschäft zählt der Maler- und Lackierermeister derzeit. Sie alle arbeiten am Limit. „Wir konnten 2013 nicht alle Aufträge annehmen“, verrät er. Generell spüre man seit einiger Zeit die große Bereitschaft der Leute, mehr ins eigene Wohnheim zu investieren. „Ich bin mir sicher, dass wir auch in diesem Jahr sehr zufrieden sein werden, auch, wenn es vielleicht nicht ganz so gut wird wie 2013.“

Schwierige Nachwuchs-Suche

Von einem rasanten Wachstum in diesem Jahr geht Georg Pelzer jedenfalls nicht aus – auch nicht in personeller Hinsicht. Wie viele andere Betriebe bemängelt auch der Malermeister die oft schwierige Suche nach gutem Nachwuchs. „Es ist nicht einfach, gute junge Leute zu finden. Viele unserer Mitarbeiter sind bereits etwas älter“, sagt er.

Robert Kauhl kennt das Problem der Nachwuchssuche wahrscheinlich besser als jeder andere. Der 53-Jährige ist Geschäftsführer der Fliesen Kauhl GmbH in Geilenkirchen – kein leichtes Gewerbe. Denn seit der Handwerksnovellierung im Jahr 2004 ist der Beruf des Fliesenlegers in Deutschland zulassungsfrei. Heißt konkret: Das Handwerk des Fliesenlegers muss nicht mehr erlernt werden, um sich selbstständig machen zu können. „Die Anzahl der Fliesenfachbetriebe hat sich seitdem verfünffacht“, bemängelt Robert Kauhl den enormen Konkurrenzdruck. „Kaum einer möchte in diesem Beruf noch ausgebildet werden.“

Zwei seiner acht Mitarbeiter sind dennoch Azubis. Doch der 53-Jährige geht mit einer schlankeren Anzahl an Angestellten ins neue Jahr. Gegen Ende 2013 musste sich der Betrieb von drei Mitarbeitern trennen. „Wir hatten im Jahr 2013 zwar insgesamt genug Arbeit, waren aber gezwungen, auch schlechte Aufträge anzunehmen. Nachdem wir uns nun neu aufgestellt haben, gehen wir mit großer Zuversicht ins neue Jahr“, sagt Kauhl. Aufträge für das neue Jahr gebe es jedenfalls genug.

Besonders die Zunahme an barrierefreien Wohnungen komme dem Betrieb sehr entgegen, sagt er. An einen deutlichen Wirtschaftsboom glaubt Kauhl allerdings ebenso wenig wie Christian Dortans. Der Inhaber der Firma „Gartenbau Dortans“ ist noch zurückhaltend bei der Prognose für das neue Jahr.

„Wir befinden uns momentan in einer Art Warteschleife, da wir abwarten müssen, ob der harte Winter noch eintrifft oder nicht“, sagt er. Das vergangene Jahr bezeichnet aber auch er als „besser und erfolgreicher“ im Vergleich zu den Vorjahren. „Ich gehe 2014 von einem gleichbleibenden Niveau aus“, sagt er.

Alles also nur leere Versprechungen der Wirtschaftsexperten? Nicht ganz. Deutlich euphorischer startet nämlich Axel Reinhardt ins neue Jahr. Der Vertriebsleiter der „Schuler Wintergarten Systeme“ verzeichnet bereits jetzt eine gestiegene Anzahl an Aufträgen. „2013 war ein gutes Jahr, 2014 wird das Niveau nochmals steigen“, ist er sich sicher.

Kurve zeigt nach oben

Auch Frank Hilgers als Centerleiter des Autohauses Piper in Übach-Palenberg fällt im Vergleich zu den anderen Betrieben ein wenig aus der Reihe – positiv natürlich. „Wir blicken zurück auf zwölf intensive Monate und schauen auf ein noch positiveres Jahr 2014“, meint der Markenverantwortliche des Autohauses, das zur Jacobsgruppe gehört und die Besucher mit Modellen der Marke Skoda lockt. „Während viele Marken Rückgänge verzeichnen, zeigt unsere Kurve deutlich nach oben. Ich sehe in diesem Jahr jedenfalls noch mehr Wachstumspotenzial“, freut sich Hilgers.

Und er klingt fast schon wie ein Politiker, wenn er sagt, dass ihm und seinem Autohaus ein „interessantes Jahr“ bevorstehe. Das dürfte jedenfalls auch für alle Betriebe gelten.

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