Geilenkirchens Schulen auf dem Weg zum digitalen Klassenzimmer

Von: Annika Thee
Letzte Aktualisierung:
15662048.jpg
Die Schüler arbeiten in einem Klassenraum an ihren Tablet-PCs. In der Städtischen Realschule Geilenkirchen wird eine Schulklasse während einer Probephase mit Tablets ausgestattet. Foto: dpa

Geilenkirchen. Die Zeiten, in denen das Handyverbot im Unterricht noch strikt durchgesetzt wurde und man sich das Mobiltelefon nach Ende des Schultags gemeinsam mit einer gehörigen Portion Ärger beim Direktor abholen konnte, sind gezählt – zumindest in den weiterführenden Schulen.

Spezielle Apps fürs Smartphone, mit denen sich im Matheunterricht der Kurvenverlauf einer Funktion blitzschnell überprüfen lässt, oder kurze Recherchen mit Tablets und internetfähigen Handys finden in vielen Schulen in Geilenkirchen bereits regelmäßig Anwendung. Vorzeige-Klassenzimmer sind mit Laptops, Beamern und „Smartboards“ ausgestattet. Andere Schulen sind von einer Umrüstung auf digitale Klassenzimmer noch weit entfernt. Sicher ist: Die Nutzung verschiedener Medien wird als Bestandteil der Unterrichtsgestaltung zunehmend wichtiger.

Ein komplett ausformuliertes Konzept für den Einsatz von Medien liegt bei den meisten Schulen nicht vor. Noch nicht. Denn Bildungsexperten gehen davon aus, dass Schulen in NRW, die zukünftig finanzielle Unterstützung für ihre technische Ausrüstung beantragen wollen, bald ein sogenanntes Mediennutzungskonzept vorlegen müssen.

Großer Aufwand

Für die Schulen bedeutet die Erstellung eines solchen Konezpts viel Arbeit. Uwe Böken, Leiter der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, beklagt den großen Aufwand. „Mir bereitet das Konzept Bauchschmerzen. Schließlich arbeiten wir seit Jahren daran, wie neue Medien möglichst effektiv in den Unterricht eingebracht werden können. Aber wir haben das nie schriftlich festgehalten“, sagt Böken. „Schule und Unterricht entwickeln sich stetig weiter, das Konzept ist dann höchstens eine Momentaufnahme“, fügt er hinzu.

Die Stadt Geilenkirchen versucht, den Schulen so gut es geht bei der Erstellung des Mediennutzungskonzepts zu helfen. Jede Schule im Stadtgebiet soll individuell bestmöglich unterstützt werden, verspricht der Erste Beigeordnete Herbert Brunen. Zum einen werde das Förderprogramm „Gute Schule 2020“ genutzt, um die digitale Infrastruktur an den Schulen auszubauen. „Zum anderen wird für jede Schule geschaut, in welchen Bereichen genau Bedarf an Fachkenntnis und Unterstützung besteht“, sagt Brunen.

Expertise der Stadt nutzen

In der EDV-Abteilung der Stadtverwaltung wurden extra eine Stelle und ein Ausbildungsplatz geschaffen. Diese Mitarbeiter sind dafür zuständig, die Schulen mit fachlicher Expertise zu unterstützen. „Das betrifft sowohl die Erstellung des Mediennutzungkonzepts als auch dessen Umsetzung“, sagt Brunen.

Schließlich sei der Bedarf an Unterstützung bei jeder Schule unterschiedlich. Hilfe werde dann geleistet, wenn die Schulen sich an die Stadt wenden.

Die Städtische Realschule hat dieses Angebot angenommen und ihr Mediennutzungskonzept mit den IT-Experten der Stadt abgestimmt. Bald soll es dem Bildungsausschuss vorgelegt werden.

Für Uwe Böken von der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule ist die Mediennutzung kein Selbstzweck, sondern nur dann sinnvoll, wenn sie zur Vermittlung von Lerninhalten pädagogisch wertvoll ist. „Deshalb setzen auch nicht alle meine Kollegen Medien ein“, sagt Böken. „Tablet-Klassen“ oder ähnliches gibt es an der Schule nicht. „Wenn möglich wird auf mobile Geräte der Schüler zurückgegriffen, beispielsweise für die Nutzung von Apps im Mathematikunterricht“, sagt Böken. In einigen Klassenräumen gibt es bereits sogenannte „Smartboards“, also „schlaue Tafeln“, die direkt per WLAN mit dem Internet verbunden sind. Ziel sei es, alle Klassenräume in diesem Stil auszustatten.

Schulleiter Peter Pauli von der Städtischen Realschule hat vor den Sommerferien eine Tablet-Klasse an seiner Schule eingeführt. Versuchsweise erhielten alle Schüller ein Tablet, mit dem sie über den Server der Schule auf digitale Unterrichtsmaterialien zugreifen können. Eigene Smartphones werden im Unterricht nur nach Bedarf eingesetzt. Eher greifen die Lehrer auf den Computer zurück, der in jedem Klassenzimmer zur Verfügung steht. „Dazu kommt noch ein Computerraum, der fast immer ausgebucht ist“, fügt Pauli hinzu.

Auch die Gemeinschafts-Grundschule Palenberg hat einen Computerraum eingerichtet und einen PC in jedem Klassenzimmer installiert. Allerdings dürfen die Schüler keine eigenen Handys mitbringen. „Wir wollen das so lange wie möglich unterbinden“, sagt Martina Eichler, Leiterin der GGS Palenberg.

Alle Schulen orientieren sich für ihr Konzept an dem „Medienpass NRW“, der von der Landesregierung erstellt wurde. Er gibt vor, in welchem Alter die Schüler über bestimmte Grundlagen der Mediennutzung verfügen sollten.

Lernen von den Älteren

Ein wichtiger Aspekt ist der verantwortungsvolle Umgang mit den digitalen Medien. Die Städtische Realschule hat dafür ein eigenes Projekt entwickelt. Ältere Schüler können sich als „Medienscouts“ ausgebilden lassen und dann den jüngeren Schülern den verantwortungsvollen Umgang mit Medien näherbringen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert