Geilenkirchener Thomas Dickmeis pflegt wertvolle Ferraris

Von: Danielle Schippers
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Drehpause: Thomas Dickmeis (r.) mit seinem Kollegen André Bergermann und Daniel Brühl (v.l.). Die Rennfahreranzügen sind mit authentischer Werbung der 70er Jahre gespickt. Foto: Danielle Schippers
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Den Ferrari 312T2 zu warten und pflegen war Dickmeis Hauptaufgabe, für Auto-Fans ein Traum.

Geilenkirchen. An einem originalen Ferrari-Rennwagen aus den 70er Jahren zu arbeiten, den der vielleicht berühmteste Rennfahrer der Geschichte Niki Lauda zum Sieg gefahren hat, ist wohl der Traum jedes engagierten Mechanikers. Thomas Dickmeis aus Geilenkirchen hatte dazu die Gelegenheit, während der Dreharbeiten zum Film „Rush“, der ab dem 3. Oktober in deutschen Kinos zu sehen ist.

In dem Film geht es um den Formel 1-Rennzirkus und die Rivalität zwischen zwei völlig verschiedenen Rennfahrern, die 1976 um die Weltmeisterschaft kämpfen.

Der technisch geniale, disziplinierte und ehrgeizige Österreicher Niki Lauda (gespielt von Daniel Brühl) hat einen beruhigenden Vorsprung in der Gesamtwertung vor seinem härtesten Konkurrenten, dem genauso berühmten britischen Lebemann und Frauenschwarm James Hunt (Chris Hemsworth).

Bis der Ferrari von Niki Lauda beim deutschen Grand Prix auf der berüchtigten Nordschleife des Nürburgrings im Streckenabschnitt Bergwerk ins Schleudern gerät, mit fast 200 km/h gegen eine Felswand prallt und sein Wagen Feuer fängt.

Lauda verbrennt bei dem Unfall fast, Hunt gewinnt das Rennen. Sechs Wochen später sitzt der 27-jährige Lauda, entgegen aller Ratschläge wieder am Steuer und versucht, in einem atemberaubenden Duell seinen Rückstand um den Gesamtsieg wieder aufzuholen.

Bis heute ist diese denkwürdige Saison unvergessen, jetzt hat sich der mit vielen Preisen ausgezeichnete Regisseur Ron Howard („Apollo 13“, „A beautiful Mind“, „Sakrileg“) der dramatischen Biografie von Niki Lauda vorgenommen.

Von Fans des Rennsports und Experten wurde der Film sehnsüchtig erwartet. Gedreht wurde er hauptsächlich in England und Deutschland, ein wichtiger Drehort war ein alter Militär-Flughafen in Blackbushe nahe London, wo unter anderem eine komplette Boxenanlage samt Tribüne aufgebaut war.

In Deutschland wurden ebenfalls viele Szenen gedreht, beispielsweise der dramatische Unfall Laudas am selben Teil der Strecke wie in der Realität 1976, die bis heute als „Grüne Hölle“ berüchtigt ist. Nicht nur die Schauplätze waren für eine realistische Produktion wichtig, sondern vor allem authentische Rennwagen.

Dazu haben die Macher des Films teilweise Repliken bauen lassen, vor allem aber auch originale Autos von privaten Sammlern und Teams ausgeliehen.

Thomas Dickmeis, der in Geilenkirchen mit der Firma Dickmeis Motorsport eine Tuning-Werkstatt betreibt, hat vor seiner Selbstständigkeit unter anderem lange bei Toyota Formel 1 gearbeitet, ist Experte für die komplexe Technik von Formel- und Touren-Wagen und so genau der richtige, um auf die wertvollen Originale während der Dreharbeiten aufzupassen.

Der Ferrari, um den er sich hauptsächlich gekümmert hat, ist ein Ferrari 312T2 mit 500 PS, das Auto, das Niki Lauda 1976 gefahren hat. Er erzählt: „An den alten Autos mussten laufend Teile gewartet oder gewechselt werden, da braucht man schon Erfahrung. Wir waren etwa 40 Mechaniker, die sich um die Fahrzeuge gekümmert haben, ein unglaublicher Aufwand.“

Die extrem wertvollen Originale haben natürlich vor allem für Liebhaber und Sammler einen hohen emotionalen Wert und waren bei manchen Szenen starken Belastungen ausgesetzt. „Wir mussten beispielsweise für eine Szene, die in Fuji in Japan spielt, bei der es aus riesigen Regenkränen geschüttet hat, die komplette Karosserie mit Sprüh-Öl konservieren, damit nichts rostet.

Umso aufwendiger war es danach, das Fahrzeug zu zerlegen und wieder von dem Öl zu befreien.“ erzählt Dickmeis von seinen Aufgaben.

So realistisch wie möglich sollte der ganze Film werden, an viele Kleinigkeiten mussten die Techniker denken. „Es gibt eine Szene, in der nach einem Rennen ziemlich nah Reifen gezeigt werden. Die typischen Gummiaufsammlungen, die ein Reifen nach einem Rennen hat, mussten wir „manuell“ mit selbstgerollten kleinen Gummi-Würmchen aufkleben, damit die Reifen echt benutzt aussehen.“ erinnert er sich lachend.

Neben dem bekannten Regisseur Ron Howard und Daniel Brühl, der in Deutschland einer der beliebtesten Schauspieler ist, haben einige andere bekannte Schauspieler in dem Film mitgewirkt. Die erste Ehefrau von Hunt, die sich wegen seines Lebensstils von ihm trennt, ist besetzt von Olivia Wilde, eine amerikanische Schauspielerin, die hauptsächlich in Serien zu sehen ist, beispielsweise in „Dr. House“.

Eine weitere Koryphäe ist der leitende Kameramann, Anthony Mantle, der für die Kameraführung in „Slumdog Millionaire“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Außerdem haben während der Dreharbeiten viele Experten aus dem Motorsport geholfen, beispielsweise der damalige Teammanager von McLaren, Alastair Caldwell, und auch Niki Lauda selbst.

Was für die erfahrenen Schauspieler und Mitglieder des Teams Routine ist, war für Thomas Dickmeis zunächst neu. Er hatte zwar schon an einigen Serienproduktionen mitgewirkt und Motorsport-Reportagen für verschiedene TV-Sender unterstützt, aber die Möglichkeiten, die ein derart aufwendiger und teurer Hollywood-Film hat, haben ihn überrascht.

„Alleine die riesigen Regen- und Windmaschinen sind faszinierend und alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Es ist auch interessant als Laie, die Szenen zu sehen wenn sie gedreht werden und wie sie nachher im fertigen Film aussehen mit Special Effects. Am Ende passt halt alles zusammen.“

So konnte er neue Erfahrungen sammeln, nicht nur technischer Art: „Die Schauspieler waren alle nett, vor allem Daniel Brühl ist sehr sympathisch und natürlich, wir haben oft über Autos gequatscht.“

Seine Aufgaben haben ihm aber besonderen Spaß gemacht: „Die Rennwagen aus den 70ern waren fast rein mechanisch und haben kaum mit Elektronik gearbeitet, heute ist ja fast alles elektronisch überwacht und gesteuert. Trotzdem kann man an ihnen schön erkennen, wie sich die Grundlagen des Motorsports entwickelt haben, zum Beispiel die Aerodynamik.

Als Mechaniker und Rennsport-Fan ist das wirklich sehr interessant.“ Enzo Ferrari habe dazu in den Anfängen des Motorsports unpassender Weise einmal gesagt, Aerodynamik sei nur wichtig für Leute, die keine guten Autos bauen können.

Einige Mechaniker haben während des Drehs zum Film sogar spontan Komparsen-Rollen bekommen. Eine zeigt Thomas Dickmeis etwa als Boxenstopp-Mechaniker für Ferrari, eine andere als Mechaniker in der Startaufstellung.

Zu einer der Vorpremieren in Köln am 28. September ist er natürlich eingeladen. Er ist stolz über die Chance, dass er an einem Film mitwirken durfte, der von Fans sehnsüchtig erwartet wurde und wahrscheinlich ein großer Erfolg wird. entwickelt oder produziert worden.

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