Geilenkirchener Tagesmütter wünschen sich mehr Anerkennung

Von: st
Letzte Aktualisierung:
14249268.jpg
Sabine Lurweg (links) und Waltraud Grosse stehen als Tagesmütter zur Verfügung. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Fünf Kinder hat Waltraud Grosse großgezogen. Die älteste Tochter ist 25 Jahre alt, die jüngste ist elf. Eigentlich, so sollte man denken, müsste es besonders nach dem Auszug von drei Sprösslingen in ihrem Haus nun etwas ruhiger zugehen. Weit gefehlt: Helle Kinderstimmen erfüllen auch heute noch täglich die Räume. Die 50-Jährige ist nämlich Tagesmutter. Bis zu fünf Mädchen und Jungen hat sie täglich in ihrer Obhut.

Bevor sie in ihre Rolle als Hausfrau und Mutter schlüpfte, arbeitete sie als Finanzbeamtin. Doch auch nach der Geburt ihrer Kinder wollte sie wieder arbeiten, und so begann sie im Jahre 2003 ihren Job als Tagesmutter. „Der Umgang mit Kindern macht mehr Spaß als die Beschäftigung mit Zahlen“, sagt sie.

Schon ein paar Jahre länger dabei ist Sabine Lurweg. Die 54-Jährige ist Mutter von drei erwachsenen Kindern, die bereits das Haus verlassen haben. Die gelernte Medizinisch-Technische Assistentin betreut bereits seit dem Jahr 2000 als Tagesmutter Kinder, die keinen Platz in einer Kita gefunden haben oder bei denen die Betreuungszeiten einer Kita nicht mit den Arbeitszeiten der Eltern in Einklang zu bringen sind. „Damals“, so sagt Sabine Lurweg, „war der Markt noch sehr bunt. Da waren weder Pflegeerlaubnis noch Qualifizierung erforderlich. Da haben Frauen im Internet ihre Dienste angeboten.“

Heute sieht das ganz anders aus. In einem 160-stündigen Qualifizierungskurs lernen angehende Tagesmütter und -väter Fingerspiele und Bilderbücher kennen, erwerben pädagogische Grundkenntnisse und machen sich kundig in Rechts- und Steuerfragen. „Wir sind schließlich selbstständig. Das ist kein Nebenjob, der als Taschengelderweiterung dient, es kann ein Einkommen sein“, sagt Waltraud Grosse. Sie versichert aber auch: „Reich wird man nicht.“

Qualifizierungskurse bieten unter anderem die Volkshochschule, das Katholische Forum für Erwachsenenbildung und das Margarete-Klug-Bildungswerk an. Zunächst aber sollte man sich bei der Stadt als Tagespflegemutter oder -vater bewerben. Denn das Jugendamt bestimmt, wer einen solchen Job übernehmen kann. Das Jugendamt ist es auch, das den Tagespflegeeltern Kinder zuweist. Bis zu fünf Kinder dürfen dann gleichzeitig, insgesamt höchstens acht, betreut werden. „Mehr geht auch nicht, da muss man schon hart im Nehmen sein“, weiß Waltraud Grosse. Geduld und Ruhe seien die wichtigsten Eigenschaften, die Tageseltern mitbringen müssten. Meist seien es die Eltern der U3-Kinder, die einen Betreuungsplatz bei Tageseltern suchen. „Die Kinder haben keinen Platz in der Kita bekommen, oder die Eltern arbeiten im Schichtdienst und benötigen eine Randzeitenbetreuung“, sagt Grosse. Betreuen dürfen sie allerdings Kinder bis 14 Jahre.

Was die beiden Frauen derzeit aber maßlos ärgert, ist die ihrer Meinung nach fehlende Akzeptanz und Anerkennung von Seiten des Jugendamtes. „156 Kita-Plätze fehlen in Geilenkirchen, 156 Kinder sind noch unversorgt. Manche Mütter müssen deshalb zu Hause bleiben, oder die Kinder werden von den Großeltern versorgt“, sagt Waltraud Grosse.

Laut städtischem Jugendamt stehen 264 Kinder für das Kindergartenjahr 2017/2018 auf der Warteliste. 20 von diesen 264 könnten noch in einer Kita untergebracht werden, 18 Anmeldungen kommen aus anderen Städten, 70 Pflegeplätze werden im Sommer bei Tageseltern frei. Es bleiben 156 unversorgte Kinder. „Warum werden diese 156 Eltern vom Jugendamt nicht auf die Tagespflege hingewiesen?“, fragt Sabine Lurweg. „Bei mir hat nur ein Interessent aus Geilenkirchen angerufen, der durch das Internet auf uns aufmerksam geworden ist. Viele Eltern wissen gar nichts von uns“, sagt auch Waltraud Grosse, die allerdings bereits Anfragen aus anderen Kommunen erhalten hat.

Ihre Kritik richten die beiden Frauen an die Politik und an die Verwaltung. „Viele Eltern wollen nur die Zeit überbrücken, bis sie einen Kita-Platz gefunden haben. Sie begegnen uns zunächst mit Misstrauen. Da fühlen wir uns als Lückenfüller“, sagt Grosse, fordert eine bessere Information der Eltern und stellt klar: „Wir haben den gleichen Bildungsauftrag wie die Kitas. Wir möchten, dass die Eltern auf beide Betreuungssysteme schauen und dann ihre Entscheidung treffen.“ Und sie ist sich sicher: „In Zukunft brauchen wir noch mehr Tageseltern.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert