Geilenkirchener SPD startet das Projekt „Flagge zeigen“

Von: Markus Bienwald
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Eine eindrucksvolle Plakatserie stellte die SPD in Geilenkirchen im Rahmen ihres Projekts „Flagge zeigen“ unter anderem mit Christoph Grundmann (l.) und Conny Banzet auf. Foto: Markus Bienwald
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Flagge zeigen für Demokratie, das taten bei der Diskussionsrunde im Sportpark Loherhof Norbert Spinrath, Lars Speuser, Karl-Heinz Nieren und Marko Banzet (v.l.). Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Es war gegen Ende einer angeregten Diskussionsrunde am Freitagabend im Sportpark Loherhof, als SPD-Ortsvereinsvorsitzender Marko Banzet wichtige Worte sprach. „Jeder darf in Deutschland sagen, was er möchte“, so Banzet, „doch die Grenze ist immer das Persönlichkeitsrecht des Nächsten“.

Damit hatte er einen der vielen von der Runde mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Norbert Spinrath, CDU-Sprecher Lars Speuser und dem SPD-Ehrenamtspreisträger und Pädagogen Karl-Heinz Nieren angesprochenen Themenbereiche auf den Punkt gebracht. Dabei war das von der SPD in Geilenkirchen initiierte, aber bewusst demokratisch offen für alle Parteien angelegte Projekt „Flagge zeigen“ eine echte Aufforderung an alle Bürger, sich für die Demokratie zu engagieren.

Neben der leider weniger gut besuchten Diskussionsrunde im Sportpark Loherhof holte die SPD mit der Ausstellung „Flagge zeigen“ ein künstlerisches Projekt, das für demokratisches Engagement und gegen Gewalt, Fremdenhass und Verdrängung steht. In der Plakatserie, die als kleines Labyrinth auf dem Geilenkirchener Marktplatz angelegt war, gab es zum Teil schon vor zwei Jahrzehnten entstandene Motive von insgesamt 38 Künstlern zu sehen, die ihr ganz persönliches Statement zur Verteidigung der Demokratie zeigten.

So ist beispielsweise auf dem Bild von Klaus Staeck aus dem Jahr 1994 ein Streichholzkopf mit dem typischen Hitler-Bärtchen und dem so oft gehörten Ausspruch „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“ zu sehen.

„Ihr da oben...“

Diesen expliziten Satz hörten die Besucher der Diskussionsrunde zwar nicht, dafür gab es viele Facetten. So war es Spinrath, der von Menschen zu berichten wusste, die ihm schon mal direkt ins Gesicht sagen: „Ihr da oben, ihr macht sowieso, was Ihr wollt.“ Dem widersprach nicht nur der SPD-Bundespolitiker.

Auch aus dem Publikum kamen viele wertvolle Beiträge. So merkte der stellvertretende Geilenkirchener Bürgermeister Leo Kuhn (Fraktion Geilenkirchen bewegen! und FDP) an, dass sich viele Deutsche des Themas Flüchtlingspolitik durch ihre direkte und freiwillige Hilfe beispielhaft angenommen hätten. „Das erleben wir vor allem auch in Geilenkirchen“, unterstrich Kuhn.

Ein anderer Diskussionspunkt war die Idee, dass es dem Lebensstandard in Deutschland zu verdanken ist, dass die Menschen manchmal vielleicht denken, es gehe ihnen zu gut. „Wie kriegen wir das hin, dass die Leute ohne Zukunftsangst leben können“, fragte Spinrath in die Runde.

Die Antwort gab er auch, hier machte er das Verständnis für das Miteinander in einer Gemeinschaft mit Flüchtlingen auch an der Bildung fest. Dass es dabei auch für den Friedensgedanken wichtig bleibt, die Kinder mit dem zu konfrontieren, was vor über 70 Jahren in Europa in Sachen Krieg geschah, verschwieg er nicht.

Karl-Heinz Nieren darf als einer der Vorreiter dieser nachhaltigen Aufklärung gelten. Denn er gehört zu den Mitinitiatoren der regelmäßigen Auschwitz-Besuche Geilenkirchener Schulen. Und welchen Stellenwert er im Kampf gegen den alltäglich verbreiteten Fremdenhass einnimmt, berichtete er in einem eindrucksvollen Beispiel.

Ende Mai 1993, als in Solingen ein Flüchtlingsheim brannte und das Leben von Menschen auslöschte, schickte er einige Tage später als Lehrer ein paar seiner Schüler einfach vor die Tür. Auf die Frage eines anderen Schülers, warum er das tue, antwortete er nur „Ausländer raus“, und machte mit dieser symbolischen Aktion eindrucksvoll deutlich, was wirklich passiert, wenn die Gesellschaft alle Menschen, die irgendwie eine fremde Abstammung haben, aussondert.

Wie die Integration der Menschen in die Gesellschaft funktionieren kann, das zeigte Lars Speuser, der als Ortsvorsteher von Süggerath gemeinsam mit Ortsvereinen und vielen bürgerschaftlich engagierten Menschen den Flüchtlingen im Ort eine Brücke zur Integration baut. „Wir machen keinen Unterschied, aus welchem Grund die Leute zu uns kommen“, sagte er. Auch er sah Probleme, die aber mehr in gesellschaftlichen Veränderungen liegen.

Da gibt es Vereine, die wegen geänderter Interessenlagen – weg von den Gruppen, hin zum digital beherrschten Einzeldasein – keinen Nachwuchs finden. Und da gibt es Menschen, die ihre Welt in den eigenen vier Wänden dem Leben in der Gemeinschaft vorziehen. „Früher haben die Menschen den Anschluss gesucht, heute muss man selbst den Zugezogenen hinterherlaufen“, wusste er zu berichten.

Natürlich konnte man dies nicht in direkten Kontext zu sich fortentwickelndem rechten Gedankengut setzen. Aber einig waren sich Diskutanten und Besucher darüber, dass sich solche Ideologien leichter unter die Menschen bringen lassen, wenn Dinge unkommentiert bleiben und die Gesellschaft nicht damit auseinandersetzt. „Darum muss es unser Ziel sein, zu kommunizieren und den Leuten die Angst vor dem Neuen zu nehmen“, schloss Banzet.

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