Geilenkirchen - Geilenkirchener SPD in einem Selbstzerfleischungsprozess

Geilenkirchener SPD in einem Selbstzerfleischungsprozess

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Gabi Kals-Deußen und Stefan Mesaros haben von der Geilenkirchener SPD die Nase voll und sind ausgetreten. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Nach der Geilenkirchener FDP befindet sich nun auch die SPD in einem Selbstzerfleischungsprozess: Am Montagabend sind Parteichef Stefan Mesaros, die Fraktionsvorsitzende Gabi Kals-Deußen und Dr. Wilfried Plum aus der Partei ausgetreten.

Ihr Ratsmandat werden Mesaros und Kals-Deußen behalten, einer anderen Partei wollen sie sich nicht anschließen. Bereits Anfang des Jahres hat Uwe Eggert, Ehrenringträger der Stadt Geilenkirchen und ein Urgestein der SPD, nach 39-jähriger Mitgliedschaft seinen Parteiaustritt erklärt. Er war verärgert über den Umgang miteinander in der Partei und über „weitgehende Untätigkeit“, wie er damals erklärte. Eggert hatte sich daraufhin den Grünen angeschlossen.

Stefan Mesaros und Gabi Kals-Deußen wollten, wie sie erklären, einen anderen Politikstil pflegen, konnten ihre Parteifreunde aber nicht überzeugen. „Wir wollten Teamarbeit, offene Kommunikation, Transparenz und Platz für unkonventionelle Ideen. Wir wollten weniger Ideologie, mehr Sachlichkeit und Sacharbeit“, erklärt Stefan Mesaros. „Und wir wollten mehr Wertschätzung und parteiübergreifend arbeiten. Wir wollten die alten Strukturen aufbrechen“, fügt Gabi Kals-Deußen hinzu.

Beide hätten sich, so Mesaros, gegen „eingefahrene Denkmuster, gegen ein Freund-Feind-Denken“ gewandt, allerdings keine Mehrheiten gefunden. „Wir hatten ein unterschiedliches Politikverständnis in der Partei. Wir wollten auch andere Ideen mittragen, wenn sie gut und zum Wohle der Stadt sind“, erklärt der ehemalige Parteichef. „Ich bin meinen Wählern in Hatterath und Gillrath verpflichtet und muss deren Interessen und nicht irgendwelche Dogmen umsetzen“, meint Kals-Deußen.

Der Parteiaustritt, so erklären der bisherige Parteichef und die bisherige Fraktionsvorsitzende unisono, sei ein Schritt nach einem langen Prozess. Dass die Menschen althergebrachte Strukturen nicht wollten, habe auch die Bürgermeisterwahl gezeigt, argumentiert Mesaros. „Deshalb gibt es viele politikverdrossene Menschen“, so Kals-Deußen.

Die Sozialdemokraten, so betont der 56-jährige Sozialarbeiter Mesaros, seien schon seit seiner Jugendzeit seine politische Heimat, Mitglied der SPD sei er allerdings erst seit sieben Jahren, Parteivorsitzender seit fünf Jahren. „Aber mit dem politischen Stil in der Geilenkirchener SPD kann ich mich nicht mehr identifizieren“, begründet er seinen Austritt. Gabi Kals-Deußen, 52-jährige Sozialpädagogin, sitzt seit 21 Jahren im Geilenkirchener Stadtrat.

Zunächst für die Grünen, dann für die Bürgerliste, seit zwölf Jahren für die SPD. Jetzt wird es zu Neuwahlen im Ortsverband kommen. Gleich nach dem Parteiaustritt hat die SPD am Montag einen neuen Fraktionschef nominiert: Christoph Grundmann führt die Fraktion an.

Da Stefan Mesaros auch stellvertretender Fraktionschef ist, musste auch diese Position neu besetzt werden. Gewählt wurde Marko Banzet. Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Geilenkirchen besteht jetzt nur noch aus fünf Stadtverordneten. Ob die aus der Partei ausgetretenen Ratsmitglieder Kals-Deußen und Mesaros eine eigene Fraktion gründen, war am Dienstag noch ungewiss. Plum war lediglich Mitglied des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.

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