Teveren - Geilenkirchener Kids machen einmal Zirkus

Geilenkirchener Kids machen einmal Zirkus

Von: Daniela Martinak
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Da ging es heiß her: Besonders spannend war die Nummer mit dem Feuer. Angst hatten die Kinder nicht. Kein Wunder, schließlich achtete Nicklas Lagrin stets auf ihre Sicherheit. Foto: Daniela Martinak
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Spagat auf dem Hochseil.

Teveren. Zwei Schatten, mehr ist vorerst nicht zu sehen. Das Zelt füllt sich allmählich. Die Augen der zahlreichen Besucher sind auf den roten Vorhang hinter der Manege gerichtet. Wie gebannt schauen die Kinder in den ersten Reihen darauf und lauschen der typischen Zirkusmusik, die das Getuschel der Geilenkirchener übertönt.

Hinter dem Vorhang stehen zwei Mädchen, die immer wieder durch die kleine Lücke an der linken Seite spienzeln und immer unsicherer werden. Laura und Michelle sind ziemlich aufgeregt. Nervös tippeln sie von einem Fuß auf den anderen. „Alles ist gut. Ihr habt das die ganze Woche über bei den Proben so toll gemacht, dann klappt das auch heute“, ermutigt Nicklas Lagrin, der Zirkusdirektor, die beiden Moderatorinnen des Nachmittags.

Es ist endlich soweit: „Hereinspaziert“ in den Zirkus Regenbogen. Jeden Moment sehen über 100 Eltern, Großeltern, Verwandte, Bekannte, Freunde... was kleine Akrobaten, Clowns und Hochseilartisten binnen vier Tagen alles gelernt haben. Der Zirkus Regenbogen gastiert eine Woche lang in Teveren.

Ängste überwinden

Simone und Nicklas Lagrin gründeten den Projekt-Zirkus, um Kindern die Möglichkeit zu bieten, Zirkusluft zu schnuppern. Ziele sind unter anderem Ängste zu überwinden und Spaß an Bewegung zu finden. „Vor allem aber“, betont der Zirkusdirektor, „um Kindern, deren Eltern ihnen aus finanziellen Gründen nicht ermöglichen können, in den Ferien in den Urlaub zu fahren, eine Woche lang, Spaß und Abwechslung und natürlich Spannung zu bieten.“ Sie lernten ihre Grenzen kennen, erfahren, was Respekt, Verantwortung, Teamgeist bedeutet.

41 Mädchen und Jungen im Alter zwischen fünf und 13 Jahren haben an diesem Projekt teilgenommen. Darunter auch Kinder mit körperlichen und geistigen Defiziten, denn „die Pänz sollen hier lernen, dass jedes Kind ein Recht auf Spaß hat. Toleranz und Akzeptanz liegen uns hier sehr am Herzen“, betont Lagrin.

Sie alle kommen aus dem Kreis Heinsberg und konnten es gar nicht abwarten. „Als meine Eltern mich hier angemeldet haben, habe ich zu Hause schon ein bisschen jonglieren geübt. Das ist zwar nicht so einfach, aber wenn man es kann, bewundern einen alle“, ist sich Lukas sicher.

Jeden Morgen brachten die Eltern ihre Schützlinge auf die große Wiese am Frelenberger Sportplatzes. Um zehn Uhr ging das tägliche Training los. Zu Beginn wurde den Kindern nicht nur erklärt, was es bedeutet, im Zirkus zu arbeiten und mitzuwirken und was ein Zirkus überhaupt ist – Sie durften auch zuschauen, wie das Zelt aufgebaut wurden, und sogar das Materail anreichen. „Dann haben wir die einzelnen Nummern vorgestellt und erklärt, was wir vorhaben. Die Kinder durften sich aussuchen, in welche Gruppe sie gerne möchten, was sie lernen wollen“, erklärte der Leiter des Projektes.

Das sei erstaunlich schnell gegangen. Jedes Kind wusste ganz genau, mit welcher Nummer es bei der großen Vorstellung für die Familie und Bekannte in der Manage stehen wollte. Nicklas Lagrin schaltet das Mikrofon ein und verkündet: „Meine Damen und Herren. Die kleinen Stars der Manege sind jetzt bereit. Freuen Sie sich auf eine atemberaubende Vorstellung.“ Und gleich zu Beginn bleibt den Besuchern die Luft weg. Bei der „Pyramiden-Artistik“ stellen die Kinder nicht nur Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn unter Beweis. Auch jede Menge Ausdauer gehört dazu. Weiter geht es mit der legendären Clown-Witzelei, der Akrobatik auf dem großen Papageien-Ring und der Jonglage.

Hier kommt nicht nur Lukas zum Einsatz. Der Elfjährige und seine neue gewonnen Zirkusfreunde lassen das Publikum jubeln. Die Drahtseilnummer ist atemberaubend und auch der Zaubertrick, bei dem Erik Pia verschwinden lässt, sorgt dafür, dass ein Raunen durch die Reihen geht. Wie so oft, kommt aber das Beste zum Schluss. „Heiß geht es her. Eine Nummer, die Sie von den Sitzen reißen wird“, verspricht der Zirkusdirektor dem Publikum.

Andrew, der kleine Sohn der Zirkusfamilie demonstriert gekonnt, was es bedeutet „feuerfest“ zu sein. Dann kommen die Geilenkirchener Kids in die Mitte des Zeltes. Mit den brennenden Fackeln streicht Nicklas Lagrin ihnen über Arme und Füße. „Oh´s“ und „Ah´s“ sind aus den Besucherreihen zu hören. Doch die Kinder lachen fröhlich. „Das tut nicht weh“, versichern die „Feuer-Mädchen und Jungen“.

Lagrin bestätigt: „Keine Sorge, ich passe auf, dass es nicht zu heiß wird. Gespielt wird hier mit dem Feuer nicht. Alleine dürfen die Kinder sowieso nicht an die Fackeln.“ Dass alles kindgerecht und mit rechten Dingen abläuft, dafür garantiert das Zirkus-Ehepaar.

Förderverein Frelenberg

Dafür, das auch finanziell die nächste Vorstellung gesichert ist, setzen sich bestimmt wieder Sonja und Arnd Hansen vom Förderverein für Kinder und Jugendliche in Frelenberg ein: „Diese Projekte müssen einfach unterstützt werden.“ Übrigens gab es jeden Tag ein leckeres Mittagessen vom Partyservice „Schneebesen“ aus Geilenkirchen und ausreichend Getränke.

„Das ist fast noch besser als in den Urlaub zu fahren. Im nächsten Jahr mache ich wieder mit“, sagt der zehnjährige Tom.

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