Geilenkirchener Bürgertreff in finanzieller Not

Von: Udo Stüßer
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Nicole Abels-Schell, Peter Schlitt (rechts hinten) und Jürgen Benden kämpfen um den Erhalt des Geilenkirchener Bürgertreffs. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Das ehemalige Ladenlokal an der Alten Poststraße ist an diesem Dienstagmorgen gut gefüllt: Da sitzen die 82-jährige Rosemarie Kleinen und die 78-jährige Maria Richter einträchtig nebeneinander und halten bei duftendem Kaffee ein Schwätzchen.

Während der 28-jährige syrische Flüchtling Ahmad Nashawati den ehrenamtlichen Mitarbeiter Manfred Leifels (62) um Hilfe bei seinen nächsten Behördengängen bittet, schaut sich Johann Kreuer (72) das Treiben auf dem Vorplatz an.

Wenn aber Nicole Abels-Schell und Jürgen Benden an diesem sonnigen Morgen einen Blick in das Kassenbuch werfen, treiben die Zahlen den beiden Vorsitzenden des Geilenkirchener Bürgertreffs tiefe Sorgenfalten auf die Stirn: Sie bangen um die weitere Existenz der Einrichtung an der Alten Poststraße, in der sich Menschen aller sozialen Schichten und aller Altersgruppen treffen. Ist die Einrichtung im nächsten Jahr vor dem finanziellen Ruin zu retten, fragen sie sich.

Noch einige Rücklagen

Im Bürgertreff freuen sich Renter und Arbeitslose auf nette Gespräche, hier strickt die Rentnerin an ihrem Pullover weiter, hier trinkt der Schichtarbeiter schnell einen Kaffee, und hier pflegt auch der Bankangestellte an einem freien Tag Kontakte. „Es ist ein Treffpunkt für alle Menschen“, betont Benden. Aber wie lange noch?

Derzeit wird die Einrichtung überwiegend durch Mitgliedsbeiträge und kleinere Dauerspenden finanziert, durch einige unregelmäßige größere Spenden wird die Vereinskasse etwas aufgepäppelt. Und das aufgestellte Sparschweinchen freut sich über so manchen Euro, den Besucher für eine Tasse Kaffee freiwillig einwerfen. Jetzt hat der Verein, der den Bürgertreff betreibt, noch einige Rücklagen. Doch die sind, und das ist jetzt absehbar, Anfang nächsten Jahres aufgebraucht. Und die Spendengelder reichen dann nicht mehr.

Dabei hat die Entwicklung des Geilenkirchener Bürgertreffs vor drei Jahren recht verheißungsvoll begonnen.

Was braucht Geilenkirchen? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Zukunftswerkstatt im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“. In einem Punkt waren sich alle einig. Es fehlte ein Treffpunkt für alle Bürger. Unter der Regie von Nicole Abels-Schell, Gemeindesozialarbeiterin der Caritas, und Jürgen Benden erarbeitete eine Arbeitsgruppe ein Konzept und suchte Räumlichkeiten für ein Pilotwochenende, an dem man drei Tage lang Bürgertreff „spielte“.

Aus den drei Tagen wurden drei Wochen, dann drei Monate: „Wir haben erkannt: Geilenkirchen braucht diesen Bürgertreff“, erklärt Nicole Abels-Schell. Doch das in der Pilotphase angemietete Ladenlokal in der Konrad-Adenauer-Straße hätte für eine dauerhafte Nutzung grundsaniert werden müssen. Und so zog der Bürgertreff im März 2013 in die Alte Poststraße.

„Seitdem treffen sich hier Menschen, die keine Tagesstruktur haben, Bürger, die einfach Kommunikation suchen, sich austauschen wollen oder nachbarschaftliche Hilfe suchen“, sagt Abels-Schell. „Hier sitzt keiner alleine, wie es manchmal in einem Café der Fall ist. Hier sitzen alle an einem Tisch, und wir laden alle ein zu kommen“, fügt Benden hinzu. Nach der offiziellen Eröffnung in der Alten Poststraße unterstützte die Caritas-Gemeinschaftsstiftung des Bistums Aachen die Einrichtung mit 11.000 Euro für Miete und Nebenkosten.

„Dieser Zuschuss hat uns die ersten Monate über Wasser gehalten“, blickt Benden zurück. Durch Spendengelder konnte die Barrierefreiheit hergestellt werden. Weitere Spendengelder konnten aufgrund sparsamer Haushaltsführung auf die hohe Kante gelegt werden. Denn bis Ende vergangenen Jahres wurde der Bürgertreff durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ finanziell unterstützt.

Doch das ist Ende 2014 ausgelaufen. „Jetzt leben wir nur noch von Spenden“, bedauert auch Peter Schlitt, als Beisitzer Mitglied des Vorstandes. Der Diplompädagoge und Oberstleutnant a.D. hat nach seiner Pensionierung seinen Weg zum Bürgertreff gefunden, ist hier nicht nur im Vorstand engagiert, sondern gibt auch Deutschkurse für Flüchtlingskinder.

Nach der Aktion „200 Spender geben monatlich fünf Euro“ machte der Verein auch keine großen Sprünge. „Es meldete sich nur eine Handvoll Bürger, die passend zum Slogan monatlich fünf Euro geben wollten“, bedauert Benden. Jetzt hoffen die Verantwortlichen auf die Hilfe der Stadt. Denn ab dem nächsten Monat fehlen monatlich rund 500 Euro. „Die Stadt hat die Verpflichtung, aus dem Bundesprogramm entstandene Projekte nachhaltig zu sichern“, sagt Abels-Schell.

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