Geilenkirchen - Geilenkirchener Badewannenrennen: Anfangs soffen die Wannen ab

Geilenkirchener Badewannenrennen: Anfangs soffen die Wannen ab

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
12774989.jpg
Ideengeber Kalli Cüppers (l.) und Wenk-Geschäftsführer Franz-Josef Schroeder, hier zu sehen beim Bearbeiten der Anmeldungen.
12775639.jpg
Und die Hände zum Himmel: Das Badewannenrennen ist ein tolles Spektakel. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wenn plötzlich die Musik im Radio verstummt, damit eine Stauwarnung durchgegeben werden kann, dann gehen meist die Daumen der Hörer nach unten. Nicht so im Jahr 2001, als tatsächlich die Durchsage kam, dass es rund um die Ortslage Kogenbroich einen Stau gibt. „Das habe ich vorher noch nie gehört“, erzählt Kalli Cüppers mit einem breiten Lächeln. Er war es, der für diesen Stau gesorgt hatte.

Zumindest indirekt, denn seine im Jahr 2000 verwirklichte Idee eines Badewannenrennens auf der Wurm löste einen unvergleichlichen Boom aus. Ursprünglich war ein Weg gesucht worden, um die Menschen wieder zum früher sehr beliebten Burgfest der Karnevalsgesellschaft (KG) „Würmer Wenk“ zu bringen. Sinkende Besucherzahlen bedeuteten für Vereine, die sich ansonsten nur über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanzieren, dass sie in unruhigere Fahrwasser geraten können. Nicht so bei den „Würmer Wenk“, denn hier blies der Fahrtwind in die Segel derer, die Wannen zum Rennen umfunktionierten.

Ein Rennen war das noch nicht

Dass sich das anfangs alles andere als einfach darstellte, davon können Cüppers und auch der amtierende Geschäftsführer Franz-Josef Schroeder ein Liedchen singen. „Es gab überhaupt noch keine andere Veranstaltung dieser Art“, erklärt Schroeder, „und darum wusste ja auch keiner, wie man überhaupt eine Wanne baut, die sich selbst auf der relativ kurzen Renndistanz von gut einem Kilometer schwimmend auf der Wurm fortbewegen kann.“ Die ersten Versuche mit einfachen Wannen, deren Abfluss verschweißt wurde, endeten im Desaster, so Kalli Cüppers. Die Wannen soffen einfach ab, von einem Rennen konnte gar keine Rede sein. Dazu waren die Gefährte mehr als nur instabil und drohten bei der geringsten Bewegung zu kentern. „Mein Sohn Sven war Testfahrer“, erinnert sich Cüppers gerne zurück. Keine Bange: Der Filius ist heute noch wohlauf.

Doch dann kam den Organisatoren des intern nur BWR genannten Badewannenrennens die entscheidende Idee zur Fahrsicherheit. „Wir dachten, dass wir mit leeren 50-Liter-Bierfässern als Schwimmkörper die nötige Stabilität erreichen“, erinnert sich Cüppers. Gesagt, getan: In den nächsten Tagen in der Testphase wurden bei umliegenden Gaststätten leere Fässer besorgt, eingebaut, und siehe da: Es funktionierte. Das Prinzip funktioniert natürlich heute auch noch, ob allerdings daher die Verbindung vom Bier und dessen Genuss mit dem Wannenrennen geschaffen wurde, wissen die Initiatoren nicht.

Klare zeitliche Grenzen

Ihnen war zu Beginn, als gerade einmal sechs Wannen an den Start gingen, nicht klar, welchen Boom sie damit auslösen. „Ein Jahr später waren es noch mehr Wannen und Besucher“, weiß Schroeder, und in Spitzenjahren stand auch schon die Zahl von 10.000 Zuschauern in Nachberichten zum Rennen in unserer Zeitung. Dass der Boom auch Probleme mit sich bringen könnte, haben sich die Damen und Herren bei der KG nicht so ausmalen können. Denn Veranstaltungen wie das „Wurm up“, die Aufwärmparty am Abend vor dem Event, oder auch die Nachfeten wurden von den Mitfahrern und Besuchern in der Wurmaue selbst organisiert. Heutzutage geht das alles nicht mehr, das BWR hat auch wegen des notwendigen Naturschutzes klare zeitliche Grenzen gesetzt bekommen. „Wir sorgen mit einer Mannschaft von gut 150 Freiwilligen dafür, dass der Spaß in der Wanne bleibt und wir niemanden stören“, so Schroeder.

Das bedeutet, dass jeder auch nach dem Rennen bereitsteht, um bis zur letzten weggeworfenen Zigarettenkippe alles aufzuräumen. Das ist nicht nur ein Beitrag zum Naturschutz, sondern auch die freiwillige Selbstverpflichtung der tollkühnen Badewannenkapitäne, dem per Gewohnheitsrecht erlaubten Rennen einmal im Jahr seinen Raum zu geben. Und die Staus sind auch Geschichte, denn ausgewiesene Parkplätze und Laufrouten zur Rennstrecke runden die perfekte Organisation ab.

Dennoch denkt Kalli Cüppers gerne daran zurück, denn niemand rechnete anfangs damit, dass so eine jecke Idee wie ein Wannenrennen eine so riesige Resonanz haben könnte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert