Geilenkirchen Stadt des Sports und Genusses?

Von: Udo Stüßer
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Er entwickelt Visionen: CDU-Bürgermeisterkandidat Ronnie Goertz. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Ronnie Goertz hat eine Vision: „Ich mache aus Geilenkirchen eine Sport- und Genussstadt“, sagt der frisch gekürte Bürgermeisterkandidat der Geilenkirchener CDU. Der 39-jährige Gillrather ist nicht nur ein Experte, wenn es um Zahlen geht. Nein, der Filialleiter der Commerzbank für den Bereich Geschäftskunden in der Städteregion Aachen liebt den Sport und guten Wein. Und er kocht gerne.

Davon profitieren nicht nur Ehefrau Katrin und die drei Kinder Luca (6), Jennifer (15) und Florian (18). Auch Freunde stehen mit ihm am Herd, um herrliche Gaumenfreuden zuzubereiten.

Das Herz von Ronnie Goertz schlägt nicht nur für seine Patchwork-Familie, sondern auch für die Sportvereine im Kreis Heinsberg. Das Amt des Vorsitzenden des Kreissportbundes hat er mit einer großen Portion Idealismus übernommen. „Als Jugendlicher habe ich in der DJK Gillrath viel Positives erfahren. Davon will ich ein Stück zurückgeben“, sagt er. Und: „Junge Menschen haben in den Vereinen die Möglichkeit, nicht nur Sport zu treiben, sondern auch mit Menschen zusammen zu kommen, durch die sie weiterkommen.“ Nicht nur als Bürgermeisterkandidat, auch als Kreissportbund-Chef hat er eine Vision: „Wir müssen die Struktur unserer Vereine langfristig so erhalten, dass junge Menschen eine Perspektive haben, aber auch ältere Menschen eine neue Perspektive mit sinnvoller Beschäftigung und Bewegung finden.“ Jetzt steigt er in die Politik ein. Seine Vorstellungen erläutert Ronnie Goertz im Gespräch in unserer Redaktion.

Herr Goertz, Sie haben sich gegen drei Kandidaten, die ebenfalls für die CDU ihren Hut in den Ring geworfen haben, durchgesetzt. Sogar gegen den Parteichef Manfred Schumacher. Macht Sie das stolz?

Goertz: Es macht mich nicht stolz, gegen wen ich mich durchgesetzt habe, sondern dass ich es als Externer geschafft habe und die Mitglieder davon überzeugen konnte, mir das Vertrauen auszusprechen. Mir war wichtig, andere zu begeistern. Auch wenn ich es nicht geschafft hätte, aber eine große Anzahl von Stimmen bekommen hätte, wäre ich stolz.

Warum glauben Sie, hat sich die Mehrheit für Sie entschieden?

Goertz: Ich glaube, dass ich die Mehrheit davon überzeugen konnte, dass sie mit mir eine langfristige Perspektive für Geilenkirchen schaffen kann. Sie hat mir abgenommen, dass ich dafür stehe, was ich gesagt habe. So, wie ich mich im Sport für die Gesellschaft engagiere, möchte ich dies auch in der Politik tun.

Hinter den Kulissen schien es richtige Kämpfe für oder gegen einzelne Kandidaten gegeben zu haben? Wird es schwierig sein, die Christdemokraten geschlossen hinter sich zu einen?

Goertz: Wenn sich die Christdemokraten als echte Demokraten verstehen, und das ist bei der Versammlung mehrfach betont worden, wird es nicht schwierig.

Die Schumacher-Fraktion scheint mit dem Wahlergebnis unzufrieden zu sein. Es wurde öffentlich Kritik geübt.

Goertz: Sie sprechen die Äußerungen von Karl-Peter Conrads an. Er hatte sicherlich einen guten Grund, sich so zu äußern. Ich kenne ihn nicht, damit kann ich umgehen.

Sie sind derzeit parteilos. Sie waren einmal CDU-Mitglied und sind aus der Partei ausgetreten.

Goertz: Das dürfte jetzt knapp 20 Jahre her sein. Mit 18, 19 Jahren habe ich mich engagieren wollen und bin dabei beim Kreissportbund gelandet. Wenn ich irgendwo Mitglied bin, engagiere ich mich auch. Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig. Damals habe ich mich für den Sport entschieden. Das hat aber nichts an meiner Verbundenheit geändert. Ich kann auch Fan von einem Fußballverein sein, ohne Mitglied zu sein.

SPD, Grüne und FDP haben keinen eigenen Kandidaten. Hoffen Sie auf deren Unterstützung? Führen Sie bereits Gespräche? Und fällt das als Parteiloser vielleicht sogar leichter?

Goertz: Ich stehe jedem Gespräch offen gegenüber. Ich glaube, dass wir in Geilenkirchen nur dann etwas bewegen können, wenn wir auf Augenhöhe miteinander arbeiten und für Mehrheiten sorgen. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, den Parteien das Gespräch anzubieten.

Warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Goertz: Weil ich mir das Geschehen in Geilenkirchen lange genug angesehen habe. Was mich nervt ist, dass Geilenkirchen jetzt bereits über mehrere Bürgermeister hinweg nicht aus den Pötten kommt. Immer nur eine Amtszeit für einen Bürgermeister tut keiner Stadt gut. Ich glaube, dass ich im Sport bewiesen habe, dass ich Dinge verändern und Visionen entwickeln kann. Ich weiß aber auch, dass dafür fünf Jahre nicht ausreichen.

Warum glauben Sie, ein guter Bürgermeister zu sein? Was zeichnet Sie aus?

Goertz: Ich kann Kontinuität versprechen und Geilenkirchen 20 bis 25 Jahre prägen und gestalten. Ich arbeite seit 16 Jahren im Finanzwesen und in meiner derzeitigen Führungsaufgabe mit Unternehmern und Gewerbetreibenden, also mit der Zielgruppe, die wir bei der Wirtschaftsförderung ansprechen wollen.

Was werden Sie anders machen als Thomas Fiedler?

Goertz: Die Arbeit von Thomas Fiedler will ich nicht bewerten. Mir geht es um Kommunikation, man muss miteinander reden. Mit Kommunikation kann man Gutes bewirken, aber auch Schaden anrichten. In den Ratsfraktionen herrscht großes Misstrauen. Die Zusammenarbeit muss zwischen allen verbessert werden. Wichtig ist mir, auch die anderen Parteien mit ins Boot zu holen, auch sie haben gute Ideen. Vernünftige tragfähige Entscheidungen müssen im Rat gefällt werden. Warum sollte ich mich beispielsweise grüner Themen verwehren, wenn sie gut sind?

Muss man als Bürgermeister-Kandidat nicht Führungserfahrung haben?

Goertz: Doch, auf jeden Fall. Die bringe ich aber mit. Ich bin seit neun Jahren Führungskraft in der Bank. In der Bank habe ich verschiedene Bereiche geleitet. Führungserfahrung habe ich auch in Veränderungsprozessen beim Zusammengehen von Dresdner Bank und Commerzbank erworben. Im Sport habe ich zudem gelernt, aus der Distanz zu führen und Menschen für Visionen zu begeistern. Fehlende Verwaltungserfahrung lässt sich durch die Auswahl guter Mitarbeiter wettmachen. In der Verwaltung sitzen gute Leute.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich gesetzt?

Goertz: Auf jeden Fall die Wirtschaftsförderung. Diese aber nicht nur als Ansiedlung von Gewerbe, sondern als ganzheitliche Aufgabe. Dazu gehört unter anderem die Steigerung der Attraktivität des Standortes, wozu die Förderung des Einzelhandels genauso gehört wie die Schaffung von Wohnraum und ausreichende Freizeit- und Erholungsangebote. Und ich glaube, wir brauchen ein anderes Selbstverständnis in der Verwaltung. Man muss sich immer fragen: Wer ist meine Zielgruppe und wie kann ich sie erreichen? Für die Stadt sind es Bürger und Unternehmer. Ich muss immer wieder deren Perspektive einnehmen und mich fragen, welche Anliegen sie haben und wie ich diese schnell, einfach und zufriedenstellend lösen kann. Ich muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass der, der sich ansiedeln möchte, das Gefühl hat, willkommen zu sein und wenig Aufwand hat.

Es gibt da also einiges zu tun?

Goertz: Auf jeden Fall. Die Stabsstelle Wirtschaftsförderung scheint isoliert zu sein, auch menschlich. Die Wirtschaftsförderin muss unbedingt mit anderen Ämtern in der Verwaltung vernetzt werden, beispielsweise mit Jugendamt und Bauamt. Schließlich müssen wir auch den demografischen Wandel gestalten, vor allem in den Ortsteilen. Es geht um seniorengerechtes Wohnen in der Innenstadt, aber die Menschen wollen auch in ihren Häusern in den Ortschaften alt werden. Deshalb müssen manche Dinge verändert werden, beispielsweise der öffentliche Personennahverkehr. Und die jungen Familien haben ganz andere Ansprüche. Deshalb denke ich an ein Netzwerk für ehrenamtliches Engagement in jedem Ort.

Wie wird Ihr Wahlkampf aussehen?

Goertz: Das kann man jetzt noch nicht sagen. Nach Karneval werden wir ein Wahlkampfteam bilden. Eine Idee für einen Slogan habe ich schon: „Meine Stadt kann mehr – MITeinander mehr erreichen!“.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Goertz: Wir haben es in der Hand. Entscheidend wird sein, dass wir die Bürger, und damit meine ich alle Generationen, erreichen. Und es wird wichtig sein, die Bürger zur Wahl zu bewegen.

Ein Wort zu Ihrem Gegenkandidaten Christian Kravanja.

Goertz: Kann ich noch nichts zu sagen, ich muss ihn erst einmal kennenlernen.

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