Geilenkirchen - Geilenkirchen: Kosten für das Jugendamt sinken

Geilenkirchen: Kosten für das Jugendamt sinken

Von: Udo Stüßer
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Ein verwahrloster Junge auf de
Ein verwahrloster Junge auf der Straße: Ein Fall für die Mitarbeiter des Jugendamtes. Foto: Imago & stock

Geilenkirchen. 4.589.850 Euro soll der Rat der Stadt Geilenkirchen als Zuschuss für das städtische Jugendamt bewilligen. Dies hat der Jugendhilfeausschuss einstimmig beschlossen.

Die Gesamtausgaben des städtischen Jugendamtes belaufen sich auf 8.794.350 Euro, die Einnahmen auf 4.204.500 Euro, so dass ein städtischer Anteil von 4.589.850 Euro verbleibt. Damit ist der Zuschussbedarf mehr als 200.000 Euro niedriger als im vergangenen Jahr und sogar rund 500.000 Euro niedriger als im Jahr 2010.

„Bei allen Hilfen zur Erziehung verzeichnen wir erkennbar sinkende Kosten gegen den Trend”, erklärt Jugend- und Sozialamtsleiter Wilfried Schulz. Und er ist sich sicher: „Die Kosten werden weiter sinken.”

Wirft man einen Blick in den Haushaltsplan, sind auch steigende Kosten sichtbar. So steigen die Ausgaben für soziale Gruppenarbeit freier Träger von 4515 Euro im Jahr 2010 auf 60.000 Euro in 2012. Auch die Kosten der Erziehung in einer Tagesgruppe steigen: von 249.364 Euro im Jahr 2010 auf 300.000 in diesem Jahr.

Während die Kosten für diese vorbeugenden Maßnahmen ansteigen, können andererseits Ausgaben drastisch reduziert werden. So sinken die Kosten für sozialpädagogische Familienhilfen von 1.056.408 im Jahr 2010 auf 750.000 in 2012. Eine wahre Kostenexplosion im Jahr 2010 führt Wilfried Schulz auch auf eine im Jahr 2009 sanierte Wohnsiedlung zurück, in die im folgenden Jahr 108 Familien einzogen. Bei mehr als 70 dieser Familien handelte es sich um sozial schwache Familien.

„60 Prozent der in einem Heim untergebrachten Kinder stammen aus sozial schwachen Familien”, erklärt der Jugendamtsleiter. Bei diesen 108 Familien handelt es sich zu einem großen Teil um Neubürger, zugezogen aus dem ganzen Bundesgebiet. „Zieht eine Familie mit drei Kindern nach Geilenkirchen, von denen bereits zwei in einem Heim untergebracht sind, zahlen wir die Kosten. Und das sind dann für zwei Kinder etwa 8000 Euro im Monat”, verdeutlicht er das Problem. Seine Forderung: „Wir müssen in Geilenkirchen ein bedarfsgerechtes Wohnangebot schaffen. Hier ist kein Bedarf an familiengerechtem Wohnraum, sondern an kleinen Wohnungen.”

Ein Fall für die Polizei

Zusätzliche Einnahmen in Höhe von 300.000 Euro erwartet Wilfried Schulz in diesem Jahr durch die Refinanzierung von Kosten nach dem Opferentschädigungsgesetz und durch den für die Stadt Geilenkirchen positiven Ausgang von Verwaltungsgerichtsverfahren, wodurch das Versorgungsamt und der Landschaftsverband Kosten erstatten müssen, die die Stadt bereits bezahlt hat.

Nach der Kostenexplosion im Jahr 2010 haben Wilfried Schulz und seine Kollegen ein Maßnahmepaket erarbeitet, durch das die Ausgaben reduziert werden können. „Im Bereich der ambulanten Hilfen wurden zusammen mit den anderen Jugendämtern im Kreis Heinsberg einheitliche Leistungs- und Abrechnungsstandards entwickelt. Die so verbesserten Vergleichsmöglichkeiten der Angebote der Träger führten zu einer verstärkten Konkurrenzsituation”, erklärt er. Und: „In weiteren Gesprächen mit den Trägern wurden gemeinsam Leistungs- und Angebotsstandards modifiziert, was letztlich die Gesamtzahl der bewilligten Fachleistungsstunden und damit die durchschnittlichen Kosten pro Leistungsfall erheblich senkte.”

„Eltern und Jugendliche müssen mitwirken. Wenn die sozialpädagogische Familienhilfe nicht greift, ziehen wir uns erst einmal zurück”, erklärt der Jugendamtsleiter. Wenn bei einer hartnäckigen Schulverweigerung sozialpädagogische Hilfe zu keinem Erfolg führe, könne das ein Fall für das Ordnungsamt oder die Polizei sein. In manchen schwierigen Fällen könne auch nur ein durch den Jugendrichter verhängter Arrest die Lösung sein. „Wir bieten dann wieder unsere Hilfe an, wenn wir eine gewisse Bereitschaft erkennen.”

Eine frühere Hilfebeendigung werde in manchen Fällen in der Wirkung abgemildert, indem eine so genannte „Stand-by-Hilfe” bewilligt werde. Hier könne die Familie im Fall einer Krise den bisher tätigen Träger ohne Einschaltung des Jugendamtes für eine vorgegebene Stundenzahl kurzfristig selbst aktivieren. Die Arbeitsweise der einzelnen Träger werde streng danach beurteilt, inwieweit kurzfristig Fortschritte in den Familien erzielt würden.
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