Geilenkirchen is(s)t jetzt klimafreundlich

Von: Udo Stüßer
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Koch Andy Müller, Klimaschutzmanagerin Tina Aldinger und Küchenchef Markus Reichardt gemeinsam am Kochtopf: Sie bieten nun klimafreundliches Essen im Krankenhaus an. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Ein Kilogramm Rindfleisch produziert viermal so viel Kohlendioxid wie ein Kilogramm Geflügel und ist hundertmal schädlicher als die gleiche Menge Gemüse“, weiß Tina Aldinger. Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Geilenkirchen erklärt auch: „Die Herstellung von zwei Rindersteaks verursacht so viele Treibhausgase wie eine Autofahrt von Geilenkirchen nach Euskirchen.“

Tina Aldinger will nun die Menschen für klimafreundliche Mahlzeiten sensibilisieren. Denn: „Nicht nur Wohnen und Verkehr, also Strom, Heizung und Auto, bestimmen den Kohlendioxidausstoß. Von unserem Essen spricht niemand. Die Ernährung macht genauso viel aus wie Wohnen und Verkehr“. Für ihre Aufklärungskampagne hat sie den Küchenchef des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses, Markus Reichardt, mit ins Boot geholt. In der Woche vom 14. bis zum 18. September ist eine Aktionswoche mit dem Slogan „Geilenkirchen is(s)t klimafreundlich“ überschrieben.

Vier Gerichte gibt es seit langem schon täglich für die Patienten des Krankenhauses: Zwei Vollkostgerichte, ein Schonkostgericht und ein vegetarisches Gericht, das auch noch vegan abgespeckt werden kann. Unter diesen Mahlzeiten können nicht nur die etwa 210 Kranken auf den einzelnen Stationen auswählen. Bis zu 250 Kunden besuchen die Cafeteria, 140 Essen gehen ins Reha-Zentrum und 500 Mahlzeiten an Kindergärten und Schulen. Jetzt soll ein klimafreundliches Gericht hinzukommen.

Tina Aldinger war kürzlich eine der Kundinnen, die bei einem Kaffee aufmerksam die Speisekarte studierte. Dabei kam ihr die Idee, mit Markus Reichardt eine solche Aktionswoche zu starten. „Ich wurde gleich mit offenen Armen empfangen. Wir möchten nun gemeinsam den Bürgern bewusst machen, dass sie mit ihrem Essverhalten Einfluss auf den Kohlendioxidausstoß haben“, sagt die Klimaschutzmanagerin, die bei der Gelegenheit erklärt, warum das Klima an unserem Essverhalten leidet.

Kohlendioxidlastig sei besonders rotes Fleisch von Rindern, Lämmern und Schweinen. „Für diese Tiere braucht man große Stallungen, die beheizt und beleuchtet werden. Und die Futtermittelproduktion ist immens. Diese Tiere weiden nicht auf der Wiese, sie werden mit Sojaprodukten gefüttert“, sagt sie. Diese Sojaproduktion finde nicht in Deutschland statt. „In Argentinien werden in diesem Jahr 22 Millionen Hektar Land mit Soja bepflanzt. Dafür wurde Regenwald abgeholzt. Auf diese 22 Millionen Hektar Sojapflanzen werden 26 Millionen Liter Pestizide gesprüht.“

Man könne, so Aldinger, schon zum Klimaschutz beitragen, wenn man an manchen Tagen auf den Verzehr von Fleisch verzichtet. Und wenn man Fleisch essen wolle, dann lieber Hühnchen anstatt Rind. „Nur ein- bis zweimal in der Woche Fleisch und Gemüse und Obst der Saison aus der Region, um weite Transportwege zu vermeiden: damit kann man viel erreichen.“ Dass es deutsche Äpfel auch im tiefsten Winter gibt, liege nur daran, dass sie in Kühlhäusern gelagert werden. „Der Stromverbrauch ist natürlich hoch. Früher haben wir im Sommer Obst für den Winter eingekocht“, nennt Markus Reichardt eine Lösung.

Seit fünf Jahren kocht der Chefkoch mit seinem Team unter dem Motto „aus der Region für die Region“. Allerdings, so bedauert er, seien manche Produkte aus Fernost wie tiefgefrorenes Obst, Geflügel und Gemüse günstiger als Produkte aus der Region. „Für Erdbeeren aus Thailand zahlt man nur 79 Cent.“ Hähnchenschenkel aus Thailand seien schön portioniert, vorgegart, gewürzt, alle von exakt gleicher Größe und alle 120 Gramm schwer. „Und die sind auch noch billiger als die Hähnchen aus unserer Region. Die sind teurer und müssen auch noch zubereitet werden“, sagt Reichardt. Für klimafreundliche Gerichte müsse er in seinem Budget 25 Prozent Mehrkosten einplanen.

„Eine hausgemachte Wirsingroulade beispielsweise muss zubereitet werden, die kann man nicht fertig kaufen. Da der Arbeitsaufwand größer ist, brauche ich mehr Personal.“ Trotzdem hofft Tina Aldinger, dass auch nach dieser Aktionswoche der Klimaschutz in der Krankenhausküche nicht aus den Augen verloren geht. „Einmal in der Woche einen Tag nur mit klimafreundlichen Gerichten wäre schon toll. Und wenn die örtliche Gastronomie das zum Vorbild nehmen würde, wäre es noch besser“, meint sie. Denn sie weiß: „Klima geht durch den Magen.“

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