Geilenkirchen hat viele Trümpfe, aber es gibt noch viel zu tun

Von: Udo Stüßer
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Viele Gäste waren am Sonntag der Einladung des Aktionskreises Geilenkirchen ins Haus Basten gefolgt. Foto: Georg Schmitz
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Dank an den Referenten: AK-Vorsitzender Rüdiger Strübig (links) überreichte Arnd Roszinsky-Terjung ein Präsent.
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Sie erhielten viel Beifall für ihre Darbietungen: Sylvia Lückge und Theo Boomers.

Geilenkirchen. „Setzen wir auf die Trümpfe unserer Stadt und stellen ihre Vorzüge heraus, statt vordringlich auf die Defizite zu achten“, appellierte am Sonntag Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler beim Neujahrsempfang des Aktionskreises im Haus Basten an die Einzelhändler und an die Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Militär und öffentlichem Leben.

 „Wir haben einen Zuwachs an Einzelhandel zu verzeichnen, wir haben innovative Betriebe mit enormen Wachstumschancen in unserer Stadt, wir haben ein vorbildliches Vereinsleben und Menschen, die füreinander einstehen, in unserer Stadt.“ Geilenkirchen kenne den Weg zurück zu einem ausgeglichenen Haushalt, habe hervorragende Schulen und sich auf den demografischen Wandel richtig eingestellt.

Fiedler gab zu, dass man dem auch negative Aussagen entgegenstellen könnte. Die Welt sei aber immer so, wie wir sie wahrnehmen wollten. „Wenn wir klug sind, behalten wir unser Wissen um die zweite Seite der Medaille für uns und konzentrieren uns in unserem Austausch mit anderen Menschen mal ganz bewusst auf den positiven Blickwinkel.“

Positives hatte zuvor schon Aktionskreis-Vorsitzender Rüdiger Strübig im Blick, als er in seiner Bilanz des vergangenen Jahres an Neujahrsempfang, Autoausstellung mit Schlemmertreff, Weinfest als Highlight im städtischen Veranstaltungskalender, Herbstkirmes und Oktoberfest mit Schlemmertreff, Nikolausmarkt und Weihnachtsbeleuchtung erinnerte. Die Zuhörer vernahmen aber auch kritische Worte.

So wies er am Sonntag erneut auf die „unbefriedigende Situation“ auf dem Friedlandplatz und in der Gerbergasse hin. Strübig kündigte jetzt schon an, dass man in diesem Jahr über die zukünftige Finanzierung der kostenaufwendigen Weihnachtsbeleuchtung intensiv und gemeinsam nachdenken müsse.

Der Aktionskreis sei nicht besonders homogen zusammengesetzt, und auch die Ziele seiner Mitglieder stünden nicht immer kongruent zueinander im Gegensatz zu Sport-, Musik- oder Karnevalsvereinen. „Ein Grund mehr, an das Wir-Gefühl und die Solidarität untereinander zu appellieren und für das Miteinander und zum gemeinsamen Mittun aufzurufen“, erklärt Strübig.

Die Mitglieder forderte er auf: „Tragen Sie mit zur Verbesserung der Attraktivität der Stadt und des Vereins bei und leisten Sie einen aktiven Beitrag für unsere Gemeinschaft.“

Kritische Worte gab es auch von Gastredner Arnd Roszinsky-Terjung, der unter der Überschrift „Konsum 2.0. Fit für den Konsumenten von heute?“ Empfehlungen für den Handel und die Verwaltung präsentierte und ungeschminkt aufzeigte, wodurch aus seiner Sicht der Kaufkraftschwund in Geilenkirchen verursacht wird.

Konzepte entwickeln

Vor Jahren noch, so erklärte der seit 1985 selbstständige Unternehmensberater für den Handel, habe Geilenkirchen eine Kaufkraftbindung von 75 Prozent gehabt. Heute seien es noch 72 Prozent, während die Nachbarstadt Heinsberg eine Kaufkraftbindung von 109 Prozent erreiche. Er empfahl ein Konzept für die künftige Stadtentwicklung, die Entwicklung eines Stadtbildes. „Es fehlt ein Leitbild. Was macht Geilenkirchen so einzigartig?“, fragte er und empfahl: „Holen Sie sich Vermieter und Investoren ins Boot. Lassen Sie sich von Profis unterstützen. Arbeiten Sie gemeinsam an der Aufenthaltsqualität. Sie müssen die Menschen positiv überraschen.“

Trotz des Online-Handels habe auch der stationäre Handel eine Chance. „Lustvolles Entdecken von Produkten, die man ersehnt, schätzt oder von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt: darin besteht die Chance des stationären Handels“, erklärte Arnd Roszinsky-Terjung. Eine Attraktivitätssteigerung könne durch stimulierende Läden an charmanten Standorten erreicht werden. Blumenkübel und Pflanzen, wie auf der Konrad-Adenauer-Straße, seien Signale des Willkommens.

Die große, abschreckende braune Fußmatte vor einem Geschäft, so sein Rat, solle besser entfernt und durch einen einladenden roten Teppich ersetzt werden. „Schmutz, Unordnung und ähnliche Signale müssen abgebaut werden“, empfahl der Unternehmensberater, der auch für das Schild an einer Geschäftseingangstür mit dem Hinweis „Achtung! Hunde-Pippi-Pause 13 bis 14 Uhr“ kein Verständnis hatte.

Er präsentierte Bilder von Geschäften mit moderner Fassade, auffälliger Sauberkeit auch vor der Tür und klarer Führung im Geschäft, zeigte aber auch Fotos von Läden, die nicht gerade aufgeräumt erscheinen. Und zum Thema Leerstände meinte er. „Diese traurigen Orte signalisieren Niedergang, die müssen verschwinden.“ Oftmals handele es sich dabei um Ladenlokale, die gar nicht mehr vermietbar seien.

Auch monierte er die auf eine Stunde begrenzte Parkdauer. „Die Parkplätze können nicht genutzt werden von Menschen, die flanieren wollen, sondern nur von denen, die schnell Brötchen kaufen.“ Es sei sicherlich nicht alles schlecht in Geilenkirchen. „Aber es gibt noch viel zu tun.“

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