Geilenkirchen 2020: Bürgermeister blickt in die Zukunft

Von: Udo Stüßer
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Willkommen in Geilenkirchen: Durch neue Baugebiet soll dafür gesorgt werden, dass die Zahl der Grundschüler bis 2020 stabil bleibt. Foto: Udo Stüßer
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Der Synagogenplatz, heute ein Schandfleck, und die alte Stadthalle sollen bis 2020 neu gestaltet sein. Foto: Udo Stüßer
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Er will junge Familien in die Stadt holen: Bürgermeister Thomas Fiedler rechnet bis 2020 mit konstanten Schülerzahlen. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Wie werden die Menschen im Jahr 2020 in Geilenkirchen leben? Vor welchen He–rausforderungen steht die Kommune? Wie sieht Geilenkirchen in der Zukunft aus? Das sind Fragen, mit denen sich Bürgermeister Thomas Fiedler heute schon beschäftigt, ja beschäftigen muss, um die künftigen Probleme bewältigen zu können.

Fest steht jetzt schon: Die Zahl der über 65-jährigen Menschen in Geilenkirchen steigt bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent. Bis 2030 muss sich die Stadt sogar auf eine Steigerung um 55 Prozent vorbereiten. Mit Blick auf das Jahr 2020 hat Geilenkirchens Thomas Fiedler noch eine andere alarmierende Zahl im Auge: „60 Prozent aller älteren Menschen, die Pflege benötigen, werden irgendwann dement“, sagt er.

Auf den demografischen Wandel müssen sich die Kommunen jetzt schon vorbereiten. „Im Jahre 2020 haben wir mit einem spezialisierten privatwirtschaftlichen Unternehmen in zwei Ortschaften die Einrichtung zweier Wohngruppen für Demenzkranke mit insgesamt 48 Plätzen verwirklicht“, hat er bereits jetzt feste Vorstellungen. „Neben der stationären Unterbringung wird hier auch ambulante Verhinderungspflege angeboten. Durch die dezentrale wohngebietsnahe Lage der Einrichtungen und die flexiblen Angebote werden Familien mit demenzkranken Angehörigen entlastet“, sagt er zu seinen Plänen. „Und durch das neue Sozialzentrum Bauchem und eine innerstädtische Investition wurden in den Jahren 2014 bis 2020 mehr als 70 barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen geschaffen.“

Geilenkirchen im Jahre 2020: Das ist trotz des demografischen Wandels keine trostlose Stadt der Alten und Dementen: Dann ist die Erneuerung der Innenstadt abgeschlossen. Nach den fünf Bauabschnitten, die 2015 vollendet werden, ist 2020 auch der Bahnhofvorplatz ansehnlich gestaltet. Mit Rücksicht auf die Finanzlage nicht durchgreifend umgestaltet, aber dennoch ein ansehnliches Schmuckstück. Fiedler rechnet fest damit, dass durch private Investoren markante innerstädtische Baulücken geschlossen werden. Und er ist sich sicher, im Jahre 2020 sagen zu können: „Mit der Umgestaltung der alten Stadthalle konnte auch der Synagogenplatz überplant werden und ist nun ein beliebter innerstädtischer Treffpunkt, ohne den Charakter als Erinnerungsstätte zu verlieren.“

Auch geht er davon aus, dass der Weg vom Beamtenparkplatz über die Haihover Straße bis zur Gerbergasse attraktiv gestaltet ist. Die gute Infrastruktur mit kurzen Wegen, ausreichenden Parkplätzen und attraktivem Wohnraum für ältere Menschen ist für ihn nur ein Grund, warum bis 2020 die Innenstadt zu einem Cluster der Gesundheitswirtschaft mit Ärzten, Physiotherapeuten und Apotheken wird. Die stabile Bevölkerungszahl und der steigende Anteil älterer Menschen tragen dazu bei. Auch rechnet der Verwaltungschef mit steigenden Besucher- und Käuferzahlen im innerstädtischen Einzelhandel.

„Die erfolgreiche Mischung aus inhabergeführtem Einzelhandel und Filialisten mit schnell wachsendem Angebot hat dann zu weiteren Geschäftsgründungen geführt.“ Andere Geschäfte hingegen schließen. Fiedler rechnet damit, dass die Geschäfte zwischen Hünshovener Markt und Schranke auf der einen Seite und zwischen Dohmens Eck und Amtsgericht auf der anderen Seite bis 2020 dicht sind. „Investoren werden aus diesen Geschäften barrierefreie Wohnungen schaffen, der Handel wird sich auf die Innenstadt beschränken.“

Aber zurück zum demografischen Wandel. Die Kindertagesstätten verzeichnen bis 2020 in Geilenkirchen keine sinkenden Zahlen. Auch die Jugendhilfe verspürt den demografischen Wandel nicht. Dann aber erlebt Geilenkirchen eine gesellschaftliche Veränderung, in ihrer sozialen Gliederung wird Geilenkirchen den Großstädten ähnlicher. „Immer mehr Menschen, die Kinder bekommen, leben in prekären Verhältnissen. Der Aufwand für die Jugendhilfe steigt demnach kontinuierlich.“

Im Sinne der sozialen Ausgeglichenheit will Fiedler bis 2020 weitere Neubaugebiete ausgewiesen wissen. „Damit sprechen wir Menschen an, die sich in der Phase der Familiengründung befinden.“ Fiedler geht davon aus, dass durch die Erschließung dreier Neubaugebiete, durch die erfolgreiche Anwerbung von Häuslebauern aus dem Umfeld der RWTH-Campusfirmen und durch die leicht steigende Zahl von Menschen im Alter der Familiengründung die Zahl der Grundschüler stabil bleibt. „Die Stadt muss jedoch ab 2020 mit einem Rückgang dieser Zahlen um knapp zehn Prozent rechnen“, lautet seine Prognose.

Spricht Thomas Fiedler über Schule, so spricht er auch von Visionen: „Die vielen ungeklärten Fragen der Einführung der Inklusion sind einer stabilen Balance zwischen inkludierenden Schulen des gemeinsamen Lernens und kreisweit zwei Förderschulen mit jeweils zwei Schulorten gewichen“, sagt er mit Blick auf 2020. Und ganz optimistisch sagt er: „Einer davon ist Geilenkirchen.“ 3200 Schulkinder wird Geilenkirchen im Jahr 2020 haben. Fünf bis sechs Prozent werden einen Förderbedarf aufweisen. Fiedler hofft, sich im Jahr 2020 über eine erfolgreiche Klage der kommunalen Spitzenverbände freuen zu können, durch die die Landesregierung gezwungen wurde, das Konnexitätsprinzip (Wer die Musik bestellt, soll sie auch bezahlen) auch bei der Inklusion umzusetzen.

Zweites Schulthema, zweite Vision. „Durch eine Änderung im Schulgesetz schafft NRW endlich das, was in anderen Bundesländern schon seit langem die Regel ist: Die Realschule darf integrativ arbeiten und ist nicht mehr gezwungen, Hauptschüler nach der sechsten Klasse zu entlassen.“ Für Fiedler wäre das die Lösung eines lange anhaltenden Dilemmas. Die Gesamtschule sieht Fiedler auch im Jahr 2020 noch vierzügig.

Fünf Millionen Euro ist der Geilenkirchener Haushalt heute von einer schwarzen Null entfernt, 2020 werden es nur noch 2,5 Millionen Euro sein. Und trotzdem freuen sich die Menschen ab 2016 über ein neues, attraktives Hallenbad, das jährlich, so hofft Fiedler, mehr als 120.000 Besucher anziehen wird. Ganz wichtig für den Bürgermeister: „Das neue Bad verbraucht nur noch die Hälfte der Energie, die das alte Bad bis 2013 verbraucht hat.“

Denkt Fiedler an Bauchem, so denkt er auch an die „Durststrecke der Vereine“, die heute keine Unterkunft mehr haben. „Dann haben sie wieder mehrere Räume, die sie für ihre zahlreichen Aktivitäten nutzen. Vergleichbar mit dem Vorbild Waurichen haben sich die Vereine mit Unterstützung der Stadt durch den Umbau einer Immobilie zusätzlich eine gemütliche Vereinsstätte geschaffen.“

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